360 meridians - this is it!

360 Meridiane - 354 Tage - 6 Kontinente - 17 Länder - 45 Flüge

 

We are back in town. Tausend Dank für den herzlichen Empfang. Happy.

 

Nahezu pleite, aber um unendlich vieles reicher kehren wir am 16. Juli in die Schweiz zurück. Das Budget ist bis auf den letzten Rappen aufgegangen. Wir sind bis oben gefüllt mit Impressionen und Emotionen,  welche sich nur schwer in Worte zu fassen lassen. Was wir in diesem Jahr alles erleben durften, ist einfach unvorstellbar gigantisch. Ein Superlativ hat sich an den anderen gereiht. Wir sind überzeugt, dass wir alle noch eine Weile brauchen werden, bis wir all diese Bilder in unseren Köpfen verarbeitet haben - was auch gut so ist.

 

Wir hatten das unglaubliche Glück, dass wir alle immer gesund waren und alles bestens geklappt hat.  Keine grösseren Blessuren oder liegengebliebenes Equipment, alles rund. Zudem hat unser Reiseprogramm 'verhäbet' und wir sind überzeugt, DIE perfekte Weltreise hingelegt zu haben. Wir wissen, dass an dieser Stelle alle mit ähnlicher Erfahrung Einspruch erheben mögen. Trotzdem, wir bleiben dabei; sehr stolz auf unser Projekt und dankbar, dass alles bestens geklappt hat.

 

Die Zeit als Familie ist ein Geschenk: immer zu viert unterwegs, oft auf wenigen Quadratmetern zusammen und alles gemeinsam erlebt. Etwas vom Grössten das es gibt. Wie fühlt es sich wohl an, wenn die Mädels wieder ihr eigenes Zimmer, wir alle mehr Raum und jeder mit Job und Schule eigene Projekte hat? Welche Eindrücke nehmen unsere Kinder von dieser Reise mit? Dinge, welche die Zeit zeigen wird. Nicht nur innerlich sondern auch physisch sind die Mädels 'gewachsen': Maiara ist um ganze 8 cm und Nessina um 6 cm länger.

 

Unsere ganz persönlichen Highlights? Viele.

Aber die folgenden drei Destinationen finden einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen:

 

Rapa Nui: Der Ort mit einer ganz eigenen, selten zuvor so erlebten Stimmung und Harmonie. Einfach mystisch - faszinierende Moais und wunderbar wilde Natur. 

Maupiti: Die Südseeinsel der Träume und einem Leben in Badehosen. Entschleunigung inmitten von Palmen und türkisfarbener Lagune, gesäumt von feinstem weissem Sand.

Machu Picchu: Ganz grosses Kino. Geschichte. Überwältigende Ruinenstadt in grandioser Landschaft; eindrücklich und speziell zugleich.

 

Aber auch die Zeit in Melbourne möchten wir auf gar keinen Fall missen - das fühlte sich wirklich an wie 'home - sweet home'. Eine Auszeit vom normalen Reisepace war goldrichtig und würden wir allen Weltreisenden empfehlen.

 

Back Office und Adrian Stern. "Chumm, mir haued ab und gönd uf Amerika" ist ein Takt zu rosig. Selbst als wir unterwegs waren, gab es zu Hause immer wieder etwas zu erledigen oder organisieren. Die Zeit steht nicht still und ganz ohne Korrespondenz mit Post, Banken, Behörden geht es nicht. Es sei denn, man hat ein gutes Back Office. So wie wir; eines, das einen vom meisten administrativen Kram  entlastet. Sandra, you are great! Vielen, vielen herzlichen Dank.

 

Wieder zu Hause. Ein spezielles Gefühl.  

Wir sind happy und geniessen es, unsere Familien und Freunde wieder in der Nähe zu haben. Aber, wir haben noch Fernweh. Wir vermissen momentan noch die Weite, den Pace und das zusammen unterwegs sein. Mit einem Teil in uns sind wir noch immer unterwegs.

 

Aber es ist schön wieder hier zu sein.

 

What's next? Zelte aufschlagen, tausende Eindrücke, Fotos und Texte sortieren. Und wieder in den geregelten Alltag finden. Gas geben. Die nächsten Abenteuer planen: kleinere, viel kürzere, aber ebenso coole. Die Homepage lassen wir aktiv.

Wer war schon mal in der Antarktis?...

    

little qizz #25!

 

 

Mahé - Seychelles

Zum Abschluss unserer Reise leisten wir uns für zehn Tage eine schöne Wohnung auf Eden Island, nahe Victoria, der Hauptstadt der Seychellen. Eden Island ist eine künstlich angelegte Insel mit einer momentanen Fläche von 0.57 Quadratkilometern und bildet zugleich den eigentlichen Yachthafen von Victoria. Der Bau ist noch nicht abgeschlossen und es können immer noch neue Wohnungen, Häuser oder ganze Villen gekauft werden. Bei einem Liegenschaftskauf wird man automatisch Bürger der Seychellen. Wir haben in der Familie schon zwei Nationalitäten, daher mieten wir die Wohnung lediglich.

 

Unsere Wohnung erreichen wir mit einem Golfwagen, dem einzig zugelassenen motorisierten Vehikel auf der Insel. Selbst zum Shopping in den völlig überteuerten Spar fährt man mit dem Golfwägeli und dort auch gleich in die Tiefgarage. Die Insel hat mehrere Badestrände, einen Tennisplatz, ein Clubhaus, einen Gym, zwei öffentliche Schwimmbäder und zu jeder Wohnung gibt es auch gleich einen Anlegeplatz mit. Wir geniessen die Aussicht von unserem Sitzplatz aus; das Wasser im Hafen ist türkisfarben und auf der Hauptinsel ragt der Berg mit den inseltypischen Granitfelsen dicht bewaldet in die Höhe.

 

Geda ist unsere gute Fee, sie schaut alle zwei, drei Tage bei uns vorbei, kümmert sich um das Wichtigste und reinigt das Apartment. Gerne nehmen wir an einem Abend ihr Angebot für uns kreolisch zu kochen an - kleine Abwechslung zu den vielen T-Bone Steaks die sonst den Weg auf unseren Grill finden.

 

Natürlich gibt es auch ein Leben ausserhalb von Eden Island. Mit unserem kleinen Schrott-Mietwagen, den wir jeweils im Parkhaus gegen unser Golfwägeli eintauschen, erkunden wir die Insel. Der Süden gefällt uns dabei besser als der Norden. Der Strand Beau Vallon im Nordosten allerdings kommt besonders bei den Kids gut an - hohe Wellen und feinster Sand; ideale Voraussetzungen für Body-Boogieboarding. Nessina und Maiara vergnügen sich so stundenlang in den Wellen.

 

Petite Anse ist eigentlich der Hotelstrand des Four Season Hotels. Eigentlich, denn auf den Seychellen gibt es keine Privatstrände. Wir packen die Gelegenheit beim Schopf, stellen 'Schrottie' auf dem Arbeiterparkplatz ab und marschieren Richtung Strand. Ein steiler Abstieg - Gedanken an einen noch anstrengenderen Aufstieg schieben wir noch in weite Ferne. Der Strand ist wirklich sehr schön und die ganze Hotelanlage ist harmonisch ins Gelände eingefügt. Sehr hübsch, hat allerdings auch seinen Preis: die billigste Villa kostest pro Nacht CHF1000. Nach dem Wellenbad geniessen wir die Frischwasserdusche samt fein riechendem Duschgel. Das mitgebrachte Sandwich schmeckt bei den Preisen der Hotelbar gleich doppelt lecker. Mit ein bisschen Jammern werden wir am Schluss sogar mit einem Power-Golfwägeli wieder hinauf zum Parkplatz chauffiert.

 

In den folgenden Tagen machen wir immer wieder Ausflüge zu einer der vielen schönen Beaches. Nessina und Maiara besuchen während drei Vormittagen einen Tenniskurs ausserhalb von Eden Island. Beide sind seither angefressen vom gelben Filz und trainieren das neu Gelernte stundenlang auf dem Tennisplatz von Eden Island. Etwas spät für eine Profikarriere, aber für eine Menge Spass reicht es allemal.

 

La Digue ist die hübschere Insel, aber auch Mahé hat schöne Eckchen. Die Anlage Eden Island gefällt uns sehr gut und wir können uns einen erneuten Besuch der Seychellen sehr gut vorstellen. Das Klima ist in den Monaten Juli/August einfach ideal: Trockenzeit und mit 29 Grad tagsüber und 26 Grad nachts nicht allzu heiss und angenehm warm. Das nächste Mal besuchen wir auch die Insel Praslin, welche wir diesmal ausgelassen haben.

 

Nach 10 Tagen checken wir ein letztes Mal auf dieser Reise unser Gepäck am Flughafen ein. Ein komisches Gefühl. Flug 44 führt uns nach Dubai und Flug 45 unserer Reise anschliessend zurück nach Zürich. Wir freuen uns auf unsere Familie und Freunde; aber wieder sesshaft werden, das fühlt sich sehr surreal an.

 

  

 

 

 


La Digue - Seychelles

Nach knapp neun Stunden landen wir in Abu Dhabi. Der Anschlussflug nach Mahé dauert nochmals 4.5 Stunden. Damit aber noch nicht genug, wir nehmen gleich noch die Fähre nach La Digue. Die Überfahrt via Praslin dauert nochmals zwei Stunden und wir erreichen La Digue pünktlich zum Sonnenuntergang. Was wir durch unsere Schlitzaugen noch sehen können, gefällt schon mal sehr. Hundemüde fallen wir ins Bett.

 

Für die kommenden vier Tage haben wir Fahrräder gemietet und erkunden so die Insel. Das ist auch absolut sinnvoll, denn La Digue ist mit knapp 10 Quadratkilometern die kleinste der drei bewohnten Inseln der Seychellen. Privatautos sieht man praktisch keine auf der Insel. Uns wird einmal mehr bewusst, welch unglaubliches Leben wir momentan führen. Vor ein paar Tagen noch auf der chinesischen Mauer rumgekraxelt und nun auf einer der schönsten Ferieninseln der Welt. Schon ein bisschen verrückt.

 

Die Strände sind wirklich wunderschön und scheinen einem Ferienkatalog zu entspringen. Die Strände Grand Anse, Petite Anse und Anse Cocos liegen im Südosten der Insel. Während den Monsunmonaten kann man hier leider nicht schwimmen, denn die Strömungen sind sehr stark. Auch in den übrigen Monaten wird von einem Schwumm abgeraten, denn hier hat es immer nur wenige Besucher und keine Aufsicht. Aber ganz ohne Bad muss es dann doch nicht sein. Ganz am Ende der Anse Cocos haben die riesigen Granitfelsen einen natürlichen Rockpool geformt und so können wir uns nach der etwas anstrengenden Wanderung (okay, vielleicht sind Flipflops nicht immer das geeignete Schuhwerk) abkühlen.

 

Der Topstrand der Insel ist aber sicherlich Anse Source d'Argent - hier ist man tatsächlich an einem der schönsten Strände der Welt; weisser Pudersand, glasklares Wasser und riesige Granitfelsen zur Linken und Rechten. Wir bleiben an diesem Strand bis uns die Flut das noch letzte trockene Stückchen Strand abluchst. Der Strand ist Teil eines Nationalparks. Hier sehen wir auch die riesigen Landschildkröten, welche über hundert Jahre alt werden können.

 

Am letzten Tag machen wir eine Schnorcheltour zur Ile Cocos und Felicite Island. Wir hoffen auf ein Treffen mit Meeresschildkröten. Der erste Stopp auf Ile Cocos ist leider ein Flop - schlechte Sicht und keine Fische. Beim zweiten Schnorchelhalt wird es dann schon besser - zwischen Korallen sehen wir einige bunte Fische. Der beste der drei Stopps ist dann aber vor Felicite Island. Hier sehen wir erstaunlich viele Fische in allen Grössen und Variationen. Erstaunlich deshalb, denn die Korallen sind alle abgestorben und bilden ein riesiges Trümmerfeld auf dem Meeresboden. In einer kleinen Seitenbucht sehen wir sie dann - unsere Schildkröte. Ein bisschen mehr Schlamm auf dem Panzer, aber ansonsten genau so wie oben auf dem Homepagebild. Wir sind happy.

 

La Digue ist eine wunderbare Ferieninsel und wir sind sicher nicht das letzte Mal hier gewesen. Anreisezeit hält sich nämlich in Grenzen, Klima perfekt, keine giftigen Viecher, Strände kaum zu toppen und alles ist ziemlich relaxt.

 

 

 

 

 

 

 


Peking - 北京

Mit dem High Speed Train von Xi'an nach Beijing dauert die Fahrt etwas mehr als viereinhalb Stunden. Die 1'200 Kilometer legen wir mit einer maximalen Geschwindigkeit von 307 km/h zurück. Der Preis für die Firstclass ist zwar vergleichbar mit dem eines Eco-Flugtickets; die Sitze hier sind aber  um einiges bequemer und breiter. Wir erreichen Peking am West-Bahnhof und nehmen die Metro bis zum Hotel. Die Metro erweist sich in Peking als ideales Fortbewegungsmittel - günstig und ohne Stau ans Ziel.

 

Bereits am ersten Tag besuchen wir die Verbotene Stadt im Stadtzentrum. 1406 begann der dritte Ming-Kaiser mit dem Bau der Verbotenen Stadt. Man vermutet, dass bis zu einer Million Sklaven eingesetzt wurden, denn bereits 14 Jahre später konnte der Bau abgeschlossen werden. Die Verbotene Stadt wurde durch eine 3428 Meter lange und 10 Meter hohe Mauer geschützt, Zutritt hatte nur der Kaiser und sein Hofstaat. In den folgenden Jahrhunderten lebten die Kaiser der Ming und der Qing-Dynastie in den Gemäuern. 1912 musste der letzte Kaiser Puyi abtreten, konnte mit seiner Familie jedoch noch bis 1924 in der Verbotenen Stadt leben. Erst danach wurde sie erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Die Anlage ist gigantisch gross - immerhin befinden sich hier fast 900 Paläste und unzählige Pavillons. Die Verbotene Stadt beeindruckt uns zwar mit ihrer Grösse, aber irgendwie springt der Funke nicht richtig. Alles wirkt sehr kalt und ohne Leben - trotz all der wunderbarer Namen wie 'Tor der höchsten Harmonie' und 'Halle der höchsten Harmonie'...

 

Fast ein bisschen mehr beeindruckt uns das Wetter in Peking. Wir haben eine smogverhangende Kulisse erwartet und geniessen daher den blauen Himmel mit seinen Schäfchenwölkchen. Für uns unterscheidet sich die Luftqualität auch nicht wesentlich von anderen Grossstädten. Wir haben jedoch gehört, dass es im Winter umso schlimmer sein soll.

 

Unser Hauptaugenmerk rund um Peking gilt aber dem grössten Bauwerk der Geschichte, der grossen Mauer. Dazu haben wir uns eine kleine Unterkunft auf dem Lande nahe der Grossen Mauer gesucht. Die kleine Pension wird von einer ehemaligen Reiseleiterin und ihrem Team geführt. Der Austausch mit ihr und einer italienischen Doktorandin, welche ihre Dissertation über die Entwicklung von Ecotourismus in China schreibt, ist äusserst interessant. Ihr Chinesisch beeindruckt nicht nur Nessina und Maiara - es ist also tatsächlich lernbar.

 

Am ersten Tag besuchen wir Mutianyu - ein 'neuerer' Teil der 8'851 Kilometer langen Mauer. Dieser Abschnitt entstand während der Ming-Dynastie (1368-1644). Mit einer Gondelbahn fahren wir hoch zur Mauer. Während den kommenden drei Stunden geniessen wir dieses Bauwerk und wandern auf der Mauer hin und her. Zwischendurch drehen wir noch den Video zu little qizz 24! Es hat nicht viele Touristen, was wir natürlich sehr schätzen. Zum Parkplatz zurück nehmen wir dann einen Sessellift - völlig überteuert für die vielen rostigen Schrauben die man zu diesem Preis bekommt.

 

Am kommenden Tag besuchen wir Jinshanling. Auch dieser Teil der chinesischen Mauer wurde in der Ming-Dynastie (ca. 1570) erbaut, ist aber irgendwie authentischer als Mutianyu am Vortag. Uns gefällt dieser Mauerabschnitt noch besser als der gestrige. Wir fahren mit der Gondel hoch und verbringen drei Stunden auf der Mauer bevor wir zu Fuss den Abstieg zum Parkplatz unter die Füsse nehmen. Ein geschichtsträchtiger Tag und am Abend werden wir in unserer Unterkunft wieder herrlich bekocht.

 

Der Abstecher 'aufs Land' war ein voller Erfolg. Auf der Rückfahrt in unser Hotel im Zentrum Pekings machen wir noch einen kurzen Stopp beim Olympiapark und besuchen das berühmte Vogelnest. Ein bisschen Schweizerstolz schwingt da schon mit.

 

Den letzten Tag in Peking verbringen wir mit Shopping und packen. Unser Flieger verlässt Peking um 01:30 h Richtung Abu Dhabi.

 

little qizz #24!

 

 

 

 


Xi'an - 西安

Xi'an - ausgesprochen 'Shi-An' - war über 1000 Jahre die Hauptstadt Chinas und ist der Ausgangspunkt der legendären Seidenstrasse. Die Stadt besitzt die grösste intakte Stadtmauer Chinas und ist weltbekannt für ihre Terracotta-Soldaten.

 

Unser Hotel liegt gleich beim Südtor der 12 Meter hohen und bis zu 18 Meter breiten Stadtmauer. Uns erstaunt, dass die gesamte Festung innerhalb nur weniger Jahre (1374 - 1378) erstellt wurde, hier müssen extrem viele Arbeiter eingesetzt worden sein. Die gesamte Ringmauer ist rechteckig und misst 13,6 Kilometer. Wir haben gelesen, dass man die Mauer am besten mit einem gemieteten Fahrrad umrunden kann. Das wollen wir eigentlich auch machen, aber leider sind die chinesischen Behörden bezüglich dem Mindestalter sehr strikte. 10 Jahre! - da hilft auch kein märten. Es bleibt uns nichts anderen übrig, als zu einem horrenden Preis ein Stretchgolfwägeli mit Driver zu mieten. Auch hier: Regeln über Regeln die beachtet werden müssen. So wird nach jedem Stop genaustens überprüft, ob wir auch alle wieder gut angeschnallt sind. Wir könnten bei den rasanten 15 km/h ja noch aus dem Wägeli kippen. Auch zusätzliche Fotostopps lassen sich nur nach einer längeren Diskussion einschalten, aber immerhin werden für uns vier zusätzliche Stopps gemacht.

 

Als 1974 Bauern einen neuen Wassergraben ausheben wollten, stiessen sie auf Tonscherben und entdeckten so die Grabstätte des Kaisers Qin Shihuangdi. Dieser liess kurz nach seiner Thronbesteigung (221 v. Chr.) mit den Bauten starten und während den kommenden 36 Jahren waren hier bis zu 700'000 Arbeiter beschäftigt. So entstand eine Grabkammer, welche von einer Armee lebensgrosser Tonsoldaten beschützt werden sollte.

 

Mit dem Bus dauert die Anfahrt zur tönernen Armee gut eine Stunde. Das Areal vor dem Museum ist mit vielen Souvenirshops und Restaurants versehen. Uns wurde gesagt, dass man die Reihenfolge der drei Hallen in umgekehrter Reihenfolge absolvieren soll, denn Halle 1 sei mit Abstand die Spektakulärste. Wir beherzigen diesen Tipp und starten mit den Hallen 2 und 3. Halle 3 hat ein paar Exponate - vier Pferde und etwa zwanzig Soldaten - in sehr gutem Zustand. In Halle 2 sind die Ausgrabungen noch in vollem Gange und man sieht nicht allzu viel, denn die Figuren sind teils noch durch eine Erdschicht zugedeckt. Bisher wurden mehr als 3000 Soldaten und Pferde ausgegraben. Man schätzt, dass es sich dabei noch nicht mal um die Hälfte aller Figuren handelt. In dieser Halle hat es vier sehr gut erhaltene Soldaten in einem Schaukasten - Bogenschütze, Soldat, General und Pferd. Die feinen Gesichtszüge und die Liebe zum Detail sind wirklich erstaunlich. Keine Figur gleicht einer anderen - Nase, Augen Haare, Grösse, Dicke und Kleidung - alles ist individuell gestaltet.

 

Wie geplant sparen wir uns Halle 1 für den Schluss auf - wirklich überwältigend. Hunderte von Soldaten schauen uns entgegen, als wir die Halle betreten. Hier herrscht auch am meisten Betrieb; alle wollen ein Föteli mit der tönernen Armee. Wir bilden da keine Ausnahme. Im hinteren Teil der Halle treffen wir auf das Soldatenlazarett. Zerbrochene Tonfiguren werden hier wieder zusammengeklebt - ein riesiges Puzzle.

 

Nach dem Besuch der Ausstellung machen wir in dem einen oder anderen Souvenirshop vor dem Museum doch noch einen Halt... seither werden wir von einem Soldat und einem General beschützt.

 




Guilin - 桂林

Unser Flug von Shenzen nach Guilin um 22:00 wird gestrichen. Das Boarding startet zwar pünktlich - was für Shenzhen sehr ungewöhnlich ist - und wir sitzen angeschnallt im Flieger, iPod eingestöpselt und Nackenkissen aufgeblasen. Nach rund 20 Minuten müssen wir jedoch wieder aussteigen, denn das Wetter in Guilin lasse momentan keine Landung zu. Vielleicht sei ein Start in drei Stunden möglich - also warten wir. Und warten. Die Menge lichtet sich, ein Shop nach dem anderen macht die Luken dicht und Bodenpersonal wird rar. Als wir gegen halb zwei Uhr morgens nur noch eine Handvoll Leute sind, versuchen wir, jemanden mit genaueren Infos aufzutreiben. Nicht ganz einfach, denn das Flughafenpersonal spricht kaum Englisch. Wir werden schliesslich einem Angestellten zugeteilt, der zwar auch nicht englisch kann, dafür aber sein App Chinese-English-Translator im Griff hat - ein Segen. Wir erfahren, dass der Flug endgültig gestrichen ist, und wir in ein ***-Hotel verfrachtet werden würden. Uns schwant Schlimmes und wir überlegen ganz kurz, die Nacht am Flughafen zu verbringen, bevor wir uns dann doch in die Warteschlange beim Bus stellen. In einem voll besetzten Bus werden wir mitten in der Nacht eine halbe Stunde lang durch Shenzhen chauffiert und vor dem Hotel abgeladen. Die Zimmerzuteilung hat den Touch eines Handelstages an der klassischen Börse - hektisch - aber letztenendes auch schnell. Wir sind von unserer Absteige positiv überrascht, denn wir haben eine chinesische Raucherhöhle erwartet. Um drei Uhr morgens liegen wir im Bett. Nach drei Stunden Schlaf werden wir schon wieder abgeholt und um 09.15 Uhr geht der Ersatzflieger nach Guilin - das Wetter hat sich zwischenzeitlich zum Glück gebessert.

 

Bereits im Anflug sehen wir die Kalksteinfelsen rund um Guilin. Unser B & B liegt in einem herzigen Stadtteil und bereits am ersten Abend machen wir einen kurzen Ausflug auf einen der Karstfelsen. Hier haben wir einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Hügel. Am folgenden Tag machen wir die obligate Flussfahrt auf dem Li River. Tausende Touristen werden täglich in Booten von Guilin nach Yangshuo gefahren. Die Hügellandschaft links und rechts ist sogar auf der 20 Yuan-Note verewigt. Die Passagiere sind - bis auf uns und ein Pärchen aus England - alles Chinesen, denn Guilin ist vor allem bei den Chinesen eine beliebte Feriendestination. In Yangshuo angekommen, mieten wir zwei eBikes und eine Touristenführerin. Sie führt uns in den verbleibenden drei Stunden rund um Yangshuo und die Karstfelsen. Das Städtchen selbst gefällt uns auch und lädt zum bummeln ein. Wir haben das Gefühl im chinesischen Interlaken gelandet zu sein. Am späteren Nachmittag werden wir mit dem Bus nach Guilin zurückgefahren. Auf der Rückfahrt staunen wir über die kompromisslose Umsetzung der Gestaltungspläne: auf mehreren Kilometern Länge werden komplette Häuserblocks niedergerissen, damit die Strasse um zwei Spuren verbreitert werden kann. Beeindruckend aber auch etwas beängstigend. 

 

Am kommenden Tag besuchen wir die Reisterassen von Longji. Diese liegen zwei Autostunden von Guilin entfernt auf 1000 müM und werden von den Zhuang und den Yao - zwei ethnischen Minderheiten - bewirtschaftet. Die Reisterrassen bilden wohl zu jeder Jahreszeit ein tolles Fotomotiv - momentan spiegelt sich der Himmel in den mit Wasser gefüllten Terrassen;  erst vor einer Woche wurden die neuen Reissetzlinge gesteckt. Hier ermöglicht das Klima jährlich zwei Reisernten. Unser Mittagessen nehmen wir im Bergdorf mitten in den Reisfeldern ein. Wüssten wir es nicht besser, dächten wir, wir sitzen im Prättigau wo wegen der lauen Winter nun neu Reis angepflanzt werden kann. Nach dem Mittagessen wandern wir durch die Reisterrassen und entdecken im Geäst eine Schlange - die erste auf unserer Reise.

 

Die Yao Frauen der Region sind berühmt für ihr langes Haar. Nur einmal im Leben - vor der Hochzeit - wird ihr Haar geschnitten. Diese geschnittenen Haare, sowie alle Haare, welche sie durch das häufige Bürsten verlieren, werden sorgsam aufbewahrt und täglich ins noch vorhandene Haar eingeflochten. Alle paar Tage waschen sie ihr Haar mit gegorenem Reiswasser und haben auch im hohem Alter noch glänzendes schwarzes Haar. Einleuchtend, dass es hier den Beruf Coiffeur nicht gibt. 

 

 

Wir fahren zurück nach Guilin und einzig fuchst uns ein bisschen, dass uns durch den verschobenen Flug ein weiterer Tag in der Region fehlt. Schön war's hier. 

 

 

 

 

 

 


Hong Kong - 香港

Hong Kong, welches zwischen 1843 und 1997 britische Kronkolonie war, ist heute eine chinesische Sonderverwaltungszone. Die Stadt mit durchschnittlich 6'500 Einwohnern pro Quadratkilometer überrascht mit extrem viel Grünfläche, wie wir bereits vom Flugzeug aus sehen können. Von den 1104 Quadratkilometern Landfläche sind derweil nur etwa ein Viertel bebaut, dies dafür sehr dicht und daher gibt es Gebiete mit 16'000 E/km2. Viele der modernen Hochhäuser stehen auf neugewonnenem Land und so hat sich die Fläche Hong Kongs seit 1887 um 68 Quadratkilometer vergrössert.

 

Am besten lässt sich eine solche Stadt mit einer Hop on-/ Hop off-Tour erkunden. Es gibt drei verschiedene Linien und wir entscheiden uns für die beiden Touren auf Hong Kong Island. Wir sehen und hören viel über diese riesige und pulsierende Stadt. Dank deutschem Kommentar und einigen interessanten Geschichten über Piraten, finden es auch Nessina und Maiara spannend. Unterbrochen wird die Busfahrt von einer kleinen Bootstour, einem Marktbesuch und einer Fahrt auf den Victoria Peak mit einer Standseilbahn. Hier essen wir auch zu Abend und geniessen die Abendlichter Hong Kongs.

 

In den letzten vier Wochen haben wir unzählige Tempelanlagen besucht und so finden wir den Besuch eines Vergnügungsparks mehr als berechtigt. Nessina und Maiara erwarten an diesem Morgen zwar zunächst eine weitere Tempelanlage und sind verständlicherweise aus dem Häuschen als sie den 'Tempelanlage-Fake' bemerken.

 

Hong Kong Disneyland wurde 2005 eröffnet und ist die 5. Freizeitlanlage des Walt Disney Konzerns. Es handelt sich um das kleinste Disneyland, aber für einen Tag hat er genau die richtige Grösse. Der Park besteht aus sieben verschiedenen Bereichen und hat für alle was dabei. Die beiden Paraden sind aufwändig gehalten und wir wollen keine Sekunde mit Mickey, Minnie oder Donald unter den dicken Kostümen tauschen. Obwohl es auch heute bedeckt ist, ist es sehr schwül und heiss.

 

Die Besucherzahl hält sich in Grenzen und die maximale Wartezeit für eine Bahn liegt bei 15 Minuten. Bei so wenigen Besuchern schaffen wir alle wichtigen Bahnen locker und unsere Favoriten können wir sogar zweimal besuchen.

 

Zum Abschluss wird täglich ein Feuerwerk über dem Cinderella-Schloss geboten. Durch Zufall haben wir einen Platz in der vordersten Reihe. Es ist zwar extrem eng hier in der Menschenmenge, aber es lohnt sich.

 

Am folgenden Tag überqueren wir die Grenze zu China auf dem Landweg. Unser Flug geht abends um 10 Uhr ab dem Flughafen Shenzhen ... zumindest ist es so geplant. Mehr dazu im nächsten Blog.

 

 

 


Angkor Wat, Siem Reap

Wir verbringen 6 Nächte in Siem Reap und kaufen uns bereits am ersten Tag einen Wochenpass für die Tempelanlagen rund um Angkor. Angkor Wat ist wohl die bekannteste und besterhaltenste Anlage in Angkor. Das gesamte Gebiet rund um Angkor Wat ist mit vielen weiteren Tempelanlagen versehen. Wir werden wohl mehrere Tage benötigen, um sie alle zu besuchen.

 

Die Einführung von Bewässerungsanlagen ermöglichte es dem Khmer-Reich zu Beginn des letzten Jahrtausends Reisüberschüsse zu produzieren. Dies brachte dem Volk Reichtum. Somit waren die Khmer finanziell in der Lage, grosse Tempelanlagen und Städte zu errichten. Um 1150 liess König Suryavarman II. die Tempelanlage Angkor Wat errichten; sie diente der Verehrung Vishnus. Nach einer religiösen Revolution wandelten sich die Tempel von Angkor nach und nach von hinduistischen zu buddhistischen Kultstätten. Angkor Wat ist heute der grösste sakrale Bau der Welt.

 

Vom Hotel aus nehmen wir ein Tuk Tuk und fahren gleich am ersten Abend ein erstes Mal zur Tempelanlage Angkor Wat. Noch bevor wir aus dem Tuk Tuk aussteigen können, werden wir von einer Kinderschar belagert, die Postkarten, Magnete oder Halstücher verkaufen wollen. Leider sind wir schon etwas spät dran und schaffen es nicht mehr in das Innere des Tempels. Was wir aber schon von aussen sehen können macht Freude.

 

Am folgenden Morgen starten wir früh unsere Tour. Ein Vorteil, denn die Temperaturen steigen sehr schnell an. Vor dem Mittagessen besuchen wir Ta Prohm - eine Tempelanlage mit ehemaligem Kloster und weiteren Gebäuden. Sie wurde anfangs 13. Jh fertig gestellt und wird heute von unzähligen Touristen heimgesucht. 'Tomb Raider' und 'Lara Croft' sind die Worte, die wir am häufigsten von anderen Touristen zu hören bekommen. Uns beeindrucken vor allem die Würgefeigen, welche ihre Wurzeln über ganze Häuser hinweg wachsen lassen. Es ist sehr, sehr heiss und wir sind froh, dass unser Fahrer ein Restaurant mit Klimaanlage kennt. Am Nachmittag besuchen wir nochmals kurz Angkor Wat und danach ab in den Pool.

 

Um den Sonnenaufgang in Angkor Wat zu sehen, starten wir mit dem Tuk Tuk um 4.30h vom Hotel aus. Wir sind nicht alleine, aber eigentlich haben wir es schlimmer erwartet. Während wir unser Frühstück aus der Breakfastbox geniessen, verfärbt sich der Himmel immer mehr. Nach dem Sonnenaufgang besteigen wir noch die Türme von Angkor Wat und geniessen die Aussicht auf die Tempelanlage.

 

Gleich anschliessend besuchen wir die buddhistische Tempelanlage Bayon. Der Bau dieses ungewöhnlichen Tempels wurde Ende des 12. Jahrhunderts in Angriff genommen. Bayon ist neben Angkor Wat wohl die bedeutendste Tempelanlage in Angkor. Die vielen Türme mit den meterhohen, in Stein gemeisselten, Gesichtern ziehen einem schnell in ihren Bann. Insgesamt gibt es 200 Gesichter, die bis zu 7m hoch sind. Die Anlage geriet im 15. Jh in Vergessenheit und wurde mit dicker Urwaldvegetation überwuchert. Ende 1980 wurde die Anlage restauriert und seit 1992 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es gibt Vermutungen, dass unter der dicken Urwaldvegetation noch weitere Tempelanlagen verborgen sind.

 

Die nächsten zwei Tage kehren wir immer wieder nach Angkor zurück und schauen uns den einen oder anderen Tempel an oder geniessen die Fahrten mit dem Tuk Tuk durch diese geschichtsträchtige Gegend. Am letzten Tag besuchen wir Preah Khan ein zweites Mal. Die langgezogene Tempelanlage gefällt uns und es hat kaum Touristen. Heute zeichnet sich aber ein Gewitter am Himmel ab - wir beeilen uns, schaffen es aber nicht rechtzeitig. Es schüttet aus Kübeln und es blitzt und donnert. Wir suchen Schutz in der Tempelanlage; mystisch. Nach dem Regen werden uns eindrückliche Bilder geboten - dampfende Böden, erste Sonnenstrahlen inklusive Regenbogen. Ein toller Abschluss unserer Tage in und um Angkor.

 

Auf der Rückfahrt ins Hotel hängt sich ein Franzose mit seinem Fahrrad an unser Tuk Tuk. Er ist vor zwei Jahren in Frankreich mit dem Fahrrad gestartet und in rund eineinhalb Jahren will er seine abenteuerliche Reise in Sao Paulo beenden. Wir sind beeindruckt, nehmen dann aber doch lieber den Flieger nach Hong Kong.

 

little qizz #23

 

 

 

 

     das 


Nyaung Shwe, Inle-Lake

Nach knapp einer halben Stunde landen wir bereits in Heho. Mit dem Taxi fahren wir nach Nyaung Shwe, ein grösseres Dorf am nördlichen Ende des Inlesees. Hier bleiben wir drei Nächte. Die Temperaturen sind angenehm, denn der Inlesee liegt auf 875 müM. Wir freuen uns über die Abkühlung.

 

Unser Hotel liegt am Kanal, welcher direkt in den Inlesee führt. Eine interessante Aussicht wird uns geboten: Langboote mit effizienten Stabmixern als Aussenmotor rattern flussauf- und abwärts. Die Boote sind mit Körben - gefüllt mit Tomaten - beladen oder transportieren Einheimische oder Touristen.

 

Auch wir unternehmen mit einem solchen Boot eine Tour auf dem Inlelake, der etwa 22 km lang und halb so breit ist. Vorbei an den berühmten fischenden Einbeinruderern, durchqueren wir gleich zu Beginn den See. Am anderen Ende ist nämlich gerade Markt. Das Leben der Menschen hier ist stark auf den See ausgerichtet. Rund um den See leben etwa 70'000 Menschen in Pfahlhäusern. Unzählige Langboote 'parkieren' vor dem Markt und einige Souvenirverkäufer benutzen gleich ihr Langboot als Ladenfläche. Der eigentliche Markt ist an Land und für uns sehr interessant; eine wahre Abwechslung zum Markt in Luino. Es wird viel Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch aber auch alltägliche Dinge wie Werkzeuge, Toilettenartikel und Kleider angeboten. Es hat auch einen Stand mit Betelnüssen. Wir verzichten, denn es schaudert uns immer wieder an der roten Spucke am Boden vorbeizugehen. An diesem Markt scheint es viele Betelnusskonsumenten zu haben.

 

In unsere Tour schleicht sich eine "Teppichhändler-Tour" als Intermezzo ein, denn nach dem Markt werden wir noch in eine Weberei und in eine Silberschmiederei geführt und zuguterletzt sehen wir noch wie Papierschirme hergestellt werden. Die Weberei fanden wir noch recht interessant; nebst Baumwolle und Seide wird hier auch Lotusfaden verarbeitet. Wir sehen, wie die Fasern aus den Stängeln gewonnen werden. Der Faden erinnert uns an Leine. Alles andere ist wohl ähnlich wie in einer europäischen Weberei vor hundert Jahren - sehr eindrücklich. Wir erwerben einen Schal und einen Longirock. Im Silberladen und bei den Papierschirmen schrauben wir den Pace massiv rauf und haken die Führungen pflichtbewusst aber im Eiltempo ab. 

 

Beim nächsten Stop treffen wir auf Frauen der Padaung (Eigenbezeichnung: Kayan) mit ihrem auffälligen Hals- und Beinschmuck. Die Padaung leben in Bergregionen in der Nähe des Inlelakes und waren immer wieder Opfer von Übergriffen des burmesischen Militärregimes. Daher flüchteten viele von ihnen ins angrenzende Thailand, wo sie heute in Flüchtlingscamps leben. Beim Schmuck handelt es sich nicht um einzelne Ringe, sondern um eine Spirale, die alle paar Jahre durch eine neue und grössere Spirale ersetzt wird. Die ersten 'Ringe' erhalten Mädchen im Alter von 5 Jahren und messen ca. 10 cm. Spätestens bei der Heirat weist die Halsspirale dann 20 bis 25 Windungen auf, was einer Gesamthöhe von 30 cm und etwa 10 Kilogramm Messing entspricht. Wir finden die Begegnung spannend, aber weil wir wissen, dass die Kayan in Thailand regelrecht zur Schau gestellt werden, wissen wir hier zuerst auch nicht so recht wie wir uns verhalten sollen. Nessina und Maiara brechen aber das Eis, denn die Initiative für ein Foto geht von den burmesischen Frauen aus.

 

Wir fahren mit dem Langboot weiter durch ein ganzes Fluss- und Kanalsystem bis zur Indein Pagode. Hier ist der Weg das Ziel - unter Lauben mit vereinzelten Marktständen gelangt man zur erhöhten Pagode. Als wir zum Boot zurückkehren, fängt es an zu regnen - tropisch zu regnen. Wir sehen, dass keine Besserung in Sicht ist, daher packen wir unsere Regenjacken aus und klammern den Schirm fest. Die einstündige Fahrt zurück ist ein Erlebnis und wir kommen klatschnass zurück ins Hotel. Wir hatten schon befürchtet, die Regenjacken umsonst rund um die Welt geschleppt zu haben.

 

Am zweiten Tag schnappen wir uns die Hotelfahrräder und radeln durch das Dorf und die angrenzenden Reisfelder. Wir durchqueren mehrere Siedlungen und werden überall freundlich gegrüsst - 'Mingalaba'.

 

Am Folgetag fliegen wir bereits wieder zurück nach Mandalay und unsere kleine Rundreise in Myanmar geht zu ende. Myanmar hat uns sehr gut gefallen und wir können uns einen weiteren Aufenthalt zu einer anderen Jahreszeit sehr gut vorstellen. In den Wintermonaten könnte auch die Küstenregion gut bereist werden.

 

 

 


Bagan

Bagan - auch so eine Traumdestination auf unserer Reiseliste.

 

Bagan bildete im Mittelalter als Königsstadt das Herrschaftszentrum des ersten vereinten Reiches im heutigen Myanmar. Mit einer Fläche von 40 Quadratkilometern war Bagan eine der grössten Städte des Mittelalters. Da die damaligen Herrscher ihre Macht eng an den buddhistischen Glauben knüpften, entstanden zu jener Zeit (11. -13. Jh.) unzählige Pagoden. Ihre Zahl wird auf 6000 geschätzt. Die heute noch rund 2000 auf diesem Areal vorhandenen Pagoden bilden eine der grössten archäologischen Stätte Südostasiens. Leider wurden 1975 bei einem grossen Erdbeben - mit Epizentrum in Bagan - viele Bauten erheblich beschädigt. Die Pagoden wurden teilweise wieder hergestellt, allerdings nicht sehr sorgfältig. So wurden zum Beispiel neue Ziegel eingesetzt oder auch mal zu Beton gegriffen. Dieses Vorgehen wird von der UNESCO stark kritisiert und dies ist mit ein Grund, dass die Tempel von Bagan (noch) nicht in der UNESCO-Weltkulturerbeliste erfasst sind. Seit 2012 ist die UNESCO jedoch in Bagan und hilft eine Nominierung vorzubereiten. Wer weiss, vielleicht liegt der Charme von Bagan aber auch darin, dass nicht Millionen von Touristen diesen Ort besuchen.

 

Gleich am Flughafen lösen wir den 'Bagan Visitor Pass' und fahren dann mit dem Taxi zu unserem Hotel in Neu-Bagan. Die nächsten Tage sind wir dann nur noch auf zwei Rädern unterwegs. Bereits am ersten Abend rollen wir mit unseren zwei eBikes durch die Ebene von Bagan und besteigen die Shwesandaw-Pagode für einen ersten Sonnenuntergang über den Pagoden. Schlicht überwältigend.

 

Die ebikes sind auch für die kommenden drei Tage das ideale Fortbewegungsmittel. Mit knapp 50kmh fahren wir kreuz und quer, auf geteerten Strassen oder Feldwegen, durch das Gelände. Pagoden gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Grössen. Es fällt uns schwer eine Rangliste zu erstellen - das Gesamtpaket stimmt extrem. Der Ananda-Tempel wird allerdings als der schönste Tempel Bagans gehandelt. Uns gefällt er auch sehr gut, vor allem sein Innenleben. Vier 9.5 Meter hohe, mit Blattgold verzierte Buddhas schauen in die vier verschiedenen Himmelsrichtungen. Unzählige weitere kleine Buddhas sind in einer Galerie rund um die vier Riesenbuddhas angeordnet. Alles sehr harmonisch.

 

Bei allen grösseren Pagoden wird man von unzähligen Souvenirverkäufern belagert und Kinder verkaufen Postkarten im Zehnerpack für einen Dollar - 'nicht teuer, ganz billig' 'vielleicht später?' werden wir von den Kindern in einwandfreiem Hochdeutsch gefragt. Wir sind erleichtert, als uns ein Mädchen sagt, dass heute der letzte Ferientag sei und morgen die Schule wieder beginnen würde. Sie selbst ist 16 Jahre alt und spricht sehr gut englisch. Nessina und Maiara staunen nicht schlecht als sie sagt, dass in Myanmar viele Mädchen mit 16 heiraten würden. Auch sonst treffen wir viele nette Menschen, die einfach noch ein bisschen schwatzen und so ihr Englisch aufbessern wollen.

 

Mittags machen wir jeweils eine Pause und kühlen uns im Hotelzimmer ab oder springen rasch in den Swimmingpool. Es ist Hochsommer und sehr heiss. Abends starten wir dann wieder unsere Roller und suchen einen schönen Spot für den Sonnenuntergang. Der Sonnenunter- sowie der Sonnenaufgang sind zu dieser Jahreszeit wegen den vielen Wolken nicht bombastisch, aber das ist egal. Die Stimmung auf den Pagoden ist einzigartig und wir geniessen das in vollen Zügen. Am letzten Morgen machen wir uns um 04.30h auf zur Shwesandaw-Pagode und besteigen diese in der Dunkelheit mit einer Taschenlampe. Wir sind die ersten und alleine auf der Pagode, wenn auch nur für fünf Minuten. Die Geräuschkulisse, die uns begleitet ist einmalig, tausende Grillen zirpen in der Steppenlandschaft unter uns und hier und  dort kräht ein Hahn. Nach und nach füllt sich die oberste Etage der Pagode. Wolken verhindern zwar einen einen Traum-Sunrise, aber schon diese Budget-Version ist sehr schön.

 

Zwei Stunden später befinden wir uns bereits am Flughafen, bereit für unseren Weiterflug. Bagan hat uns extrem gut gefallen und das eine oder andere Souvenir hat den Weg in unser Gepäck geschafft.

 

little qizz #22!

 

 


Mingalaba Mandalay, Myanmar

Nach einem knapp zweistündigen Flug landen wir in Mandalay, Myanmar. Bereits beim Anflug sehen wir die unzähligen Pagoden und Tempel aus der Luft. Wir freuen uns auf unser neues Reiseziel. Myanmar war zwischen 1962 und 2010 eine Militärdiktatur und erst 2013 erschien erstmals wieder eine private Zeitung. Wir sind überrascht, dass Myanmar beim HDI den 148. Rang belegt - gleich nach Pakistan und vor Angola. Kein anderes asiatisches Land schneidet schlechter ab und ist in diesem Sinne - zumindest auf dem Papier - das 'ärmste' und 'am wenigsten entwickelte' Land auf unserer Weltreise. In Myanmar leben 55 Millionen Menschen, die 135 verschiedenen Ethnien angehören.

 

Der Immigration Officer ist der bis anhin herzlichste Zollbeamte auf unserer gesamten Reise. Mit einem kleinen Minibus fahren wir gut eine Stunde in unser Hotel. Im Vorfeld haben wir einiges über die miserablen Strassen in Myanmar gelesen; zumindest die Strasse in die Stadt ist aber picobello. Bisher dachten wir, dass es entweder Links- oder Rechtsverkehr gibt. Hier in Myanmar merken wir, dass es noch eine dritte Form gibt. Rechtsverkehr, aber mit Autos für den Linksverkehr gefahren. Vor ca. zwanzig Jahren hat die Regierung von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt; die meisten Autos werden aber nach wie vor als 'used cars' mit Rechtslenkung aus Japan importiert. Nicht ganz unproblematisch wie die Fahrer bestätigen und wir vermuten, dass das Ersatz- und Service Business für linke Rückspiegel und Spengler sehr attraktiv sein muss. 

 

Wir bleiben zwei Nächte in Mandalay und besuchen den 240 Meter hohen Mandalay Hill und geniessen die wunderbare Aussicht auf Mandalay und das umliegende Land. Die Menschen sind etwas zurückhaltender als in Indonesien - tauen aber rasch auf, als sie mit Nessina und Maiara ein Bild machen dürfen - Cheese!

 

Anschliessend besuchen wir das Shwenandaw-Kyaung-Kloster und den Königspalast. Das Shwenandaw-Kyaung-Kloster ist aus Teakholz und bezaubert mit wunderbaren Schnitzereien und einer angenehmen Ruhe und Stille. Der Königspalast wurde zwischen 1857 und 1859 erbaut und ist von ist von einer 3 Kilometer langen Ringmauer umgeben. Der letzte König wurde mit seiner Familie ins Exil nach Indien verbannt, nachdem die Briten 1885 Burma besetzten.

 

Am besten gefällt uns jedoch die Kuthodaw Pagode mit ihren 729 weissen Stupas. 1871-1872 fand hier das 5. Buddhistische Konzil statt. Zunächst wurden die festgelegten Lehrmeinungen auf Palmblätter niedergeschrieben und dann später auf Marmortafeln gemeisselt. In jeder der 729 Stupas steht nun eine solche Marmortafel. Die aufwändige Verewigung hat dazu geführt, dass die Pagode den Beinamen 'Das grösste Buch der Welt' erhalten hat.

 

Ursprünglich wollten wir mit einem Boot von Mandalay nach Bagan weiterreisen. Wegen des tiefen Wasserstandes des Flusses Irrawaddy im Monat Mai ist dies aber nicht möglich und wir nehmen den Flieger. Myanmar hat im wesentlichen drei Jahreszeiten: Regenzeit (Ende Mai - Oktober), kühle Jahreszeit (November - Februar) und die heisse Jahreszeit (März - Mai). So muss sich ein Dumpling im Bambuskörbchen fühlen.


Bangkok

Wir verbingen drei Tage in dieser lebhaften Metropole. In Bangkok leben über 8 Millionen Menschen, in der Metropolregion sogar fast 15 Millionen. Unser Hotel liegt in der Nähe des Flusses Chao Phraya. Dies erweist sich als ausgezeichnete Wahl, denn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten können wir so mit einer kurzen Bootsfahrt besuchen und müssen uns nicht in endlos dauernden Taxifahrten durch den Grossstadtverkehr kämpfen.

 

Am ersten Tag besuchen wir den berühmten Tempel Wat Pho mit dem 'Reclining Buddha'. Eine vergoldete, 46 Meter lange und 15 Meter hohe, Statue des liegenden Buddhas. Der Tempel wurde im 17. Jahrhundert gegründet und später dann erweitert und restauriert.

 

Adäquate Bekleidung und Verhalten beim Besuch eines Tempels sind selbstverständlich; dennoch scheint ein Wald voller Hinweisschilder notwendig zu sein. Die imposante Statue beeindruckt, und wird untermalt vom Klang dutzender klimpernder Münzen, welche in Schalen geworfen werden und Glück bringen sollen. 

 

Die riesige Tempelanlage beherbergt noch unzählige weitere Tempel und viele vergoldete Buddhastatuen. Es gefällt uns hier sehr, auch wenn es drückend heiss ist. Wat Po war zudem die erste öffentliche Universität Thailands, mit Schwerpunkt in Religion und Medizin.

 

Am Abend kühlen wir uns in einer der unzähligen Shoppingmalls im Bezirk Siam ab. Die Shoppingmeile ist gigantisch und lässt wohl keine Wünsche offen - sofern man noch Platz im Reisegepäck hat.

 

Am zweiten Tag besuchen wir den Grand Palace. Um es vorweg zu nehmen, wir sind also nicht die einzigen Besucher an diesem Tag. Trotz des relativ hohen Eintrittpreises, rollt eine unglaubliche Menschenmenge durch die königliche Anlage. Der König von Siam residierte in diesen Gemäuern vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Der sehr beliebte aktuelle König Bhumibol lebt jedoch nicht mehr in diesem Palast.

 

Es ist ein Traum in Gold und ohne Touristen könnte man sich gut vorstellen, wie es hier früher zu und her ging. Wir suchen uns immer wieder ein Plätzchen im Schatten, auch heute ist es sehr heiss und feucht. Der kühle Hotelpool gewinnt kampflos das Rennen mit einer weiteren Sehenswürdigkeit.

 

Nach drei Tagen verlassen wir Bangkok und reisen weiter nach Mandalay in Myanmar.

 

 

 

 


Yogyakarta mit Borobudur & Prambanan

Wir fahren mit dem Zug in der Eksekutif Class von Surabaya nach Yogyakarta; von den Einheimischen auch 'Yogya' genannt. Die Fahrt durch unzählige Reisfelder dauert gut fünfeinhalb Stunden.

 

Schon während der Taxifahrt vom Bahnhof zum Hotel finden wir, dass Yogyakarta mehr Charme hat als Surabaya. Es mag vielleicht daran liegen, dass es hier praktisch keine Hochhäuser hat. Unsere erste Nacht in Yogya ist gleich wieder eine kurze Nacht. Morgens um 2.30h fahren wir mit einem Taxi zum berühmten Borobudurtempel, denn die Sunrisetour soll lohnenswert sein. Um vier Uhr morgens kann man im angrenzenden Hotel den Eintritt bezahlen und  mit einer Taschenlampe ausgerüstet darf man ab 4.30 Uhr das Tempelgelände betreten. Der Bau der Stupa begann 750 nChr. und dauerte gut 100 Jahre. Es entstand eine der grössten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Im 11. Jahrhundert geriet die Anlage in Vergessenheit und erst 1814 wurde sie unter vulkanischer Asche und üppiger Vegetation wiederentdeckt. Den heutigen Zustand verdankt sie einem umfassenden Restaurierungsproramm in den Jahren zwischen 1973 und 1984. Dabei wurden rund eine Million Steinquader herausgenommen, gereinigt und wieder zusammengefügt. Bei der Tempelanlage handelt es sich eigentlich um eine quadratische Stufenpyramide mit einer Basislänge von über 120 Metern und einer Höhe von 40 Metern. Der untere Teil der Pyramide ist mit wundervollen Reliefs verziert, welche das Leben und Wirken Buddhas beschreiben. Den oberen Teil des Tempels zieren 76, auf drei Stufen kreisförmig angeordnete, Stupas. In jeder Stupa sitzt eine Buddhastatue. Das ganze Bauwerk ist mit insgesamt 504 Buddhastatuen bestückt. 

 

Zuoberst warten wir auf den Sonnenaufgang und geniessen die mystische Stimmung, welche durch ein paar Nebelschwaden in der Luft hervorgerufen wird. Dann kündigt sich der neue Tag an. Es gestaltet sich als wahre Herausforderung ein Bild ohne irgendwelche Touristen zu knipsen. Leider ist der Himmel zu bedeckt und es gibt keinen Traumsonnenaufgang, aber wir geniessen, was uns geboten wird.

 

Nach Sonnenaufgang bleiben wir noch fast zwei Stunden zuoberst auf der Pyramide. Langsam füllt sich die Anlage mit Einheimischen und Schulklassen. Die Anlage wird um 6 Uhr offziell geöffnet. Schnell merken wir, dass wir und nicht der Tempel im Fokus der Besucher stehen. Besonders Nessina und Maiara 'müssen' in unzählige Kameras lächeln und für viele Selfies posieren. Nach dutzenden Fotos finden sie es zwar langsam eher etwas mühsam, aber den freundlichen Menschen hier kann man die Bitte nach einem Selfie fast nicht ausschlagen. Wir werden auch in mehrere Interviews von Sprachschülern verwickelt. Wir unterhalten uns lange mit einem jungen Paar, welches seit 5 Monaten einen Englischkurs besucht. Wir sind beeindruckt von ihren neu erworbenen Englischkenntnissen. Der junge Student entschuldigt sich, dass er so nervös sei, aber er habe noch nie zuvor mit Ausländern gesprochen. Das rührt uns.

 

Die Temperaturen, sowie die Anzahl Besucher, steigen merklich. Wir kehren zurück zum Hotel und geniessen den Rest des Tages am Pool. Uns wird mitgeteilt, dass wir mit der heutigen Tour Glück hatten, denn der Borobudur würde die kommenden zwei Tage geschlossen bleiben, da ein grosses Treffen buddhistischer Mönche stattfindet. 

 

Anderntags besuchen wir Kraton, den Sultanspalast. Der Guide führt uns durch die Anlage und wir sehen, wo der neue Sultan jeweils gekrönt wird und mehrere traditionelle Kleider sind zu bestaunen. Der jetzige Sultan ist 70-jährig und hat fünf Töchter; daher ist die Nachfolge nicht geregelt bzw. wird an den Bruder des Sultans weitergereicht. Dieses Problem hatte Sultan Nr. 8 nicht - mit 21 Frauen hatte er 78 Kinder gezeugt.

 

Zuerst kurven wir mit zwei Motorrikschas (Becaks) nach Malioboro, einer berühmten Einkaufsstrasse in Yogya. Macht Spass, bis auf die Kreuzungen, denn die Knieschscheiben sind jeweils zuvorderst; Knautschzone null. Für die stündige Fahrt zum Prambanan-Tempel wechseln wir wieder in ein Taxi. Klimatisiert und Kniescheibe drinnen. 

 

Prambanan ist die grösste hinduistische Tempelanlage in Indonesien und wurde um 850 nChr. errichtet. Die Anlage welche aus acht Schreinen besteht, war aber nicht lange in Betrieb. Die drei grössten Schreine auf dem Areal sind den Göttern Vishnu, Brahma und Shiva geweiht. Zwei Schreine können betreten werden; in ihrem Innern ist es stockdunkel. Der grösste Schrein misst 47 Meter.

 

Borobudur und Prambanan sind heute nicht mehr repräsentativ, denn 90 Prozent der Indonesier sind Muslime. Das merken wir auch in unserem Hotel; super leckeres Restaurant, aber null Alkohol dazu; fast wie im Migrosrestaurant. Die Tage in Yogyakarta vergingen wie im Fluge und wir blicken auf einen interessanten und abwechslungsreichen Aufenthalt hier auf Java zurück. Selten sind wir freundlicheren Menschen begegnet. 

 

Nach einer Stopoverübernachtung in Singapur geht es nun weiter nach Bangkok.

 

 


Surabaya & Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark

Wir landen in Surabaya, der zweitgrössten Stadt Indonesiens, nach Einbruch der Dunkelheit. Am Bancomat heben wir unsere Millionen (leider nur Rupiah) ab und fahren mit dem Taxi ins Hotel. Der Verkehr ist chaotisch und wird von den unzähligen Mopeds dominiert. Mopeds, auf denen eine vierköpfige Familie einen Platz findet, sind keine Seltenheit. Maiara und Nessina sind etwas verunsichert bezüglich unserem neuen Reiseziel. Dies bessert sich auch nicht als wir unser Hotel erreicht haben; Bombenspürhunde, Inspektion des Taxiunterbodens mit Spiegeln und einen Einlass in die Hotellobby nur dann, wenn man das Prozedere wie am Flughafen durchläuft. Auch unser Gepäck wird sorgfältig gescannt. Eigentlich haben wir es ja so erwartet, ist dann in Realität doch ein etwas komisches Gefühl. Anderntags fahren wir zwei Stunden ins Landesinnere nach Malang. Wir bleiben drei Nächte in Malang, welches als Ausgangspunkt für eine Tour an den Mount Bromo dient. Auf unserer ganzen Reise haben wir noch nie so günstig zu Abend gegessen. Poulet mit Reis und Mineralwasser für CHF 1.50/Person.

 

Wir werden morgens um 01.00h von unserem Fahrer und Tourguide abgeholt. Mit dem grünen Toyota LandCruiser Jeep fahren wir durch die Strassen von Malang und bald durch stockdunkles Gebiet. Üppiger Wald weicht Graslandschaft, die Strasse endet und wir fahren mit dem Jeep durch die sandige Ebene des Kraters. Die Nebelschwaden verleihen der Szenerie einen mystischen Touch. Um halb vier haben wir den Aussichtspunkt auf 2700 müM erreicht. Es ist ziemlich frisch hier oben - Pulli, Faserpelz und Windjacke kommen mal wieder zum Einsatz. Wir sind früh hier und ergattern einen der begehrten Plätze in der ersten Reihe. Jetzt heisst es warten und schlottern - über eine Stunde warten wir auf den Sonnenaufgang. Dann zeigen sich die ersten Verfärbungen am Himmel und die Kraterlandschaft verfärbt sich zuerst rosaviolett und wechselt dann zu goldbraun. Von diesem Aussichtspunkt hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Vulkan Semeru (höchster Berg Javas) und die Tengger-Caldera. In dieser Caldera befinden sich vier Vulkane, wobei Bromo der aktivste und bekannteste dieser Vulkane ist. Der Nebel im Krater spielt mit dem Kraterrand 'catch me if you can' - ein faszinierendes Schauspiel. Mit jedem Sonnenstrahl steigt auch die Temperatur. Der Aussichtspunkt ist mittlerweile rammelvoll - der frühe Start hat sich gelohnt.

 

Wir fahren wieder in die Tengger-Caldera. Mit einem Pferd kann man an den Fuss des Kraters Mount Bromo (2329 müM) reiten. Von hier führt eine steile Treppe hinauf an den Kraterrand des Vulkans. Die Treppe ist voller Asche; hier müsste mal wieder geschaufelt werden. Wir schaffen den Aufstieg und werden mit einem tollen Ausblick zurück in die Ebene und voran in den Krater belohnt. Es brodelt im Vulkanschlund und es tönt ähnlich wie wenn Pastawasser kocht - nur dass die Pfanne so gross ist wie zehn Schulhäuser und dadurch einiges lauter. Mount Bromo ist einer der aktivsten Vulkane in Indonesien und brach das letzte mal vor vier Monaten aus.

 

Die Caldera ist mit einem Sandmeer ausgefüllt, welches seit bald 100 Jahren unter besonderem Schutz steht. Die Landschaft ist wirklich sehr speziell und wunderschön. Gegen Mittag kehren wir wieder zurück nach Malang und halten ein verdientes Nachmittagsschläfchen.

 

Anderntags kehren wir nach Surabaya zurück. Wir übernachten wieder im selben Hotel und zwischenzeitlich halten wir das Prozedere beim Hoteleingang für ganz normal.

 


Singapore

Singapur - Drehscheibe des internationalen Flugverkehrs und für viele eine Stopover-Destination. Der kleinste Staat in Südostasien liegt praktisch auf dem Äquator; hohe Luftfeuchtigkeit und das obligate Mittagsgewitter sind unsere Begleiter an diesen zwei Tagen in Singapur. Wir gehören zu den etwas mehr als elf Millionen Touristen, die diese Stadt jährlich besuchen. Die Menschenmenge in den unzähligen Shoppingmalls und auf Singapurs Strassen ist enorm - so viele Menschen sind wir während den gesamten vier Wochen in Westaustralien nicht gesehen.

 

Wir kennen Singapur von früheren Reisen, doch der neue Teil rund um das Marina Bay Sands Hotel, welches 2010 eröffnet wurde, ist neu für uns. Das Marina Bay Sands Hotel ist die teuerste alleinstehende Kasinoanlage der Welt und soll inklusive Grundstück rund CHF 5MRD gekostet haben. Die Hotelanlage ist wirklich eindrücklich und passt sich wunderbar ins Gelände ein. Diverse Feng-Shui-Meister sollen dieses Projekt abgesegnet haben - wir meinen das zu spüren.

 

Wir machen eine Rivercruise auf dem Singapore River und essen am Clarke Quay zu Mittag. Viele kleine koloniale Häuser wurden hier zu Restaurants umfunktioniert. Den Sonnenuntergang geniessen wir beim Merlion mit Sicht auf das Marina Bay Sands. 'Singha' heisst in Sanskrit Löwe und 'Pura' heisst Stadt. Seit 1964 ist das Fabelwesen aus Löwenkopf und Fischkörper das Wahrzeichen Singapurs und lockt viele Touristen an.

 

Wir lassen den Abend in den Gardens by the Bay ausklingen. Die künstlichen Leuchtbäume lassen uns in eine Märchenlandschaft eintauchen.

 

 


North of Perth

Rund zweihundert Kilometer nördlich von Perth liegt der Nambung National Park, wohl den meisten bekannt als 'Pinnacles Desert'. Die bis zu vier Meter hohen verwitterten Kalksteinsäulen - entstanden vor zehntausenden von Jahren - verteilen sich über ein Gebiet von rund vier Quadratkilometern und sind die Hauptattraktion des Nationalparks. Eine Wanderdüne legt immer wieder neue Pinnacles frei. 'I'm sorry, your vehicle is too big' - und so können wir die rund vier Kilometer lange Sandpiste durch die Pinnacles nicht mit dem Wohnmobil zurücklegen. Ist aber nicht mal halb so schlimm, denn zu Fuss sehen wir mindestens gleich viel und der Wanderweg führt zum Pinnacles Lookout, von wo man einen guten Rundblick hat. Wir sind am frühen Nachmittag im Nationalpark und kehren erneut für den Sonnenuntergang in den Park zurück. Heute ist zudem Fast-Vollmond: Mondaufgang 17.20h und Sonnenuntergang 17.40h. Passt perfekt und wir geniessen den Wechsel vom Tag zur Nacht.

 

Geraldton ist die letzte grössere Stadt an der Westküste bevor es dann weiter nordwärts geht. Hier ist es schon merklich wärmer und mit jedem Kilometer nordwärts steigen die Temperaturen weiter. Wir erledigen die letzten Einkäufe, stocken den Kühlschrank auf und bunkern einiges an Wasser. Die Autofahrt bis nach Monkey Mia zieht sich und so übernachten wir auf einem Rastplatz entlang der Highway No.1. Wir sind positiv überrascht; Feuerstellen, Picknicktische und Stellplätze mit einiges an Platz. Fast schon idyllisch. Einzig ein Viehtransporter stört die nächtliche Ruhe. Während der Chauffeur ein Nickerchen macht, stehen die Rinder die ganze Nacht zusammengepfercht in den Anhängern, muhen und klappern mit den Hufen. Wir haben Mitleid mit den Viechern. An einem Stück mit zwei Fahrern durchfahren wäre da wohl schlauer.

 

Rund hundert Kilometer vor Monkey Mia besuchen wir in Hamelin Pool eine Kolonie von Stromatholithen (Bild 3). Stromatholithen gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde und es existieren weltweit nur noch wenige Exemplare. Es handelt sich hierbei um biogene Sedimentgesteine. Kurz: Es sind Steine, welche biologischen oder organischen Ursprungs sind.

 

Wir bleiben zwei Nächte in Monkey Mia und geniessen das warme Badewetter. Die Stars von Monkey Mia sind aber natürlich die Delfine, welche hier jeden Vormittag eine Stippvisite machen. Lokale Fischer verfütterten ihre Fischabfälle in den frühen 60-er Jahren den Bottlenose Dolphins in der Bucht und so gewöhnten sich die Delfine an die Menschen und ihre Leckerlis. Heute wird die Fütterung der Delfine streng von den Rangern überwacht. Wir - und viele andere Schaulustige - versammeln uns kurz vor acht Uhr morgens beim Pier. Über Lautsprecher werden wir begrüsst und genauestens instruiert. Noch lassen die Delfine auf sich warten und so wird die Zeit mit den wichtigsten Facts über die Meeressäuger überbrückt. 'Surprise' ist die erste Delfindame, welche sich an diesem Morgen bis ins knietiefe Wasser vorwagt. Nur ein bis zwei Meter von uns entfernt, können wir den Delfin sehr gut sehen. Wie merken sich die Ranger die Namen der Delfine? Ganz einfach: wir befinden uns hier in der Shark Bay und die hat ihren Namen nicht umsonst. 28 verschiedene Haiarten kommen in diesen Gewässern vor. Die verschiedenartig ausgefransten Rückenflossen der Delfine, herrührend von diversen Haiattacken, fungieren als Namensschilder für die Ranger. Nachdem in der Vergangenheit den Delfinen zu viel gefüttert wurde, dürfen heute pro Delfin nur zwei bis drei Fische verfüttert werden. Viele willige Touristen und nur vier Delfine - das wird eng. Aber die neu gekauften Bikinis von Nessina und Maiara leuchten so stark aus der Menge heraus, dass sie zu den Gewinnern des heutigen Morgens werden. Gemeinsam dürfen sie einem Delfin einen Fisch in den Mund legen. What a moment! Den Rest des Tages verbringen wir am Strand und im Wasser - aber immer mit Sand unter den Füssen. Uns wird gesagt, dass die Haie in der Shark Bay zwar äusserst wohlgenährt seien, es aber sicher eine gute Idee sei, nicht zu weit draussen zu schwimmen. Die Fischer zerlegen ihren Fang jeweils gleich am Strand und Nessina und Maiara schauen gebannt zu - Fischstäbli sehen irgendwie anders aus. Zum Schluss dürfen sie jeweils die Fischreste den vielen Pelikanen, welche ganz geduldig auf ihren Anteil warten, verfüttern.

 

Unser Hauptreiseziel an der Westküste Australiens ist jedoch das Ningaloo Reef. Das Ningaloo Reef ist das drittgrösste Riff der Erde und erstreckt sich über 260 Kilometer entlang der Coral Coast. Das Riff ist aussergewöhnlich nahe an der Küste und so kann man vom Strand aus bereits wunderbare Korallengärten 'erschnorcheln'. Coral Bay ist der touristische Ausgangspunkt für viele Touren ins Riff. Momentaner Kassenschlager: Schnorcheltouren mit Walhaien. Walhaie sind die grössten Fische und können über 13 m lang werden. Sicher cool, aber unser Bedürfnis, hier ausserhalb des Riffes zu schwimmen, hält sich in Grenzen und wir passen. Insgesamt bleiben wir sechs Nächte in Coral Bay, schnorcheln, schwimmen und geniessen das subtropische Klima. Eine Schnorcheltour mit Fahrt in einem Glasbodenboot, eine Quadtour entlang der Dünenlandschaft und wunderschöne Sonnenuntergänge sind die Höhepunkte unserer Tage in Coral Bay.

 

Exmouth - das Städtchen am nördlichen Ende des Ningaloo Reefs - wird für diesmal die nördlichste Destination unserer Reise bleiben; Broome ist von der Liste gekippt. Es ist schlicht zu weit. Wetter stimmt, Wasser passt, Strände schön, Blautöne gefallen; baden statt fahren.

 

Das Campinghighlight unserer Westaustralienreise ist jedoch der Aufenthalt im Cape Range National Park. Unser Stellplatz ist riesig, die Infrastruktur rudimentär, die Szenerie grandios - so wie wir es lieben. Wir sitzen bis spät in die Nacht vor dem Camper und studieren die Planeten und Sterne über uns - Jupiter, Saturn, Mars und endlich sehen wir auch das 'Southern Cross' auf Anhieb. Satelliten und Sternschnuppen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die riesige Sandy Beach teilen wir anfangs nur mit einer anderen Familie - ansonsten zero Touristen. In der Turquoise Bay besteht die Möglichkeit des 'Driftschnorchelns'. Man läuft entgegen der Strömung strandaufwärts und lässt sich dann von der Strömung - fast wie in einem Fluss - über das Riff treiben. Selbstverständlich sind wir vorsichtig, denn wenn man den Ausstieg aus der Strömung verpasst, wird man ins offene Meer gespült. Die Strömung ist heute aber nicht zu stark und so machen wir diesen Schnorcheltrip. Mehrmals. Hat sich gelohnt!

 

Die Rückfahrt nach Perth machen wir in drei Tagesetappen und besuchen auf dem Weg den Kalbarri Nationalpark mit seiner vom Murchison River geformten Schlucht und der spektakulären Steilküste südlich des Städtchens Kalbarri. Es hat ein paar gute Surfspots hier; Ripcurl ist mit einer Yacht in der Bucht und macht ein paar Aufnahmen. Gemäss einigen Australiern - Touristen aus Perth und Einheimischen - ist es hier am schönsten!

 

Nach vier Wochen können wir sagen; Westaustralien hat viele schöne Ecken und das nächste Mal sind wir hier dann 4x4 offroad unterwegs.

 

Nach fünf Monaten Australien ziehen wir weiter Richtung Asien. Wir hatten eine wunderschöne und grosse Zeit hier: Thank you Australia - you are awesome!

 

 


South of Perth

'Flight cancelled' - nicht unbedingt das, was man - kaum am Flughafen aus dem Taxi gestiegen -  lesen möchte. Weshalb der einzige Direktflug von Alice Springs nach Perth gestrichen wurde, wird uns leider nicht mitgeteilt und bleibt irgendwo in der Gerüchteküche stecken. Dank Familienbonus gehören wir aber zu den ersten Passagieren mit einer akzeptablen Lösung. Wir fliegen via Adelaide nach Perth und erreichen unser Reiseziel an der Westküste Australiens mit fünf Stunden Verspätung.

 

Anderntags nehmen wir den grossen Bruder von 'Squeezie' in Empfang. Wir sind über den zusätzlichen Raum dankbar, denn es regnet und es ist einiges kühler. Auch die Tage sind kürzer geworden, bereits um sechs Uhr abends ist es stockdunkel. Ja, es 'herbstelet' also auch in Australien. Surfshort und Bikinis haben Pause.

 

Wir richten uns gemütlich ein, bunkern Vorräte und starten Richtung Süden. In der ersten Nacht regnet es stark, sehr stark. Etwas zu stark für unsere Fenster, es regnet rein. Hinzu kommen noch ein defektes Aussenlicht und ein gebrochener Siphon. Das kennen wir alles schon aus Neuseeland; daher sind wir im Auftreiben von geeigneten Handwerkern dank den Yellow Pages schon ziemlich fix und bald ist alles erledigt und wir 'on the road again'.

 

Die Region südlich von Perth hat sich zu einem ziemlich berühmten Weingebiet gemausert; dies obwohl es sich um ein eher junges Gebiet handelt. Wir besuchen rund um Margaret River drei der über 120 Weingüter, darunter auch das erste Weingut in diesem Gebiet - 'Felix Vasse' gegründet 1967. Am besten gefallen uns die Weine vom Weingut Cape Mentelle. Wir besorgen uns noch ein paar feine Käse und geniessen die Neuzugänge.

 

Auf dem Weg zur Südküste besuchen wir den 'Tree Top Walk' im Walpole-Nornalup-Nationalpark. Auf bis zu 40 m Höhe läuft man auf Hängebrücken durch die Baumkronen der Giganten. Von hier oben eröffnet sich einem der wunderbare Ausblick auf die letzten grossen Karribäume, eine Eukalyptusart, welche bis zu 90 m hoch wachsen und deren Stämme einen Umfang von 16 Metern erreichen können. Daher passt der Name 'Valley of the Giants' nicht schlecht. Wir absolvieren ebenso den Walk auf dem Boden 'The Ancient Empire' und staunen ob der Grösse der Bäume und darüber, dass selbst ausgebrannte und ausgehöhlte Baumstämme noch in der Lage sind, den Baum mit genügend Nährstoffen und Wasser zu versorgen.

 

Weiter südlich, an der Küste, treffen wir in Albany ein; die drittgrösste Stadt in Western Australia hat etwa gleich viele Einwohner wie Rapperswil-Jona. 1826 wurde hier die erste Strafkolonie in Westaustralien errichtet und Albany wurde eine wichtige Hafenstadt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Region zu einem der wichtigsten Walfanggebiete der Welt. Die historische Walfangstation kann heute besucht werden und es wird äusserst lebhaft durch das Areal geführt. Beinahe kann man noch die toten Wale sehen, wie sie aneinandergekettet wie ein Floss in der Bay 'floaten'. Umzingelt und attackiert von Scharen von Haien, auf ihre Zerlegung an Land wartend. Auf dem Sägedeck meint man noch den Geruch von Blut, Tran und Maschinenöl riechen zu können - es schaudert uns. Jährlich wurden hier 850 Wale zerlegt. Ende November 1978 fand das Ganze ein Ende; der letzte Fang wurde verarbeitet und die letzten beiden Walfangstationen Australiens wurden geschlossen. Primär treibend war jedoch nicht der Tierschutz, sondern ökonomische Aspekte. Durch stark angestiegene Dieselpreise wurden die Fang- und Produktionskosten zu hoch, die Verarbeitung zu Ölen lohnte sich nicht mehr. Wir sind uns einig, es ist das Ergebnis was zählt. Heute sind die Meeressäuger auf positive Art wieder eine wichtige Einnahmequelle für die Region; Whalewatching Touren bringen Tourismus und Aufklärung.

 

Einen Fahrtag weiter östlich liegt Esperance und der 'Cape le Grand Nationalpark'; weisse Strände und türkisblaue Lagunen locken. Esperance selber ist klein und wir fahren gleich weiter in den Nationalpark. Dort haben wir ein Riesenschwein und ergattern noch einen der wenigen Campingplätze am weissen Strand von Cape le Grand, mit Sicht auf die vorgelagerten Inselchen. Wir erleben einen traumhaften Sonnenuntergang - wilde Pferde und Delfine inklusive. So fühlt sich Camping wundervoll an. Am kommenden Tag besteigen wir den 262 Meter hohen Frenchman's Peak. Wer den eher steilen Aufstieg schafft, wird mit einer traumhaften Sicht auf den Nationalpark belohnt - jede Schweissperle hat sich gelohnt. Wir geniessen den Ausblick auf die Hellfire Bay, die Lucky Bay und die umliegenden Buchten. An der Lucky Bay stellen wir später unseren Campingtisch auf und essen zu Mittag. Die Kängurus sind zutraulich und interessieren sich sehr für unseren Lunch. Die Kängis lassen sich sogar von uns streicheln und wir sehen ein Jungtier erstmals aus dem Beutel der Mutter trinken. So schön es hier auch ist, es ist einfach ein oder zwei Monate zu spät und schon ein bisschen kühl. An ein Bad im Meer mögen wir gar nicht denken und fahren daher wieder nordwärts. In nur einer Tagesetappe geht es die 770 km zurück nach Perth; inklusive kurzem Mittagshalt beim Wave Rock. Die etwa 2,7 Milliarden Jahre alte Gesteinsformation wurde schon von den Aborigines 'Welle aus Stein' genannt. Die Steinwelle ist 15 Meter hoch und rund 110 Meter lang. Wir erreichen Perth nach Einbruch der Dunkelheit.

 

 

 


School of the Air & Royal Flying Doctor Service

Nach einer fünfstündigen Autofahrt erreichen wir Alice Springs - die Bushflies sind zum Glück nicht mitgereist.

 

School of the Air - schon oft im Unterricht erwähnt, aber noch nie live gesehen. Die erste Schule dieser Art wurde in Alice Springs 1951 gegründet und trägt den Beinamen 'world's biggest classroom'. Tatsächlich sind die Schüler und Schülerinnen über ein riesiges Territorium - eine Million Quadratkilometer - verstreut. Schüler der gleichen Klasse können über 2'000 Kilometer voneinander entfernt leben. Anfangs wurden nur  Kinder der Stufen Year 1-6 unterrichtet, heute ist auch die Sekundarstufe 'on air'. In den Anfängen wurde nur unidirektional über Kurzwelle Wissen vermittelt, heute läuft das natürlich vernetzt über das Web. Jeder der eingeschriebenen Schüler bekommt als Starterkit einen Computer, eine Satellitenschüssel, rund um die Uhr Internetzugriff und einen Drucker mit Scanner. Im Gegensatz zu früher wird nicht mehr alles per Post hin und her geschickt - aber nur elektronisch geht es dann eben auch nicht. Leihbücher und Bastelmaterial wird nach wie vor per Post zugestellt. Pro Tag hat jeder Schüler eine Stunde Gruppen- oder Einzelunterricht. Auch Einzelgespräche und persönliches Feedback wird via Netz erledigt. Den Rest des Tages lernen die Schüler mit den zugesandten Materialien unter Anleitung der Eltern, älteren Geschwister oder eines eingestellten Tutors. Die jeweiligen Sequenzen on air dauern 30 Minuten und decken im Laufe der Woche alle wichtigen Fächer ab. Wir besuchen die Schule während den Ferien und so können wir leider keine Livelektion mitverfolgen, aber für jede Altersstufe hat es eine passende Aufzeichnung und so sehen wir eine Englischstunde von Year 5 und eine Chemielektion Year 9. Die Schüler können jeweils in einem für alle sichtbaren Chat Fragen stellen oder Fragen beantworten. 'Please pick me' und die Lehrerin weiss, dass der Schüler die passende Antwort hat und virtuell aufstreckt. Es fällt auf, dass alle Schüler sehr gut und schnell tippen können. Dank einer Webcam und einem Headset kann ein Schüler auch für alle sichtbar eingeblendet werden und auf diese Art kommunizieren. Jeder Lehrer besucht seine Schüler einmal pro Jahr zuhause und tauscht sich mit den Eltern oder den jeweiligen Tutoren aus. Dies bedeutet natürlich teils sehr lange Fahrten mit dem 4WD ins Outback Australiens. Einmal pro Schuljahr treffen sich alle Schüler in Alice Springs und geniessen den Unterricht im normalen Klassenverband; viele sehen ihre Klassenkameraden dann ein erstes Mal. Wer nun denkt, dass die Schüler hier weniger leisten müssen, da sie nur eine Stunde online unterrichtet werden, täuscht sich. Es gelten auch im Outback die offiziellen Schulstunden 'nine to four'. 

 

Gleich danach besuchen wir die Royal Flying Doctors. John Flynn, ein Pfarrer hat 1928 den Aerial Medical Service (AMS) gegründet und gilt als Gründungsvater des Royal Flying Doctor Service. In einer rund 20-minütigen Hologramshow erklärt uns das Hologram John Flynn, dass es am Anfang nur zwei Ärzte für das rund zwei Millionen Quadratkilometer grosse Outback gab und die medizinische Versorgung grösstenteils nicht gewährleistet werden konnte. Mit der Erfindung des pedalbetriebenen Funkgerätes konnten auch entlegene Farmen mit der AMS Kontakt aufnehmen. 1942 wurde die AMS in Flying Doctor Service umbenannt und 1955 wurde von der englischen Krone die Zustimmung für das vorangestellte 'Royal' gutgeheissen.

 

Heute gibt es 21 Stützpunkte des RFDS und insgesamt wird ein Gebiet von mehr als 7 Millionen Quadratkilometer abgedeckt; innerhalb von zwei Stunden kann jede Person in Australien erreicht und versorgt werden. Aus 2 Ärzten 1928 sind es heute über 1000 Personen geworden, welche für den RFDS arbeiten. Der Royal Flying Doctor Service wird zu 80% durch den Staat finanziert und die restlichen 20% durch Spenden und Mitgliedschaften.

 

Ein bisschen stolz vernehmen wir, dass die neusten Flugzeuge aus der Schweiz stammen werden; 13 PC-24 aus den Pilatuswerken.  Ab 2017 ergänzen sie die Flotte und halbieren die bestehenden Flugzeiten auf langen Distanzen. Heute stehen für die Royal Flying Doctors 63 Flugzeug in Betrieb.

 

Von beiden Führungen am heutigen Tag sind wir sehr beeindruckt und bewundern das Engagement aller Beteiligten; hier steckt sehr viel Herzblut drin.

 

Nach 10 Tagen geben wir heute unseren 'Squeezie' hier in Alice Springs ab. Wir haben diese Herausforderung besser gemeistert als erwartet und fanden das kleine Fahrzeug einstweilen sogar ziemlich praktisch. Allerdings war dieses Unterfangen auch nur möglich, weil es nie geregnet hat; bei Regen hätten wir wohl kapituliert und uns ein Hotelzimmer gesucht.

 

Wir haben daher beschlossen, den Squeezie vom PW zum Camper zu befördern. Er hat sich das redlichst erarbeitet. Ab sofort darf er nun auch auf den grossen Parkfeldern parken. 

 

... am Abend erscheint uns unser Hotelzimmer riesig. Wir lauschen dem Echo und müssen aufpassen, dass wir uns nicht verirren.

 

 

 

 

 


Uluru-Kata-Tjuta-National Park

Lange schon freuen sich Nessina und Maiara auf den roten Stein im Herzen Australiens und sie werden voll auf ihre Kosten kommen. Wir übernachten die kommenden vier Nächte in Yulara - dem einzig touristisch erschlossenen Ort in der Nähe des National Parks.

 

Der Uluru ist das Wahrzeichen Australiens schlechthin und steht auf dem Territorium der Anangu-Aborigines. 1985 erhielten die Aborigines die Eigentumsrechte für das Gebiet des Parks und verpachteten es darauf für 99 Jahre an die australische Regierung. Jährlich wird der Nationalpark von einer halben Million Touristen besucht.

 

Trotz dieser eigentlich hohen Besucherzahl finden wir, dass es aktuell nicht viele Touristen hat. Erst bei Sonnenuntergang kommen dann die Busse angerollt und alle wollen das ultimativ beste Foto knipsen - wir gehören auch dazu. Wenn man aber mit dem eigenen Wagen unterwegs ist, so trifft man tagsüber eher wenige Touristen, was vielleicht auch an den Temperaturen liegen mag; 37 Grad Celsius ist schon ziemlich warm und ein Tag am Pool verlockend.

 

Etwa 40 Kilometer vom Ayers Rock entfernt, liegen die Olgas. Die Olgas heissen heute wieder 'Kata Tjuta' was soviel wie 'viele Köpfe' heisst. Es handelt sich dabei - im Gegensatz zum isoliert stehenden Inselberg Uluru - um eine Gruppe von 36 Felsen.

 

Wir machen eine Rundwanderung in den Kata Tjutas, welches uns durch das 'Valley of the Winds' führt. Die Wanderung darf nur dann gestartet werden, wenn die Temperatur unter 37° Grad liegt und man nicht nach elf Uhr morgens startet. Wir haben den einzig bewölkten Tag für die Wanderung ausgesucht und sind froh darüber. Die Hitze hält sich in Grenzen und die eher anspruchsvolle Wanderung dauert fast 4 Stunden. Wir sind überrascht, dass wir in den Felsen sogar kleine Wasserpfützen mit Kaulquappen zu sehen bekommen; sowieso ist das gesamte Gebiet im Nationalpark erstaunlich grün und nicht ganz so trocken wie wir es in Erinnerung haben. Apropos Erinnerung: Zum Glück haben wir alle ein Fliegennetz; die 'bushies' (Buschfliegen) würden uns sonst wohl in den Wahnsinn treiben. Wir waren vor 15 Jahren schon hier, allerdings im Juli und damals waren Buschfliegen kein Thema - es scheint eine saisonale Sache zu sein. In der Parkinfo werden die Buschfliegen zwar als wichtige Aasvernichter gepriesen, aber wir könnten gut auf ihre Gesellschaft verzichten. Der ,Aussie Salute' (mit der Hand die Fliegen vor dem Gesicht verscheuchen) wird hier bis zum Exzess praktiziert.

 

Wir kommen in den Genuss von vier Sunsets@Uluru. Der Sonnenuntergang am Uluru wird nicht nur genossen, nein - er wird richtiggehend zelebriert. Die Campingstühle vor das geparkte Auto stellen, den Champagner oder sonst was Feines entkorken und die Snacks dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wir treffen bei diesem 'get together' immer auf interessante andere Reisende. Die Farbe des Uluru verändert sich dann während einer halben Stunde von Minute zu Minute - ein wahrliches Farbenspiel. Zweimal sehen wir uns den Sonnenuntergang am Uluru im Gegenlicht an, was nicht minder schön ist. Kaum ist die Sonne untergegangen, zeigt sich der Sternenhimmel über dem Outback. Eine so stark leuchtende Milchstrasse haben wir nicht einmal in der Atacamawüste gesehen. Wir geniessen den Augenblick.

 

Mehr zum Uluru siehe little qizz #18!

      


 

 

 


Coober Pedy

Coober Pedy, die Opal-Hauptstadt der Welt liegt direkt am Stuart Highway, so ziemlich in der Mitte auf dem Weg von Adelaide nach Alice Springs. Heute leben ca. 1700 Menschen in - beziehungsweise unter - dieser Stadt im Outback Australiens. Bereits bei der Anfahrt sehen wir die verschiedenen Maulwurfhügel aus der Distanz. Wir sind gespannt. Die ersten Opale wurden hier 1911 gefunden und 1915 wurde Coober Pedy gegründet. Letztes Jahr hat die Stadt sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Rund 80% aller weltweit abgebauten weissen Opale kommen aus Coober Pedy und Umgebung. Beim Dorfeingang werden wir vom berühmten Ortsschild willkommen geheissen.

 

Wir bleiben zwei Nächte in dieser verrückten Stadt. Wir besuchen Tom's Mine und werden dort in einer Privatführung von der Pächterin höchstpersönlich durch die Mine geführt. Wir dürfen uns mit einem Schachtlift auf und ab manövrieren lassen, Opallinien im Gestein untersuchen, den Gesteinsstaubsauger betätigen (da hat Dyson also noch Potential) und als Höhepunkt mit dem Bohrhammer Opal aus dem Gestein brechen. Übrigens; Opallinien findet man auch mit der Wünschelrute. Verrückt, nicht? Wir haben's bezweifelt. Der Feldtest 2x2x4 hat aber Ergebnisse geliefert, die diese These stützen. Anyhow: Auch wenn der grosse Fund noch ausgblieben ist, sind wir alle ein bisschen mit dem Opalfieber infiziert.

 

Die meisten Menschen in Coober Pedy leben in sogenannten 'dugouts'. Dies sind ehemalige Minen, die heute zu Wohnungen umfunktioniert sind und meistens aus 3 Schlafzimmern, Wohnzimmer, Bad und Küche bestehen. Der Eingang ist oberirdisch und für den Sauerstoffbedarf wird mit kleinen Kaminen gesorgt. Die Temperatur in diesen Wohnungen bleibt das ganze Jahr über angenehm konstant, auch dann, wenn das Thermometer in Coober Pedy an der 50 Grad Marke kratzt. Die Wände werden mit einem speziellen Lack versehen und so bröckelt das weiche Gestein nicht weiter ab. Wir wohnen hier auf dem Campground überirdisch, es gibt aber in Coober Pedy sogar einen unterirdischen Campingplatz für Zelte.

 

CP hat auch einen 18 Loch Golfplatz; den kann sich der Golfer natürlich nicht entgehen lassen. Die Greenfee löst man im Museum und bekommt zusätzlich ein Startset mit Bällen, Tees und 10x10cm Kunstrasen. Diese 100cm2 sind das einzige Stück Rasen weit und breit. Eine Art Inselchen von wo aus dann jeweils der Ball gespielt werden kann. Die Fairways sind aus Sand und Geröll, die Greens sind eigentlich Browns; mit Öl vermischter Sand. Die Temperaturen sind sehr hoch, die Zahl der 'bushies' Buschfliegen noch höher. Kurzum: speziell, cool, 9 Löcher reichen. 

 

 

Abends zeigt sich Coober Pedy von seiner fotogensten Seite. Die vielen kleinen Hügel sehen im Licht der untergehenden Sonne besonders schön aus.

 

Wir besuchen auch einen Opalshop und erfahren viel über Opale und ihre Qualität. Die Eigentümer des Ladens haben einen eigenen 'claim', aber schon seit mehreren Jahren keinen bedeutenden Fund mehr gemacht. Dank dem Opalladen und den noch vorhandenen Steinen aus früheren Funden, können sie diese Flaute überbrücken und haben ein mehr oder weniger geregeltes Einkommen. Das wichtigste ist jedoch zu wissen: morgen kommt der nächste Riesenfund.

 

Coober Pedy fasziniert. Wir hören aber auch wirre Geschichten über diesen Ort und Menschen, die dem Opalfieber erlegen sind. Sicher kein einfacher Ort zum Leben.

 

Wie die Jugendlichen in Coober Pedy das Leben hier sehen, siehst du im little qizz #17!

 


Flinders Range

Via Port Augusta fahren wir in die Flinders Ranges. Für zwei Nächte bleiben wir im nahe gelegenen Hawker. Hawker hatte seine besten Zeiten als 'The Ghan' noch hier durchfuhr. Unter der Woche hat nur ein Restaurant geöffnet. Es ist aber so schmuddelig, dass wir gleich wieder rechtsumkehrt machen. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Instant-Nudeln zu kochen. Der Supermarkt - zwei Drittel der Regale sind leer - bietet leider auch nicht wirklich viel  Alternativen. Wir sind im Outback angekommen.

 

Am ersten Abend fahren wir ca. 30 km Richtung Flinders Range um den Sonnenuntergang zu geniessen. Hat sich gelohnt, allerdings gestaltet sich die Rückfahrt abenteuerlich. Wegen den unzähligen Kängurus kann man mit höchstens 40kmh fahren; von links, von rechts hüpfen sie quer über die Strasse. Schaut man ins Feld, so hat man das Gefühl, dass das Outback ein Eigenleben entwickelt. Es hüpft und bewegt sich überall. Wir sehen auch etliche Emus und Kamele.

 

Am kommenden Tag besuchen wir den Flinders Range National Park und machen eine dreistündige Wanderung. Der erste Teil führt durch einen Wald von River Red Gum Trees; sehr schön und angenehm kühl. Wir steigen zu einem Lookout auf und haben einen tollen Blick auf ein von den Natur geformtes Amphitheater, den Wilpena Pound. Zwischendurch sehen wir ein paar Ziegen und Kängurus.

 

Wir fahren zurück nach Hawker und freuen uns auf ein Abendessen im Restaurant. Das Cafe - mit gutem Ruf - hat heute offen. Sollte heute offen haben. Hatte sicher mal offen. Ok; Instant-Nudeln, Runde 2.  

 


Melbourne to Adelaide

Die Koffer sind gepackt und wir verlassen Melbourne am Montag nach dem GP von Australien Richtung Great Ocean Road. Dieses Mal nehmen wir uns etwas mehr Zeit dafür. Unseren ersten Stop machen wir bei Bells Beach. Gleich um die Ecke liegen die HQ von Quiksilver und Rip Curl. Anfang April finden hier die Rip Curl Pro 2016 statt, ein Surfcontest mit den weltbesten Surfern, die Tribünen sind schon aufgestellt. Wir schauen ein paar Surfern beim Training zu. Die Brandung; tja, nichts für Feriensurfer.

 

Den nächsten Abstecher machen wir zum Cape Otway, dem zweitsüdlichsten Zipfel Australiens. Auf dem Weg dorthin sehen wir gleich mehrere Koalas in den Eukalyptusbäumen sitzen. Seeehr knuddelig. Den Leuchtturm am Cape kann man nur gegen ein Eintrittsgeld von AUD 50 besuchen. Naja, das erscheint uns dann doch etwas übertrieben. Wir fahren also ein paar Meter zurück, stellen unser Auto in eine Wiese und machen eine kleine Wanderung. Nach wenigen Schritten durch etwas Buschland stehen wir an der Steilküste mit atemberaubendem Ausblick, inklusive Leuchtturm. Für viele Seefahrer war der Leuchtturm im 19. Jahrhundert das erste, das sie nach einer Reise um Afrika herum sahen. Leider erlitten auch mehrere Schiffe an der Steilküste Schiffbruch.

 

Die Twelve Apostels und Gibson Steps sind immer wieder ein Genuss und ein wirklich tolles Fotomotiv. Den Sonnenuntergang geniessen wir heute etwas weiter westlich, bei der London Bridge. Wir übernachten in Warrnambool, in einem schmucken Motel. 

 

Am nächsten Tag fahren wir via Port Fairy - ein kleines irisches Fischerdorf - weiter Richtung South Australia. Wehmütig verlassen wir den Bundesstaat Victoria - wir werden nicht nur das VB (Vicoria Bitter) vermissen. Wir übernachten in Robe - einem herzigen Städtchen an der Küste. Es soll bei den Südaustraliern sehr beliebt sein - besonders dann, wenn es gilt, der grossen Hitze aus dem Landesinneren zu entfliehen. Heute hat es anscheinend keine grosse Hitze, denn es hat nicht viele Touristen im Ort. Wir teilen unser Cabin auf dem Campingplatz mit einem Känguru.

 

In Victor Harbour führt ein 630 m langer Holzsteg zu einer vorgelagerten Insel - Granite Island. Für alle, die nicht gut zu Fuss sind, besteht die Möglichkeit einer Kutschenfahrt auf Schienen. Wir haben erbarmen mit dem Pferd und gehen zu Fuss. Der Rundweg um die Granitinsel ist in einem ausgezeichneten Zustand und für alle ein Genuss. Wir sind froh, dass heute keine lange Autofahrt ansteht. Wir können sogar drei Delfine in der Bucht orten. Granit Island ist zudem für Zwergpinguine eine Brutstätte. Zurück von Granite Island spielen wir noch eine Partie Minigolf. Alle haben Spass und zwei sind richtig gut.

 

Eigentlich wollten wir ja von hier aus nach Kangaroo Island. Als wir uns dann am Vorabend über die genauen Fährpreise und -zeiten schlau machen, erschrecken wir. Hin und zurück kosten fast AUD 500 - für eine Überfahrt von je 45 Minuten. Für eine Woche Aufenthalt eventuell, aber für nur zwei Übernachtungen? Out of boundaries, wir passen und da der einzig freie Termin morgens um 06:00 ist, fällt uns dies ein bisschen leichter. Wir entscheiden uns daher für zwei zusätzliche Tage in der Region um Adelaide - nahe dem Barossa Valley. Im Valley selber ist natürlich schon alles ausgebucht, es ist Ostern.

 

Unser Tagesausflug ins Valley führt und zuerst zur Jacob's Creek Winery. Ein äusserst schönes Anwesen mit idyllischem Garten und noch schönerem Eukalyptusbaum. Die Girls freuen sich über den Tennisplatz; Jacob's Creek war ein Sponsor am Australian Open. Wir geniessen die herbstlichen Sonnenstrahlen in der Wiese auf Sitzsäcken liegend. Im Hintergrund spielt Sam Brittain live. Am späteren Nachmittag besuchen wir auch noch Wolf Blass und Penfolds.

 

Den nächsten Tag verbringen wir an der Küste von Adelaide in Glenelg. Ein wirklich attraktiver und belebter Ferienort. Wir mieten vier Fahrräder und radeln der Esplanade entlang. Wunderschöne Häuser und Villen direkt am Meer. Ja, hier kann es einem gefallen. An Adelaide selber müssen wir uns gewöhnen. Ist eine ländliche Kleinstadt, aber sicher kein Melbourne oder Sydney. Muss es ja eigentlich auch nicht sein.

 

Wir nehmen hier unseren Mini-Mini-Camper in Empfang - wir nennen ihn 'Squeezie'. Als wir Anfang Januar unsere Weiterreise geplant haben, waren bereits alle grösseren Campervans ausgebucht - und das ausserhalb der Schulferien!!! Wir laden also unseren Toyota Camry aus - erstaunlich was da alles drin Platz hatte - und stehen vor einem stattlichen Berg Gepäck. Nennen wir ihn Mount Bag. Unser Blick wandert mehrmals zum neuen Campervan und wieder zurück zum Mount Bag. Keine Chance. Wir fragen also nochmals, ob das nächstgrössere Modell nicht doch verfügbar sei. Keine Chance. Also nochmals; Mount Bag muss in den Squeezie. Dafür dürfen aber zwei Campingstühle und der Campingtisch nicht mitkommen. Etwas später, mit viel gutem Willen und etwas drücken und klopfen ist alles drin und wir auf dem Weg nach Port Augusta.

 

Squeezie hat für uns erst den Status eines PW's, den "Camper" muss er sich noch verdienen. 

 


Melbourne - a love song

It was Jan when we first met, in summer with the longest days. But now it’s autumn, twelve weeks later, and we have to head our ways. We have to move on, towards home and leave you here behind.  It's not easy leaving you, b'cause there’s only one of your kind.

 

Melbourne, we will miss you. Yes it's true, you've caught us.

You've caught us. We could have stayed much longer.  

 

Your streets are vibrant and full of life, no matter what time. So diverse and colorful you are, intensely bright you shine. A huge playground with plenty to do, dotted with restaurants, museums and parks. There’s no way we won't miss your sparks. 

 

Melbourne, we will miss you. Yes it's true, you've caught us.

You've caught us. We could have stayed much longer.  

 

We've started settling down, roots began growing here, with new neighbors and friends. We've seen many great places so far, but if we had to choose one for living, here we could set our tents.

 

Melbourne, we will miss you. Yes it's true, you've caught us.

You've caught us. We could have stayed much longer

 

Framed with a beautiful bay, many great spots with docks, piers and beaches we've met. We will miss your shores and our dinner picnics at sunset. Always had fun in your waters, with kite, boards or just swimming. What better location could there be? 

 

Melbourne, we will miss you. Yes it's true, you've caught us.

You've caught us. We could have stayed much longer.

 

There is only one. It's far in the west. It's where we come from. It’s where our friends and family are. So we move on. We move on for new adventures and reunion. That's what we do and it’s ok. But be sure, we will miss you.

 

Melbourne, we will miss you. Yes it's true, you've caught us.

You've caught us. We could have stayed much longer and we will miss you,

but it's ok. 

 

 

 


GP Australia

Wir gehen zu Fuss zu einem F1-Qualifying!

 

Seit mehreren Wochen können wir den Um- und Aufbau der Rennstrecke im Albert Park Schritt für Schritt mitverfolgen. Ein riesiges Projekt - temporäre Bauten werden errichtet und hektometerweise Tribünen, Tribünen und nochmals Tribünen! Seit einigen Tagen benötigen wir auch keinen Wecker mehr, denn bereits um 7.45h hören wir die Motoren dröhnen. Wohlgemerkt; wir wohnen nicht in der Boxengasse sondern zwei Kilometer entfernt. 

 

Erstmals wurde der Grosse Preis von Australien 1928 ausgetragen und seit 1985 zählt er zur Formel-1-Familie. Von 1985 bis 1995 wurde das Rennen noch in Adelaide ausgetragen, seit 1996 jedoch auf dem Albert Park Circuit hier in Melbourne. Es ist jeweils das erste Rennen der neuen F1-Saison.

 

Wir haben einen Tagespass für den Tag vor dem eigentlichen Rennen. Heute stehen mehrere Rennen verschiedenster Klassen und Fahrzeugtypen an und natürlich das Qualifying. Melbourne feiert das sportliche Ereignis - viele Leute sind auf dem Gelände und auch die Australian Air Force hat einen Flugeinsatz. Um 16 Uhr startet das Qualifying. Lewis Hamilton sichert sich dabei nach acht Qualifyings wieder mal die Poleposition für den kommenden Renntag - nach Ayrton Senna und Michael Schumacher ist er der dritte Fahrer, der sich mit der heutigen Leistung seine 50. Poleposition geholt hat. Rosberg holt sich Startplatz 2 und Vettel Position 3.


Auf dem Rückweg zum Gate10 gelangen wir - natürlich zufällig - in den VIP Bereich mit Verkaufsständen von Ferrari, Bentley, Mercedes AMG etc. 

Naja, heute nicht, schliesslich läuft der Mietvertrag für unseren angebeulten Camry ja noch bis Ende März.

 

Das eigentliche Rennen schauen wir am Sonntag im Fernsehen; während wir packen. Am Montag endet unsere wunderbare Zeit hier in Melbourne. Wir ziehen weiter. 


siehe auch little qizz #16!  

 


Drive-in-Cinema in Zootopia

Kino mal anders!

 

Wir sehen uns die Vorpremiere von Zootopia im Lunar-Drive-in-Cinema im rund 40 Minuten entfernten Dandenong an. Rund eine Stunde vor Filmstart öffnet das Kino seine Pforten. Am Wochenende und bei beliebten Filmen empfiehlt es sich rechtzeitig einzutreffen. Bei unserer Ankunft hat es bereits drei Kolonnen. Zootopia - der neue Disney Film - ist der heutige Kassenschlager. A carload for AUD30 - etwas mehr als 20 Franken für die ganze Familie, ein Schnäppchen. Man könnte für AUD10 Aufpreis um halb elf noch einen weiteren Film anhängen; wir verzichten.

 

Wir finden in der dritthintersten Reihe einen Parkplatz und sehen schon bei der Ankunft, dass wir ohne Kombi underdressed sind. Heck zur Leinwand offen und Matraze auf der Ladefläche, das ist  der eigentliche Standard. Klassische Verpflegung mit Burgern, Hotdogs und Popcorn findet man im Restaurant. Das Gelände hat drei verschiedene Leinwände - auf allen dreien läuft gleichzeitig ein Film.

 

Um Viertel nach acht ist es dunkel genug - Filmstart. Pünktlich zum Vorspann fliegen hunderte von Fledermäusen über unser Auto hinweg und einige haben noch kurz einen Gastauftritt im Disneystreifen.

 

Wir richten es uns in unsererm Toyota Camry gemütlich ein und stellen das Autoradio auf 90.3 FM. Leider hält unsere Batterie nicht bis zum Ende durch und das Radio steigt 5 Minuten vor Filmschluss aus. Fenster runter und beim Nachbar mithören.

 

Wir sind nicht die einzigen mit wenig - beziehungsweise ohne - Power. Der Batteryman kommt nach Filmschluss zu allen Autos mit dem Geheimcode 'geöffnete Kühlerhaube' und verhilft zu einem Startup für den Heimweg. Thanx!

 

Es war ein tolles Erlebnis und Zootopia ist ein wirklich herziger Familienstreifen.

 

 


St Kilda Primary School

Schon bevor wir letzen Sommer gestartet sind, war uns klar, dass Nessina und Maiara hier die Schule besuchen werden. Einzig, wie das genau geht, war uns noch nicht ganz klar. Umso positiver waren wir deshalb vom direkten und einfachen Application Process überrascht. Alles online und in etwa vergleichbar mit einem Visumsantrag. Drei Wunschschulen angeben und et voilà; die Kids wurden der St Kilda Primary School zugeteilt. Passt perfekt. Natürlich müssen Nessina und Maiara Schulgeld bezahlen - respektive wir - doch die Kosten halten sich im Rahmen.

 

Als wir das Schulgelände im Januar das erste mal besuchen, sind noch Sommerferien und der Schulanfang liegt weit entfernt. Ein schönes älteres Backsteingebäude mit Türmchen und kleinen Erkern. Herzig, ein bisschen wie im Film. Auch der Pausen- und Spielplatz überzeugt und unsere Kids fiebern dem Schulanfang entgegen.

 

Anfangs Februar - eine Woche vor Schulstart - haben wir einen Termin bei der Rektorin. What a lady! Sie begrüsst uns im farbenfroh wallenden Gewand und mit offenen Armen. Selten wurden wir mit mehr Lebensfreude, Enthusiasmus und Dynamik begrüsst. Gefällt. Nessina und Maiara mögen die aufgestellte Mrs Higgins auch. Auf einem kurzen Rundgang werden unsere Mädels völlig unbürokratisch ihren Klassen zugeteilt. Ah, heute auch schon ein neues Kind in die Klasse gekommen? Ok, dann kommen sie in die andere Klasse. Schlussendlich: Nessina in 5E und Maiara in 3MS.

 

Eine Woche später, am 8. Februar starten Nessina und Maiara an der neuen Schule und so erleben sie den Alltag an der St Kilda Primary School:

 

Wir stehen morgens um 7.45 Uhr auf. In der Schweiz müssen wir uns dann schon auf den Schulweg machen. Nach einem Frühstück und einer Nesquik-Schokoladenmilch gehen wir um halb neun aus dem Haus. Unser Schulweg dauert zu Fuss etwa 20-25 Minuten und führt uns durch den Botanischen Garten von St Kilda - manchmal fährt uns Papi mit dem Auto (das machen hier die meisten so!). Wir tragen eine Schuluniform und im Rucksack ist unser Znüni und unser Mittagessen; wir bleiben nämlich den ganzen Tag in der Schule.

Um 9 Uhr müssen wir uns auf dem Pausenplatz klassenweise besammeln. Dann gehen wir im Gänsemarsch ins Schulzimmer und der Unterricht kann beginnen.

Um 10 Uhr darf man während des Unterrichts was Gesundes essen - den sogenannten BRAINFOOD! Grosse Pause ist um 11 Uhr und wie in der Schweiz verbringt man die meistens im Freien mit Spielen. Wegen der starken Sonneneinstrahlung in Australien müssen alle Schüler und Schülerinnen den offiziellen Schulhut tragen.

Lunchtime ist um 13 Uhr - viele nehmen ein Sandwich von zuhause mit oder bestellen Sushirollen oder Sandwiches in der Schule. Wir mögen die Sushirollen Thunfisch mit Avocado und Gurke mit Avocado. Um halb vier Uhr ist dann Schulschluss. Mami oder Papi holt uns jeweils auf dem Pausenplatz ab. Wenn wir zu Fuss nach Hause gehen, machen wir immer im Botanischen Garten einen Halt und essen am Teich noch unsere Lunchboxen leer. Wir geniessen das.

Die grössten Unterschiede zur Schweiz: Wir lernen Japanisch, im Sportunterricht spielen wir oft Cricket und wir tragen eine Schuluniform.

 

Montags um 15 Uhr findet auf dem Pausenplatz das 'Assembly' statt. Der Auftakt macht die australische Nationalhymmne zu welcher man - stehend und ausnahmsweise hutlos - lauthals mitsingt; Advance Australia Fair - ein echter Ohrwurm! Danach leistet eine Klasse pro Woche einen Beitrag (kleine Aufführung, ein Lied vortragen etc.), aber hauptsächlich werden die wichtigsten Mitteilungen für die kommende Woche kundgetan und ein Happy-Birthday-Lied für alle Geburtstagskinder der vergangenen Woche gesungen. Auch ohne rosa Brille; die Wertschätzung gegenüber den Kids und der Spirit der da mitschwingt sind einfach cool.

 

Nessina und Maiara haben sechs wundervolle Wochen an der St Kilda Primary erlebt. Thank you so much St Kilda Primary School!

 

little qizz#15 - Advance Australia Fair!

 

 


Oma Downunder

Nach genau 189 Tagen sehen wir unsere Oma wieder - und zwar hier in Melbourne!

 

Liebe Oma

Wir mussten am Flughafen eine Stunde warten bis wir dich sahen. Nessina und ich machten mit unseren Cheerleader-Pompons einen Willkommenstanz. Ich und meine Familie haben sich mega gefreut.

Es war schön, dass du bei uns warst. Es war kurz, aber schön mit dir. In den Luna Park zu gehen, hat mega Spass gemacht. Du sangst uns immer ein Gute-Nacht-Lied vor. Es  war cool mit dir englisch zu reden und dass du beim Uno spielen immer verloren und ich und Nessina immer gewonnen haben.

Du hast es sicher auch genossen - du bist die beste Oma  der ganzen  Welt.  

Kuss - Maiara

 

Liebe Omi

Als du noch nicht hier warst, haben wir immer wieder gesagt, dass wir uns riesig auf dich freuen. Als wir am Abend spät am Flughafen auf dich gewartet haben, kamst du ewig nicht zur Glastür heraus. Wir haben tausend verschiedene Menschen gesehen - die einen liefen nach links weg, die anderen nach rechts. Nach einer Stunde im Stehen warten, kamst du endlich durch die grün schimmernde Glasschiebetür.

Oma, du kannst super Gute-Nacht-Schlaflieder singen - du sangst uns unser Lieblingslied vor! Mit dir englisch zu sprechen und Simsan zu spielen, hat mir am meisten Spass gemacht. Simsan zu spielen hat mir doppelt Spass gemacht, weil ich immer gewonnen habe. Lustig war auch, als wir an den Strand gegangen sind und du der Hai warst und uns gefangen hast.

Ich war traurig, als du gegangen warst. Drei Wochen stelle ich mir eigentlich lang vor, aber mit dir vergingen sie viel zu schnell!

Liebe Grüsse, Nessina

 

 

Die drei Wochen zusammen vergingen wirklich wie im Fluge: Museen, Botanische Gärten, Nationalparks, Pferderennen, chinesische Neujahresfeierlichkeiten, Melbourne City, St Kilda, Sydney, Uluru, Great Ocean Road, Strände vor der Haustüre und viele gemütliche Abende.

 

Wir haben die Zeit hier mit dir sehr genossen und freuen uns, dass es bis zum nächsten Wiedersehen nicht mehr so lange dauert wie auch schon.

 

Ganz liebe Grüsse,

Christian, Sabine, Nessina und Maiara

 


Warhol & Weiwei

Die National Gallery of Victoria präsentiert im Moment eine Doppelausstellung zu den beiden Künstlern Andy Warhol (1928-1987) und Ai Weiwei (*1957). Parallelen beider Biographien sollen im Fokus stehen.

 

Mehr als dreihundert Kunstwerke sind insgesamt ausgestellt. Das grösste Kunstwerk steht gleich in der Eingangshalle der Gallerie. Forever Bicycles - eine riesige Komposition aus fast 1500 Fahrradgestellen. Ai Weiwei bewunderte diese Farräder als kleiner Junge zu einer Zeit als sich in China noch nicht alle ein Fahrrad leisten konnten.

 

Es gibt Bilder von Andy Warhol, die jeder kennt; Marilyn Monroe, Campbell's Suppendosen oder die farbigen Blumen; alle sind sie hier ausgestellt. In unzähligen Variationen wiederholen sich die Sujets - ähnlich auch bei Ai Weiwei. Bilder von seinem F**k-Finger vor berühmten Bauten gibt es zigfach zu sehen.

 

Die Werke von Weiwei sind oft dreidimensional. Sei es die Umsetzung einer willentlichen Zerstörung einer Vase aus der Han Dynastie mit Hilfe von Legosteinen in Grautönen (siehe links) oder ein Tisch der von einem Baum durchdrungen wird.

 

Ai Weiwei hat einen starken Bezug zur Architektur - so stand er Herzog & de Meuron anfangs bei der Konstruktion des Olympiastadions in Peking (Vogelnest) als künstlerischer Berater zur Seite.

 

In einem zweiten Teil der Ausstellung wird dann die zwiespältige Beziehung zu seinem Vaterland China thematisiert. Dies geschieht vor allem mit Hilfe von Videoaufnahmen - äusserst interessant.  Zusammenfassend finden wir die Austellung zu Ai Weiwei fast spannender, da wir diesen Künstler weniger kennen/gekannt haben als Warhol. 

 

http://www.ngv.vic.gov.au/exhibition/andy-warhol-ai-wei-wei/

 

 


Year of the monkey

Mit den ersten Goldfunden 1851 war der Goldrausch auch in Victoria eingeläutet. Auf der Suche nach dem 'New Gold Mountain' legten viele Schiffe aus Hong Kong in Melbourne an. In der Little Bourke Street wurden die Goldgräber aus China mit dem nötigen Equipment ausgerüstet: Essen, Schaufeln und Medizin. Die Chinatown von Melbourne ist die älteste Chinatown in der südlichen Hemisphäre und die zweitälteste der westlichen Welt überhaupt; nur Chinatown San Francisco ist älter.

 

Es ist nicht zu übersehen: ob am Flughafen, im Luna Park oder in der Stadt - Chinese New Year geniesst einen hohen Stellenwert in Melbourne. Während fast zwei Wochen finden immer wieder Veranstaltungen und Aufführungen in verschiedenen Stadtteilen Melbournes statt. Wir besuchen das Fest in den Docklands - am Hafen von Melbourne.

 

Tänze aus verschiedenen Regionen werden im Licht der untergehenden Sonne präsentiert. Die einzelnen Darbietungen werden jeweils angekündigt und erläutert. Der Moderator wird nicht müde zu erwähnen, wie schön es sei, dass sich die Menschen in Australien für andere Kulturen interessieren würden und eben dieser Melting Pot der Kulturen das Wesen Australiens ausmache. Wo er Recht hat, hat er Recht.

 

An verschiedenen Essensständen kann man sich verpflegen und wir staunen ab all den vielen Dekorationsgegenständen. Dieses Fest wird mit viel Hingabe und grossem Engagement vieler Beteiligter gefeiert. Chinatown reicht in diesen Tagen weit über die Little Bourke Street hinaus.

 

2016 steht übrigens im Zeichen des Affen - wir finden, dass das zu uns passt: Lebensfreude, Horizonterweiterung und das Vorantreiben eigener Projekte werden vom Feuer-Affen besonders begünstigt - so lesen wir es zumindest im Internet.

 

 


Caulfield Racecourse

In Australien erfreut sich der Pferdesport grosser Beliebtheit. Jährlich werden auf den über 360 Rennbahnen mehr als 19'000 Rennen ausgetragen.

 

Wir besuchen den Caulfield Racecourse, welchen wir nach einer 10-minütigen Autofahrt erreichen. Caulfield ist eine der berühmteren Rennstrecken Melbournes und hat eine Bahnlänge von 2080 m. Veranstalter des Rennens ist der Melbourne Racing Club.

 

Die Brochure zum Dresscode liest sich wie ein Modemagazin aus Paris oder London. Wir haben natürlich keines der geforderten Kleidungsstücke hier. Das muss doch wohl auch anders gehen, aber auch die Website des Caulfield Racecourses schafft da keine Klarheit. Wir setzen alles und versuchen es mit Flipflops, Shorts und T-Shirt. Top oder Flop.

 

Es stellt sich heraus, dass wir uns unnötig Gedanken über den Dresscode gemacht haben - problemlos finden wir Einlass. Wir sehen dann später schon, dass es eine Zweiklassengesellschaft ist. Der noblere Teil der Zuschauer fiebert in einem abgegerenzten Bereich mit.

 

Kurz vor Startschuss werden die rund 12 Pferde vorgestellt und man kann entweder der Quote nach, oder der Intuition folgend, auf ein Pferd setzen. Im ersten Rennen setzen wir auf Well Sprung (12) und Reldas (2). Von der verglasten und vollklimatisierten Tribüne aus fiebern wir mit 'unseren' beiden Rennpferden mit. Nun ja, war wohl nichts - dabei hatten wir so ein gutes Gefühl - aber leider überhaupt keine Ahnung von Pferden!

 

Wir versuchen es im nächsten Rennen mit Golden Spin, der Nummer 7 ... und im übernächsten mit Fast Approaching (4) und Boundary (8); aber knapp daneben ist halt eben auch daneben. Obwohl keines unserer Pferde die Ziellinie als erstes überquerte, hatten wir einen Riesenspass an der Rennbahn.

 

Weitere Sportarten Australiens: siehe Kidscorner - little qizz#14!

 

 


Great Ocean Road

Die Great Ocean Road beginnt bei uns mehr oder weniger vor der Haustüre und wird als eine der schönsten Panoramarouten Australiens angepriesen. Der Round-Trip - von uns aus etwas mehr als 520km - ist an einem Tag zu bewältigen. Es lohnt sich sicher hier mehr Zeit einzuplanen, aber wir wollen uns zunächst mal nur einen Überblick "in der Nachbarschaft" verschaffen.

 

Wir packen unseren Esky mit Picknicksachen voll und fahren gegen Mittag los Richtung Great Ocean Road.

 

Nach einer stündigen Fahrt in südwestlicher Richtung, beginnt dann die eigentliche Great Ocean Road. Dieser Küstenabschnitt ist mit seinen meterhohen Brandungen vor allem bei Surfern sehr beliebt. Wir geniessen unser Picknick mit Blick auf die waghalsigen Surfer. Selber würden wir uns hier aber nie ins Meer wagen; weniger wegen den Wellen, mehr wegen den Fischen mit den grossen und endlos nachwachsenden Beisserchen.

 

Wir fahren weiter und kommen zu einem Strandabschnitt mit hunderten von Steintürmchen. Hier waren viele Wichtel fleissig. Man kann gar nicht anders und beginnt Steine aufeinanderzuschichten - wir bleiben aber bescheiden und bauen nur vier Minitürmchen. Für mehr bleibt dieses Mal auch nicht die Zeit.

 

Gegen halb sieben erreichen wir dann die weltberühmten 'Twelve Apostles'. Die lange Fahrt hat sich gelohnt, denn die bis zu 60 Meter hohen Kalksteinfelsen leuchten wunderschön in der Abendsonne. Der Name trügt: nachdem die neunte Kalksäule vor gut zehn Jahren zusammenstürzte, sind heute nur noch acht freistehende Felsen zu sehen.

 

Die Twelve Apostles sollen neben dem Ayers Rock die meistfotografierte Touristenattraktion Australiens sein. Das können wir gut nachvollziehen und auch wir knipsen mit all den chinesischen Besuchern um die Wette.

 

Wir können den eigentlichen Sonnenuntergang nicht abwarten, denn wir haben noch eine lange Heimreise vor uns - gut zweieinhalb Stunden Fahrt bis nach Melbourne zurück. Wegen all den Kängurus ist es in Australien nicht sehr ratsam, Überland im Dunkeln unterwegs zu sein. Und tatsächlich: noch nie haben wir so viele Kängurus gesehen. Auf einer Lichtung sehen wir über hundert Kängurus beim Grasen. Als wir mit dem Auto anhalten, schauen sie zuerst neugierig, drehen sich um und hüpfen alle gemeinsam davon. Was für ein Bild!

 

Gegen Mitternacht sind wir wieder in Melbourne.

 

 

 


Cricket Australia vs India

Cricket soll laut Wikipedia die beliebteste Sportart in Australien sein.  Das wollen wir überprüfen. Wir ergattern Tickets für das Länderspiel Australien gegen Indien zu einem erschwinglichen Preis. Bereits auf dem Weg zum Stadion ahnen wir, dass die indische Mannschaft auf eine breite Unterstützung hoffen darf.

 

Unsere Plätze sind ganz oben im Stadion, wir haben den Überblick über das Geschehen auf dem Platz. Hurtig machen wir uns mit den Spielregeln vertraut: Inning - Pitch - Wicket - Batsman - Bowler - Runs. Nach ein paar 'Overs' (ha! - erwischt!) scheinen wir zu begreifen, was wir vorher auf unserem iPhone gelesen haben.

 

Im Stadium bewahrheitet sich dann auch unsere Vermutung. Cricket scheint in Indien sehr populär zu sein; gut dreiviertel der Zuschauer sind indischer Abstammung. Sie feiern jeden Run euphorisch und feuern ihre Mannschaft lauthals an. Bald finden wir die indischen Fans spannender als das Game selber.

 

Tennis - Skifahren - Fussball: alles Sportarten zum Mitfiebern. Cricket: nicht so ganz. Eher Nägel lackieren als vor Spannung kauen; oder einfach Fotos vom Stadion machen. Uns erschliesst sich der magische Teils dieses Spiels nicht wirklich und wir verzichten auf eine Saisonkarte.

 

Wir verlassen das Spiel vor Spielschluss, denn wir ahnen bereits, wer gewinnen wird und zudem wollen wir nicht von all den Besuchern überrollt werden. Immerhin haben im Melbourne Cricket Ground (MCG) Stadium mehr als 100'000 Menschen Platz. 

 

Für alle, die es nun nicht mehr auf den Sitzen hält: Indien gewinnt mit 27 Runs Vorsprung!

 

Weitere Sportarten Australiens: siehe Kidscorner - little qizz#14!

 

 


Festival of Sails

Das Festival of Sails in Geelong VIC: Ältester Sportanlass Australiens und grösste Regatta der südlichen Hemisphäre! Lauter Superlative - da wollen wir also hin.

 

Geelong liegt am westlichen Zipfel von Port Phillipp - Melbournes Bucht - etwa achtzig Kilometer von uns entfernt. Wir rechnen mit starkem Verkehr und langer Parkplatzsuche. Nada. Nicht, dass wir die einzigen Besucher sind, aber wir können problemlos der Strandpromende entlangfahren und finden einen Parkplatz gerade beim Eingang zum Festgelände. Eventuell sind ja alle anderen per Boot angereist... Oder das Marketing hat etwas über die Stränge geschlagen.

 

Weiter draussen in der Bucht ist aber bedeutend mehr los; mehr als hundert Boote verschiedenster Klassen liefern sich bei gutem Wind ein spannendes Rennen. Wir geniessen die Brise und die Atmosphäre im Yachthafen bei einem Picknick.

 

Geelong ist nett, mit einer schön gestalteten Promenade und einem sehr schönen Pier. Wir gehen ein paar mal hin und her und schauen uns eine Wasserskishow  an. Der Hauptact dabei ist klar die Flyboard-Show. Zwei Chinesen pfeilen mit 'wasserstrahlangetriebenen' Raketenschuhen nach Belieben über oder auch durch das Wasser. Wow. Sobald es diese Schuhe mal im Dosenbach gibt, kriegen die unsere Kids auch.

 

Den Abend verbringen wir in australien-typisch entspannter BBQ-Picknick-Atmosphäre bei Livemusik und Foodständen. Great.

 

Der ganze Anlass hatte zwar nur einen Bruchteil der Grösse dessen, was wir uns anhand der Werbung vorgestellt hatten, aber genug Charme, um ihn als gelungenen Sonntagsevent empfehlen zu können.

 

 


Australian Open 2016

Ein Grand-Slam-Turnier gleich vor der Haustüre; das hatten wir noch nie.

 

Das Australian Open ist jeweils das erste der jährlich vier Grand-Slam-Turniere und alle Tennisgrössen treffen sich hier. Erstmals wurde das Turnier 1905 mit 17 männlichen Teilnehmern ausgetragen. Heute findet das Australian Open mit etwa 700 TeilnehmerInnen auf den 24 Hartplätzen des Melbourne Parks statt - notabene ein riesiges Areal. Die beiden grössten Arenen sind nach australischen Grand-Slam-Gewinnern benannt; Rod Laver und Margaret Court. Während des gesamten Turniers werden ungefähr 48'000 Bälle verbraucht.

 

Ein Family-Groundpass für AUD100 passt in unser Reisebudget und ermöglicht uns einen Tag lang den Zutritt zum gesamten Gelände inklusive Hisense Arena, Show-Courts und Trainingssessions. Die  Spiele in den beiden grössten Arenen können wir mit unserem Tagespass aber nicht live sehen. Das Einzelticket zu einem Match in der Rod Laver oder Margaret Court kostet mehr als unser gesamte Familienpass. Das Gelände bietet aber auch so extrem viel Tennis, Action und Abwechslung.

 

Heute ist ein echter SWISSDAY. Auf dem Programm stehen die folgenden Schweizerspiele: Belinda Bencic vs. Kateryna Bondarenko, Roger Federer vs. Grigor Dimitrov und Martina Hingis zusammen mit Sania Mirza gegen ein ukrainisches Paar. Hopp Schwiiz!

 

Bencic und Federer spielen in der Rod Laver Arena und sind daher nicht in unserem Ticket mit eingeschlossen, leider. Wir haben einen regnerischen Tag erwischt und somit macht es mässig Spass, die Spiele auf einer Grossleinwand im Freien mitzuverfolgen. Wir flüchten in die Hisense Arena - die dritte der drei gedeckten Arenen. Hier verfolgen wir das Spiel von David Goffin [15] und Dominic Thiem [19] - der Sieger wird dann in Runde 4 gegen Roger Federer antreten müssen, sollte dieser heute am späteren Nachmittag auch reussieren. Unser oesterreichisches Herz schlägt für Thiem, aber das Ranking favorisiert Goffin und so ist es dann schlussendlich auch.

 

Zwischenzeitlich kann auch Belinda Bencic in der Rod Laver Arena einen Sieg verbuchen. Bravo!

 

Wir überbrücken die Zeit bis zum Matchbeginn von Roger Federer mit einem Rundgang. Da es immer mal wieder regnet, fallen das Doppel mit Hingis/Mirza und die öffentlichen Trainings von Serena Williams und Novak Djokovic aber buchstäblich ins Wasser.

 

Wir besorgen uns was zum Knabbern, suchen uns einen Bildschirm im Foyer der Rod Laver Arena und richten uns auf dem Boden ein. Unser Fernseher zuhause ist wahrscheinlich grösser, ABER gleich hinter diesen Mauern und diesen Türen spielt der Maestro. Erster Satz 6:4 - zweiter Satz 3:6 (oops!) - dritter Satz 6:1 und dann geschieht das Unglaubliche: jemand schenkt uns 4 Tickets, und wir können alle vier gemeinsam den vierten und letzten Satz (6:4) sehen! Fühlt sich an wie ein Sechser im Lotto, und wir können unsere Schweizerfahne endlich stolz schwenken. Roger Federer live spielen sehen! - erneut können wir etwas von der Bucketliste streichen. Roger Federer gelang mit dem heutigen Erfolg der 300. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier. Seit seinem 18. Lebensjahr hat Roger Federer kein einziges Majorturnier ausgelassen. Well done!

 

Auch wenn Roger Federer mit seinem Spiel nicht zufrieden war, wir fanden es toll und hoffen, dass er am Australian Open noch weit kommen wird. Wer weiss, vielleicht kaufen wir uns dann nochmals einen Groundpass für das Finalspiel...

 

  


St Kilda Luna Park

Fünf Minuten zu Fuss und wir stehen vor dem ältesten Vergnügungspark Australiens. Melbourne's Luna Park öffnete seine Tore am 13. Dezember 1912 und war seitdem mehr oder weniger ununterbrochen in Betrieb. Ursprünglich wurden in ganz Australien fünf Luna Parks errichtet, aber neben Melbourne existiert von diesen historischen Vergnügungsparks heute nur noch der Luna Park von Sydney gleich unterhalb der Harbour Bridge.

 

Die 'Scenic Railway' ist die älteste, permanent betriebene Achterbahn der Welt. Immerhin funktioniert die Holzkonstruktion schon seit über hundert Jahren. Ein Mitarbeiter des Parks bremst die Wagons immer noch manuell.

 

Auch das Mondgesicht mit den beiden Türmen als Eingangstor sowie das Karussell haben ihren Ursprung in den frühen Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Im Laufe der Jahre sind weitere, modernere Attraktionen dazugekommen.

 

Das erste Mal dort, ist uns schon klar, dass wir hier in den nächsten Monaten noch einige Stunden verbringen werden. The kids, you know.

 

Wir hören das Kreischen und Lachen der Kinder an schönen Sommertagen bis zu unserer Terrasse. Wir sind ja keine Unmenschen und kaufen Nessina und Maiara ein Jahresabo, welches sie in den kommenden zweienhalb Monaten locker herausschlagen werden.

 

 


home sweet home

Am dritten Tag beziehen wir unsere Wohnung in St Kilda. 'Home - Sweet Home'; wir haben gut gewählt. Die Wohnung ist sehr hell, modern, viel Glas und doch heimelig; trifft genau unseren Geschmack. St Kilda ist ein künstlerisch angehauchter Stadtteil Melbournes und liegt direkt am Meer. Fünf Minuten zu Fuss und wir sind an einer belebten Strassen voller Cafés und Restaurants oder am Strand. Das Schiff The Lady of St. Kilda, welches 1841 die Stadt anlief, ist die Namenspatronin und wurde selber nach der schottischen Inselgruppe St. Kilda benannt.

 

Wir richten uns ein und füllen erst mal unsere Lebensmittelvorräte auf. Also ab zu Aldi gleich um die Ecke: das Konzept wie in der Schweiz, aber natürlich mit Produkten aus Down Under. Was wir bei Aldi nicht finden, kaufen wir dann noch bei Woolworths - der Migros Australiens. Der BBQ - mit einem vollen Tank - ist betriebsbereit für eine lange Saison.

 

Auch den Haushalt 'chlöpfen' wir noch ein wenig auf - und wohin geht man da am besten? K-Mart und IKEA. Ein paar Servietten hier, ein paar Kerzen da, zusätzliche Gläser und sonstigen Kleinkram. Ihr kennt das ja. Nessina und Maiara freuen sich schon seit Monaten auf diesen Shoppingtrip, denn sie wissen: IKEA verlassen wir nicht ohne unsere Fleischbällchen und Preiselbeersauce.

 

Nun sind wir eingerichtet und geniessen das Nichtstun die ersten paar Tage in vollen Zügen. Wir merken erst jetzt, dass unser Reisepace doch ziemlich flott war.

 

 

 


Arriving in Melbourne

Für die kommenden drei Monate wird Melbourne unser neues Zuhause und wir sind gespannt auf diese Stadt. Sie ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria und mit 4.3 Millionen Einwohnern nicht nur die zweitgrösste Stadt Australiens, sondern gleichzeitig auch die südlichste Millionstadt der Welt.

 

1835 wurden die ersten Siedlungen erbaut und im Gegensatz zu Sydney war Melbourne nie eine Strafkolonie. 1840 lebten bereits über zehntausend Menschen rund um Melbourne. Zwischen 1901 und 1913 war Melbourne sogar Australiens Bundeshauptstadt, wurde dann allerdings von Canberra abgelöst. Der Regierungsumzug erfolgte hingegen erst 1927. 1956 fanden in Melbourne die Olympischen Sommerspiele statt.

 

Melbourne ist - wie jede australische Stadt - ein Schmelztiegel von Einwanderern aus Grossbritannien, Griechenland, Italien, Irland, Kroatien und Vietnam. Die Chinatown im Zentrum von Melbourne repräsentiert die vielen chinesischen Einwanderer, welche hier ein neues Zuhause gefunden haben.

 

Die ersten zwei Nächte verbringen wir in einem Hotel im Herzen von Melbourne. Wir ziehen in CBD etwas durch die Strassen und beschnuppern unsere neue Stadt. Der erster Eindruck: cosmopolitan, englisch, relaxed, lebendig, aktiv, weit, hell und innovativ. Daraus kann Liebe werden. Den ersten Tag verbringen wir an der Southbank Promenade am Yarra River mit Skyline, Restaurants, Museen und Strassenkunst. Irgendwie sind wir schon jetzt richtig hier angekommen.

 

 

 


Qizz

 

 

Hast du die verschiedenen Quizfragen auf der Kidscornerseite schon gesehen?

http://www.360meridians.ch/deutsch-1/kids-corner/

 

Der Qizz (Quiz für kidzz) richtet sich an alle Kinder im Primarschulalter. Einige Rätsel sind einfach, bei anderen müsst ihr halt Mami oder Papi um Hilfe bitten.

 

Wir freuen uns über möglichst viele Einsendungen am Schluss unserer Reise. Viel Spass!

 

 

 

 

 


Sydney

Sydney! - Für uns eine der schönsten Städte Welt!

 

Mit über 4.6 Millionen Einwohner ist Sydney die grösste Stadt Australiens. 1770 wurde das Gebiet rund um das heutige Sydney von James Cook entdeckt. Aber erst 18 Jahre später erreichte Captain Arthur Phillip mit der First Fleet die Botany Bay, welche als Standort für eine Strafkolonie vorgesehen war. Am 26. Januar 1788 gingen in der Nähe der Rocks 800 Sträflinge und 500 Seeleute von Bord. Der 26. Januar ist seither auch der australische Nationalfeiertag. 

 

Schon zu Beginn unserer Weltreise war uns klar, dass wir hier Weihnachten und Neujahr feiern wollen. Eine passende Unterkunft zu finden, war wegen den horrenden Preisen über die Festtage nicht ganz einfach. Doch auch hier landeten wir einen Glückstreffer. Wir haben ein zweistöckiges Backsteinhäuschen in den Rocks gefunden; 20 Minuten zu Fuss und wir stehen vor dem Opernhaus oder 10 Minuten und wir stehen auf der Harbour Bridge. Besser hätten wir es nicht treffen können. Wir bleiben 10 Tage in Sydney und saugen das Stadtleben richtig in uns auf. Natur hatten wir nun lange genug.

 

Heiligabend feiern wir in unserer Wohnung und haben für zehn Dollar noch ein herziges, goldenes Bäumchen ergattert - mal was anderes. Auch Xmas Crackers sind für uns neu; sie machen sich gut unter unserem Minibäumchen. Weihnachtslieder singen wir ab einem Youtube-Karaokefilmchen und vermissen dabei die Stimmen der anderen Familienmitglieder. Trotzdem, hört sich gar nicht so schlecht an und ein klein bisschen kommt Weihnachtsstimmung auf.

 

Gleich über die Strasse findet ein Mitternachtsgottesdienst statt, den wir unserer Tradition folgend besuchen. Es hat viele Leute in unserem Alter, aber Nessina und Maiara sind die einzigen Kinder. Die ganze Messe ist sehr modern aufgezogen, mit Friedensvideo aus Nahost und einer Band die singt; so ist das mitsingen natürlich einfach. Es ist Mitternacht und Maiara schläft die zweite Hälfte des Gottesdienstes zusammengerollt auf der Kirchenbank. Es war ein langer Tag.

 

Am Weihnachtstag gehen wir an die Bondi Beach (Bild 4), eine der berühmtesten Beaches von Sydney. Hier sieht man viele skurrile Figuren -  Touristen und Locals - und viele nicht mehr ganz nüchtern. Ein bunter Mix aus Surfbrettern, Weihnachtsmützen und Rentiergeweihen. Xmas in Bondi; spektakulär und definitiv anders hier.

 

Die restlichen Tage verbringen wir mit klassischem Sightseeing. Am Boxing Day (Stephanstag) fahren wir zum Hafen und schauen uns dort den Start des Sydney Hobart Race an. Im Taronga Zoo sehen wir Koalas, die zur Abwechslung mal nicht schlafen, sondern ziemlich aktiv von Baum zu Baum springen. Den Zoo erreicht man mit der Fähre und immer wieder hat man zwischen den Bäumen hindurch einen schönen Blick auf Sydney samt Oper. Die Tiere hier haben echt 'room with a view' gebucht.

 

Wir besuchen auch Manly, Chinatown, das Sydney Aquarium, den Sydney Tower und natürlich das Opernhaus. Das Gebäude ist einfach unglaublich schön - zu jeder Tages- & Nachtzeit! Wir buchen eine deutsch geführte Tour, so dass Nessina und Maiara etwas mehr als üblich verstehen. Auch sie beschäftigt die Geschichte des Opernhauses sehr - siehe Kurzvideo und Video littleqizz #13.

 

New Year's Eve in Sydney; eine Sensation für sich und schon immer auf unserer TODO-Liste. Oft gehört und auf Bildern gesehen; aber dieses Mal sind wir mittendrin! Bereits um zwei Uhr nachmittags wählen wir unseren Aussichtspunkt für das Feuerwerk. Fünf Minuten zu Fuss und wir sind im Observatory Hill Park. Das Beste an der Lage: man kann zuhause noch rasch einen Pastasalat fürs Picknick kochen gehen oder eine Picknickdecke holen. Dennoch - es zieht sich in die Länge - immerhin warten wir alleine schon fast sieben Stunden auf das erste Feuerwerk um neuen Uhr. Als es dann losgeht; ok, hübsch, aber unser Feuerwerk am Seenachtsfest muss sich nicht verstecken. Wir warten weitere drei Stunden und der Platz ist kurz vor Mitternacht zum Bersten voll. Wir sind nun nicht mehr die einzigen, die auf unserer Picknickdecke sitzen, aber wir teilen gerne. Dann ist es soweit! Five - Four - Three - Two - One: Hühnerhaut auf Kommando! Es knallt und blitzt aus allen Ecken - soooooo cooooool! Jawohl, alle hatten Recht! Das muss man mal gesehen haben!

 

Wir verlassen Sydney (wieder einmal) mit einem weinenden Auge - keine Frage, hier hätten wir es noch länger ausgehalten!

 


happy new year

merry xmas & a happy new year

G'Day Tasmania

Unser erstes Reiseziel in Downunder ist Tasmanien. Wir erwarten eine ähnliche Landschaft wie in Neuseeland und sind überrascht, dass es hier doch ganz anders ist. Wir sind in Australien angekommen!

 

Den ersten Abend verbringen wir in Hobart. In Tasmanien lebt eine halbe Million Menschen und die Hälfte davon in Hobart. Die Insel ist etwa doppelt so gross wie die Schweiz. Die geografische Breite von Hobart beträgt 42° S - also ein Pendant zu Rom... das merken wir auch gleich nachdem wir zum Flieger ausgestiegen sind. Hier ist es viel milder als in Neuseeland. Wir freuen uns auf unsere Shorts und Flipflops - die hatten nun lange genug Pause.

 

Am ersten Tag fahren wir ganz in den Süden um das alte Gefängnis von Port Arthur (Bild 1) zu besuchen. Ein eindrückliches Gelände und wunderschön gelegen. Hierhin kamen zwischen 1833 und 1877 die Bösen der Bösen - auch wenn das im Fall von neunjährigen Jungen 'nur' ein dreimaliger Diebstahl eines Spielzeugs war. Da bekommen Nessina und Maiara schon mal grosse Augen.

 

Die nächsten zwei Tage verbringen wir an der Ostküste und besuchen die berühmte Wineglass Bay (Bild 2). Eine gut dreistündige Wanderung hin und zurück führt uns an eine der schönsten Buchten der Welt. Wirklich sehenswert. Ob die Bucht wegen ihrer Form oder wegen des kristallkaren Wassers ihren Namen erhalten hat, ist nicht geklärt.

 

Weiter nördlich besuchen wir die Bay of Fires (Bild 3). Die Küste heisst nicht etwa wegen den roten Flechten an den Steinen so, sondern weil die Aborigines früher oft Feuer in Küstennähe entfacht haben. Hier unterhalten wir uns angeregt mit einem Pensionär aus Launceston, der hier ein Ferienhaus besitzt. Er habe in der Bucht schon Killerwale und weisse Haie gesehen. Ist in Ordnung, wir fahren ins Landesinnere.

 

Launceston - die andere grössere Stadt in Tasmanien - hat ihr englisches Flair behalten. Wir geniessen das Flanieren im Städtchen und gönnen uns sogar einen Haarschnitt. Am Nachmittag baden wir im Teich beim George Cateract. Hier trifft sich Launceston zum baden, sünnele und spazieren. Die wärmenden Sonnenstrahlen bei über 30°C sind eine Wohltat - wir haben gelesen, dass es in Cradle Mountain nur 7°C warm sein soll. Crazy!

 

Unterwegs nach Cradle Mountain besuchen wir einen Wildlife Park und können mit einem Wombat kuscheln, Känguruhs füttern und den Tasmanischen Teufeln beim Mittagessen zusehen. Die ersten beiden super herzig - der Anblick einer Horde Tasmanischer Teufel die gerade ein totes Wallaby zerfleischen, ist eher gewöhnungsbedürftig.

 

In Cradle Mountain ist es anfangs wirklich sehr kühl. Wir fahren mit dem Shuttle bis zum Dove Lake (Bild 5) und starten den Rundwanderweg. Anfangs sind wir nicht sicher, ob wir das auch wirklich durchziehen. Es ist sehr kalt, aber am schlimmsten ist der eisige Wind. Mit jedem Schritt bekommen wir aber wärmer und das Wetter bessert sich auch langsam. Wir starten den Walk mit vier Kleiderschichten und beenden ihn im T-shirt.

 

Die Wanderwege sind traumhaft in die Landschaft eingefügt. Daher hängen wir noch einen Walk dran und wandern etwas weiter unten noch durch eine heideartige Landschaft (Bild 6). Hier wimmelt es nur so von Wombats und Echidnas. Der Wombat sieht aus wie eine Kreuzung aus Murmeltier und Koala und der Echidna ist eine Mischung aus Igel und Ameisenbär. Neben dem Platypus ist dies das einzige eierlegende Säugetier der Erde.

 

Wir fahren zurück nach Hobart und unsere Rundreise schliesst sich. Unterwegs besuchen wir noch die Nate Whisky Destillery. Sehr hübsch gelegen und trotz ihren erst acht Jahren einen Abstecher wert.

 

Tasmanien ist ein wunderbares Fleckchen Erde - uns hat es hier gut gefallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kaikoura

Wecker auf 04.00h! Das hatten wir schon lange nicht mehr. Um 05.20h werden wir von der Crew in Empfang genommen und instruiert! Zuerst heisst es mal Garderobenwechsel. Wir fassen einen dicken Neoprenanzug, Flossen, Schnorchelmaske und sogar eine Neoprenmütze. Wir haben ja noch keine Ahnung wie kalt das Wasser wirklich sein wird, doch uns schwant schlimmes. Die Bucht von Kaikoura grenzt an einen tiefen, nährstoffreichen Meeresgraben und wird dadurch zum Tummelplatz von Walen und Delfinen. Ein idealer Ort also um diese Meeressäuger zu besuchen. 

 

Nach einem kurzen Infofilm geht es los und ein Bus bringt und zum Hafen. Wir fahren mit dem Boot etwa 45 Minuten der Küste entlang und begegnen dann den ersten Delfinen. Minuten später schwimmt ein ganzer Schwarm ums Boot. Flossen an, Brille runter, Schnorchel rein und ab ins Wasser. Uns stockt der Atem - eiskalt! Maiara will gleich wieder zurück aufs Schiff - ihr ist es definitiv zu kalt! Auch Nessina ist schon bald wieder auf dem Schiff - sie hat jedoch kurz einen Delfin unter sich vorbeigleiten sehen. Es braucht wirklich Überwindung noch länger im eiskalten Wasser zu verweilen. Plötzlich müssen wir wieder zurück aufs Schiff und wir fahren zu einem zweiten Spot. Die Mädchen haben genug und geniessen das Spiel der Delfine vom Boot aus. Ein zweiter Sprung ins kalte Wasser lohnt sich allerdings sehr. Um uns herum tummeln sich die Delfine. Sie flitzen kreuz und quer, neben und unter uns durch, tauchen und drehen sich mit uns im Kreis. Wassertemperatur? Nebensache. Zwischenzeitlich hat der Wind aufgefrischt und die See ist etwas rauher geworden; man muss sich anstrengen, um wieder an Bord zu kommen. Beim dritten Schnorchelgang wird's dann schon sehr rauh - man könnte schon fast im Wasser seekrank werden - und anstrengend. Den Delfinen macht das nichts aus und sie geben nochmals alles für die GoPro. Die Rückfahrt ist dann sehr shaky und wir müssen uns konzentrieren nicht seekrank zu werden.

 

Der Ausflug hat sich gelohnt, aber für Nessina und Maiara hoffen wir auf eine etwas weniger hektische und mehr 'Flipper like' Möglichkeit, diese Säugetiere nochmals aus der Nähe zu bewundern.

 

 

 


Ostküste der Südinsel

Als erstes besuchen wir an der Ostküste die Otago Peninsula, berühmt für ihre Tierwelt.

 

Ganz an der Spitze der Halbinsel - beim Royal Albatross Center - brüten Albatrosse auf dem Festland. Wir wollten diese Vögel unbedingt fliegen sehen - die Flügelspannweite ist über drei Meter - und haben uns ein Geflatter à la Albatros Orville aus dem Disney Film Bernhard und Bianca vorgestellt. Fehlanzeige. Wir sehen drei brütende Albatrosse in weiter Distanz; sitzend und sie bewegen sich keinen Millimeter. Die grösste Herausforderung war es, nicht vom vergangenen Frühstück einer der tausend kreisenden Möven getroffen zu werden. Den Enthusiasmus der Führerin können wir nicht ganz teilen und kommen zum Schluss, dass sich die 100 NZD definitiv nicht gelohnt haben. Der Tip am Tourenschalter aber, die Allans Beach aufzusuchen, macht den finaziellen Verlust wieder wett. Der Strand ist traumhaft und wir sehen sogar einen Seehund beim 'Sünnele'.

 

Am gleichen Abend fahren wir noch bis zu den Moeraki Boulders. Die Erosion legt regelmässig weitere dieser ungewöhnlichen Kugeln frei. Der Durchmesser einer solchen Kugel kann über zwei Meter betragen und die meisten Kugeln sind nahezu perfekt kugelförmig. Einige der Kugeln sind auseinandergebrochen und man sieht den inneren, kristallinen Aufbau gut. Wir besuchen die Boulders ein erstes Mal am Abend bei Ebbe, es bläst ein eisiger Wind und wir sind praktisch die einzigen Touristen. Die Stimmung ist mystisch.

 

Wir übernachten auf einem Campground in der Nähe, welcher von einem Basler und einer Urnerin auf Vordermann gebracht wird. Lustig, wo wir überall Schweizer treffen.

 

Am Morgen besuchen wir die Kugeln dann erneut. Völlig anderes Bild heute: viele Touristen und ziemlich heiss; so schnell kann das hier gehen.

 

Wir ziehen weiter nach Norden. Akaora liegt auf einer Halbinsel vor Christchurch. Hier haben französische Siedler Ende des 19. Jahrhunderts eine Art Kolonie errichtet. Vom französischen Flair nehmen wir allerdings nicht viel wahr. Ein paar Restaurantnamen vielleicht, aber das ist es dann schon. Trotzdem ist die Halbinsel sehr schön und wird vor allem tagsüber von vielen Touristen regelrecht heimgesucht. Besonders der Scenic Drive lohnt sich, auch wenn die Strasse oft dem Wind exponiert ist.

 

Wir machen einen kurzen Abstecher nach Christchurch und sehen, wie sich die Stadt weiterhin vom verheerenden Erdbeben im Frebruar 2011 zu erholen versucht. Das Erdbeben war sehr oberflächennah und hat so grosse Zerstörung verursacht. Viele Neubauten sind gerade am Entstehen; vieles ist aber auch schon realisiert, wie der brandneue Busbahnhof, welcher erst vor einem Monat eröffnet wurde.

 

Wir fahren weiter Richtung Norden bis nach Kaikoura. Hier lösen wir endlich die Geburtstagsgeschenke für Nessina und Maiara ein: Schwimmen mit Delfinen. Das Wetter macht wenig Lust auf Wasser und der gebuchte Tourenstart 05.30h noch weniger. Aber versprochen ist versprochen...

 

 

 

 


Abel Tasman & Westküste der Südinsel

Nach einem spannenden Morgen im Te Papa Tongarewa - Museum in Wellington und einem Glacé am Pier verladen wir unseren Camper auf die Interislanderfähre Richtung Picton, Südinsel. Die Fahrt mit der Fähre dauert etwas mehr als drei Stunden und als Bonus begleiten uns Delfine. Nessina und Maiara dürfen zudem die Brücke der Fähre besuchen.

 

In Picton angekommen, fahren wir gleich weiter Richtung Nelson. Ein hübscher Ort, wie wir anderntags bei Tageslicht erkennen können.

 

Unser erster Nationalpark auf der Südinsel ist der Abel Tasman Nationalpark. Abel Tasman, ein holländischer Seefahrer, erreichte am 13. Dezember 1642 als erster Europäer Neuseeland. Über eine Schotterstrasse erreichen wir den einzigen mit Autos zugänglichen Campingplatz des Nationalparks. Das Wetter ist leider nicht wie aus dem Bilderbuch - der Campingplatz ist riesig, aber nur wenige Besucher. Zwischen Weihnachten und Neujahr muss es hier aber wie im Bienenstock zu und her gehen. Wir bleiben zwei Nächte und tatsächlich ist das ein guter Entscheid, denn der kommende Tag ist wettertechnisch schon besser und wir schlendern der Bucht entlang (Bild 2) und malen viele Bilder in den Sand. Apropos Sand - die Sandflies haben uns auch gesucht und gefunden. Kleine lästige Viecher, die tatsächlich das bisschen Haut zwischen Socke und Hosenbein auch noch finden.

 

In Punakaiki staunen wir ab der Felsformation Pancake Rocks. Der Name erklärt sich von selbst (Bild 3). Die pfannkuchenartigen Gesteinsschichten erodieren unterschiedlich schnell und formen so diesen speziellen Küstenabschnitt. Bei Flut ist zudem ein riesiges Blowhole zu sehen. Wir müssten allerdings noch gut 4 Stunden auf dieses Spektakel warten und es liegen doch noch mehrere Kilometer vor uns.

 

Der Franz-Josef- & Foxgletscher beeindrucken uns als Schweizer nur mässig. Bemerkenswert finden wir allerdings die geringe Höhe der Gletscher. Das Gletschertor befindet sich auf etwas mehr als 400 müM und daher geht das Gletschergebiet fast nahtlos in Regenwaldvegetation über. So haben wir es dann doch noch nie gesehen. Wir gehen bis fast an die Gletscherstirn des Foxgletschers und nur schon für eine Feldstudie bezüglich Schuhwerk hat sich die etwa einstündige 'Wanderung' gelohnt. Wir - mit typisch schweizerischen Trekkingschuhen ausgerüstet - befinden uns im Mittelfeld. Das untere Ende des Feldes wird von Flipflops und Tauchschuhen angeführt und das obere Ende der Skala dominiert die asiatische Gruppe mit gemieteten Hochgebirgsschuhen. Shoes speak louder than words.

 

Am besten gefällt uns jedoch die Fahrt vom Foxglacier bis nach Wanaka. Unberührte Natur und nur spärlich besiedelt. Den Campingplatz wählen wir etwas zufällig am Lake Wanaka - sind aber einmal mehr von den DOC Campsites begeistert. Günstig, mit rudimentären Sanitäranlagen aber unschlagbar schön gelegen (Bild 5).

 

In Wanaka ist wieder mal eine Dosis Adrenalin fällig. Wir - resp. der Chauffeur - brettern mit  einem Jetboat und mehr als 80km/h über den Lake und einen angrenzenden Fluss. Mässig vernünftig, aber übermässig spassig. Die Kiste  hat eine 6.2l Chevy Engine und bringt 380PS aufs Wasser. Pro Sekunde strömt das Volumen zweier Badewannen durch den Jetantrieb, wie uns der Fahrer sehr cool und nicht ganz stolzfrei wissen lässt. Technisch gesehen am spannendsten: 2 Inch Wassertiefe reichen um mit diesem Boot fahren zu können - da braucht ein Kiteboard fast mehr Wasser. 

 

Von Wanaka aus fahren wir über die höchstgelgene geteerte Passstrasse Neuseelands nach Queenstown. Sehr viele Touristen in Queenstown, aber wir finden einen ruhigen - jawohl DOC - Campingplatz und dies gleich neben der Feuerstelle von Frodo, Sam und Gollum in Ithilien. Höchste Zeit für den zweiten Film der Trilogie.

 

Der berühmte Milfordsound liegt luftlinienmässig nur 80 km entfernt - auf der Strasse aber 300 km. Ein Flug für die ganze Familie ist uns zu teuer und mit dem Auto müssten wir gut zwei bis drei zusätzliche Tage für den Ausflug einplanen. Kaum zu glauben, aber uns fehlt dafür die Zeit, resp. wir setzen die Prioritäten anders. Deshalb verschieben wir den Besuch des Milfordsounds auf unsere Pensionierten-Bucket-List und machen uns auf den Weg Richtung Otago Peninsula an der Ostküste. 

 

 

 

     


Tongariro National Park

Schnee - auch für uns! Aber nur in einer homeopathischen Dosis.

 

Als wir gegen Mittag in Whakapapa, dem Hauptort von Tongariro ankommen, regnet es in Strömen. Das ruft nach einem Alternativprogramm! Wir suchen uns einen schönen Campingplatz mit Strom, machen Popcorn in der bordeigenen Mikrowelle und schauen uns eng aneinander gekuschelt 'Herr der Ringe' auf dem Handy an. Bei Filmende hat sich auch das Wetter gebessert und wir erkunden etwas die Gegend. 

 

Der nächste Tag ist ein Prachtstag und wir entschliessen uns zu einer Sesselliftfahrt auf etwas über 2200 Meter über Meer. Der Lift ist ein eher älteres Modell, aber erfüllt seinen Zweck. Die Skisaison ist beendet, aber mit ein paar Tourenskis wären ein paar Schwünge noch möglich. Der Skifuss zwickt ein bisschen und zum ersten Mal vermissen wir den Winter zuhause etwas. 

 

Zwei Stunden später wandern wir aber bereits wieder im T-shirt in der Ebene zu einem Wasserfall. Während der Wanderung haben wir immer den Vulkan Ngauruhoe mit seiner schön konischen Form im Visier.

 

Abends müssen wir dann noch 4 bis 5 Stunden bis in die Nähe von Wellington fahren. Eine kleine Tortur, aber wir haben die Fähre auf die Südinsel für den folgenden Tag gebucht.

 

 

 

 



Rotorua & Taupo

Happy Birthday, Maiara!


Maiara kann ihren achten Geburtstag in Rotorua feiern. Rotorua liegt am zweitgrössten See Neuseelands im Zentrum eines geothermisch sehr aktiven Gebietes. Irgendwie passend. 


Maiara wünscht sich einen Besuch auf einem Bauernhof à la Jucker-Farmart - nur eine Nummer grösser. Im Gegensatz zu Jucker sind 95% der Gäste an diesem Tag aus dem asiatischen Raum. Stimmt, an Schafe können wir uns in Asien auch nicht erinnern.


Es werden viele Schafsorten vorgestellt und wir staunen ab der Grösse dieser Wollknäuel. Besonders das Merinoschaf ist imposant. Wie viele Icebreaker T-shirts lassen sich wohl aus so einem Schaf herstellen? Auch die Schafschur ist eindrücklich. Der Schärer zeigt uns eine Schafrasur für uns Touristen in Slow-Motion  - dafür braucht er dann doch fast zwei Minuten. Am Ende hat man ein halbnacktes Schaf und eine Schur an einem Stück - wie ein Wollteppich.


Für Maiara und Nessina sind allerdings das Kuhmelken und Schöppelen der jungen Lämmer die Highlights des Tages.


Wir fahren weiter Richtung Taupo und besuchen die Geysirlandschaft von Wai-O-Tapu Thermal Wonderland. Die Gegend ist geprägt von heissen Quellen, Geysiren und Vulkanen - es liegt latent ein Schwefelgeruch in der Luft. Besonders angetan haben es uns der 'Champagne Pool' mit seinen Kohlendioxidbläschen (Bild 2) und das 'Devil's Bath' (Bild 3) mit seiner Stabilo-Leuchtstift-Farbe.


Taupo liegt am grössten See Neuseelands, dem Taupo Lake, der eigentlich ein gigantischer Vulkankrater ist. Die Entstehung des gesamten heutigen Sees geht auf eine gewaltige Eruption des Taupo-Vulkans vor 26'500 Jahren zurück. Das dabei herausgeschleuderte und in weitem Umkreis verteilte vulkanische Material entspricht einem Hundertfachen des Ausbruchs des Pinatobu.





Hobbiton in Middle-Earth

Wir besuchen Gandalf, Bilbo, Frodo und seine Gefährten in Hobbiton im Auenland.

 

Täglich werden im Halbstundentakt zweistündige Touren durch die märchenhafte Landschaft rund um Hobbiton angeboten. Das Gelände gehört der Familie Alexander und sie betreiben eine Schaf- und Angusrinderfarm.

 

1998 sah Peter Jackson das Anwesen ein erstes Mal während seiner Suche nach dem perfektem Ort für Hobbiton vom Flugzeug aus. Nachdem man sich mit der Familie Alexander geeinigt hatte, konnte im März 1999 mit den Bauten begonnen werden. Mit Hilfe der neuseeländischen Armee wurde eine 1.5 km lange Zufahrtsstrasse gebaut. Insgesamt werden 39 Hobbitlöcher, eine Mühle, eine Brücke und das Pub 'The Green Dragon Inn' errichtet.

 

Für 'Lord of the Ring' wurde während drei Monaten hier vor Ort gedreht. Nach den Dreharbeiten wurde ein Teil der Anlage zurückgebaut. Als Peter Jackson sich ein paar Jahre später wieder an die Familie Alexander für die Verfilmung der Hobbit-Triologie wandte, gab die Familie ihre Zustimmung unter der Voraussetzung, dass alles aus wetterbeständigem Material gebaut werden würde, denn mittlerweile kamen viele Touristen nach Hobbiton. Die Investition hat sich gelohnt, auch wenn die Anlage für 'Hobbit' nur während 12 Drehtagen benötigt wurde.

 

Unser Guide erklärt uns unter anderem, wie man die Illusion, dass die Hobbits so klein seien gespielt hat. Sitzt Frodo neben Gandalf auf dem Wagen, so sitzt der Hobbit in Wirklichkeit drei Meter hinter ihm. Auch wurden häufig zwei identische Hobbitlöcher gebaut. Vor der grossen Tür wurden die Hobbits, vor der kleinen Tür Gandalf gefilmt.

 

Das gesamte Gelände ist in einem ausgezeichneten Zustand und Blumen blühen in allen Farben. Am liebsten würden wir unseren Campervan für ein paar Tage gegen ein 'Hobbitloch' eintauschen.

 

Die Tour findet ihren Abschluss bei einem Southfarthing Cider, Ale oder einem alkoholfreien Ginger Beer im Green Dragon Inn. Cheers!

 

 

 


New Zealand's Top End

Nach vier Stunden Flug landen wir zwei Tage später um zwei Uhr morgens in Auckland. Das ist ein bisschen wie die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit - einfach eine Stufe höher. Wir sind froh, dass wir ein Flughafenhotel gebucht haben.

 

Schon ein paar Stunden später nehmen wir unseren Camper in Empfang. Fast vierzehn Quadratmeter - klein ist anders. Die ersten zwei Nächte verbringen wir auf einem Campingplatz in Auckland. Nichts besonderes, aber gut gelegen um uns und den Campervan einzurichten, das Nötigste einzukaufen und mit dem Zug ins Stadtzentrum zu pendeln. Wir besuchen den Hafen von Auckland und essen hier mit Blick auf den Hafen. Vor uns liegen zwei America's Cup Yachten. Eindrücklich, aber das Siegerboot liegt am Genfersee.

 

Am dritten Tag fahren wir nordwärts und da das Wetter nicht so toll ist, merken wir bald, dass unser Camper nicht ganz dicht ist. Wir verbringen fast den ganzen Tag in Paihia um das Heckfenster abdichten und den Abfluss des Küchenlavabos wieder in Schuss bringen zu lassen. Der Aufenthalt in der Garage ist  spannend und bringt uns 'the Kiwi Way of problem solving' näher.

 

Gleich neben Paihia liegt Waitangi - der Geburtsort Neuseelands unter dem Commonwealth. Hier wurde der Vertrag zwischen den diversen Maoristämmen und dem British Empire aufgesetzt und von den ersten Maori Chiefs unterschrieben. Es existieren eine englische Version und mehrere in Maori übersetzte Exemplare. Da die Dokumente in wichtigen Punkten nicht genau übereinstimmen, kommt es in der Folge immer wieder zu Auseinandersetzungen.

 

Wir fahren bis an den nördlichsten Punkt Neuseelands und besuchen unterwegs die 90-Mile-Beach. Leider können wir mit unserem Camper nicht auf der Sandpiste entlang des Meeres brettern, aber der Abstecher an die Westküste hat sich trotzdem gelohnt. The Top of NZ ist felsig und das Meer unruhig, denn genau hier trifft der Pazifische Ozean auf das Tasmanische Meer. Die beiden Strömungen laufen aufeinander zu und man sieht im Wasser, wie die Wellen aufeinander treffen und weisse Schaumkronen bilden.

 

Tapotupotu heisst der nördlichste Campingplatz Neuseelands und wir sind begeistert. Unser Stellplatz ist gleich neben dem Meer und das Wetter hat sich auch gebessert. Wir geniessen unser Glas Rotwein aus dem Kartonpack - so haben wir uns das vorgestellt. Wir bleiben noch einen weiteren Tag in der Region.

 

Entlang der Westküste fahren wir wieder nach Auckland zurück und durchqueren dabei die berühmten Kauri-Wälder von Neuseeland. 'Tane Mahuta' - Lord of the Forest ist um die zweitausend Jahre alt und über 50 m hoch. Auch die 'Four Sisters' sehen im Abendlicht wunderbar und geheimnisvoll aus. Touristen hat es in diesem Wald praktisch keine.

 

Wir fahren wieder zurück nach Auckland und schliessen so den Kreis unserer nördlichen Nordinsel-Tour.


 


Aitutaki

Aitutaki liegt rund 40 Flugminuten nördlich von Rarotonga und ist nach Rarotonga die bevölkerungsreichste Insel der Cookinseln. Es soll die schönste Lagune der Welt sein, so zumindest haben wir es gelesen. Die Insel ist nur 18 Quadratkilometer gross, aber die Lagunenfläche ist rund dreimal so gross und erscheint einmal mehr in allen erdenklichen Blau- und Grüntönen - ein Traum schon beim Anflug!

 

Bereits am Flughafen in Rarotonga lernen wir weitere Schweizer kennen, darunter auch Barbara und Fredi. Der Zufall will es, dass wir auf Aitutaki gleich Tür an Tür - beziehungsweise Strandbungalow an Strandbungalow wohnen (siehe Bild 1). Wir geniessen den Austausch mit unseren reisefreudigen Nachbaren sehr.

 

Mit unseren gemieteten Scooter flitzen wir mehrmals um die Insel oder gehen damit rasch zum nächsten Laden einkaufen. In jedem Laden fragen wir nach frischem Fisch - es scheint aber einfacher zu sein, auf der Blüemlisalp frischen Fisch zu bekommen als hier; Insel hin oder her. Die Gründe erschliessen sich uns auch nach mehrmaligem Fragen nicht ganz. Aber wir lassen nicht locker. In einem Laden erzählt uns eine Frau, sie kenne eine Frau deren Mann Divemaster und eventuell Fischer sei, wir sollen an der Tankstelle nach Kimberly fragen. Am nächsten Tag haben wir zwei Kilo schönstes fangfrisches Thunfischfilet und geniessen Sashimi auf unserer Terasse mit Blick auf die Lagune.

 

Die Anschnitte verfüttern wir unserer Hauskatze. Am ersten Tag versuchten wir sie noch zu verscheuchen, doch bereits am zweiten Tag hat sie sich in unsere Herzen geschmust. Nessina und Maiara taufen sie 'Miez-Mauz'. Miez-Mauz und unzählige Federtiere sind bei unserem Bungalow inklusive. Die Güggel mutieren für uns zu 'Sch***üggel', denn sie krähen die ganze Nacht nonstop. Der erste 'Schüggel' glaubt schon um Mitternacht, dass es bereits morgen sei!!!

 

Wir baden in der Lagune, aber der Einstieg ins Wasser ist nicht ganz einfach; es wimmelt nur so von Seegurken. Eine ist herzig - hundert schon weniger und tausende dann eher eine Plage und eklig. Jä nu, das Wasser ist dafür herrlich warm und glasklar.

 

Wir machen die obligate 'Lagoontour' und werden nicht enttäuscht. Kuna führt uns mit seinem Boot zuerst zu einem Schnorchelspot und wir sind überwältigt von der Unterwasserwelt. Riesenmuscheln die ihrem Namen alle Ehre machen - mehrere grosse Fische und diverese kleine Tropenfische.

 

Via Sandbank können wir dann zu Fuss die Honeymooninsel besuchen - 'Name ist Programm' sagt uns Kuna, aber wir können keine Hochzeitszeremonie sehen - wir sind praktisch die einzigen Gäste an diesem Traumstrand.

 

Während des Mittagessens auf 'One Foot Island' erzählt uns Kuna von den Dreharbeiten zur US-Reality-TV-Sendung Survivor im Jahr 2006. Die amerikanische Filmgesellschaft hat diese und drei weitere Inseln für drei Monate gemietet und für den restlichen Tourismus komplett blockiert. Seither wurde die britische Version Shipwreck sechs Mal auf Aitutaki gedreht, dieses Format ist aber viel kleiner und benötigt für die Produktion nur zwei Inseln.

 

Die restlichen Tage verbringen wir mit etwas Schule und 'Töfflibuebe und Töfflimeitli'-Fahrten um die Insel. Der Abschied fällt uns schwer und unter Tränen müssen sich Nessina und Maiara von Miez-Mauz verabschieden. Auch wir hätten es hier gut noch ein paar Tage länger ausgehalten, sind aber nach fast sechs Wochen Südsee doch auch wieder bereit für eine etwas aktivere Reisetätigkeit.

 

Kiwis - we are coming...



Rarotonga - Cook Islands

Air Tahiti fliegt nur einmal pro Woche nach Rarotonga, jeweils am Donnerstag. Der Flug dauert mit zweineinhalb Stunden einiges länger als die üblichen Inselhüpfer. Damit der Sprit reicht, wird der Flieger nur zu zwei Dritteln beladen, es sind nur 28 Personen an Bord.

 

Die Cook Islands sind ein eigener Staat, frei assoziiert mit Neuseeland und umfassen 15 Inseln. Sie wurden nach James Cook benannt, der die Inseln erstmals 1773 besucht hat, werden aber erst seit dem 19. Jahrhundert unter diesem Namen auf den Seekarten erwähnt. Rarotonga ist die Hauptinsel und mit elf mal sieben Kilometern auch die grösste. In Anlehnung an Neuseeland gilt hier als Währung der Neuseeland Dollar und die Sprache ist Englisch - wir stellen also von Französisch um.

 

Zu unserem Erstaunen stellen wir fest, dass hier - und wie wir hören auch in Neuseeland - ein freier Internetzugang noch nicht als selbstverständlich gilt. Was auch in Bolivien kein Problem war, ist hier noch nicht realisiert.  Wifi ist sehr sehr teuer hier und wird in kleinen Häppchen per Voucher verkauft. Fast so, wie man früher mit Salz oder Saffran gehandelt hat. Wir gewöhnen uns daran - nach einigen Tagen - und geniessen es sogar ein bisschen.

 

Rarotonga ist für uns vor allem baden. Unsere Wohnung liegt im Süden am Muri Beach, an einer schönen Lagune mit vorgelagerten Motus.  Es hat anständig Wind und endlich kann Christian den lange ersehnten Kitesurf-Kurs belegen. Für zwei Tage, dann ist leider Flaute für den Rest der Woche, aber der Grundstein ist gelegt. Hat extrem Spass gemacht und riecht nach mehr.


Wir umkreisen die Insel mit dem Auto zweimal und besuchen das Maritime Museum, welches klein, aber herzig ist. Dort sehen wir auch einen Steinfisch. Während unserer Zeit in der Südsee tragen wir immer Strandschuhe im Wasser, hauptsächlich wegen diesem Steinfisch.

 

Die meiste Zeit verbringen wir also am Strand mit baden, lesen, Kajak fahren und süssem Nichtstun. Nessina und Maiara haben gleich neben dem Hotel einen Baum mit einem langen Seil entdeckt und absolvieren gefühlte tausend Lianenschwünge.

 

Abends findet jeweils gleich um die Ecke im Freien auf einer Wiese der 'Night-Foodmarket' statt. Ein Mix diverser Foodstände mit vielen leckeren Gerichten, gleichermassen besucht von Einheimischen und Touristen. Ein kunterbuntes 'get together'.

 





Tahiti - let's talk money!

Tahiti - eines der teuersten Reiseziele der Welt! Klar, das kann so sein - muss aber nicht! Wir räumen nun mit den Schauermärchen auf.

 

Accomodation:

Wenn ich meinen Aufenthalt in Tahiti in einem Overwater-Bungalow in einer abgeriegelten Anlage auf einem Motu verbringen will, so sind die gängigen Preise bei ca. 1500 CHF/Nacht. Auf Bora Bora könnte man bei booking.com auch die Villa Oné buchen, welche nur mickrige CHF 100'000/Woche kostet; der Privatkoch ist dann übrigens inbegriffen. Sicher ein tolle und relaxende Art und Weise die Ferien zu verbringen, aber das sprengt doch manch ein Budget. Der Flug hier hin ist ja auch nicht gerade gratis.

Plant man jedoch früh genug seine Reise, so kann man traumhafte 3.5 Zimmer Häuser/Villen über Airbnb oder Homeaway buchen. Die Preise sind dann pro Nacht zwischen CHF 120 und 240. Die Ferien sind gleich viel authentischer als in einer Hotelanlage, obwohl es dort sicher traumhaft schön ist. Es gibt übrigens auch billigere Hotels, aber teuer sind unter dem Strich die meisten. Unsere Privatunterkünfte waren der absolute Oberhammer und wir würden es wieder genau gleich machen.

 

Food:

Restaurantpreise liegen in einem ähnlichen Rahmen wie in der Schweiz. Das angebotene Essen ist sehr fein und frisch. Wir haben jeweils ein eigenes Haus und gehen daher oft im Supermarkt einkaufen. Auch hier: ähnliche - eher fast günstigere -  Preise als in der Schweiz.

Baguette CHF 0.50

1.5 l Apfelsaft CHF 1.80

1 l Milch CHF 1

1 kg Entrecote 1er Choix CHF 19

1 kg Brie Weichkäse CHF 12

1 kg Granny Smith CHF 4

1 kg Tomaten CHF 6

500 g Cornflakes CHF 2.50

250 g Nesquickpulver (ja, wir alle kennen die gelbe Dose ;-)) CHF 3.50

Sixpack Hinano 33cl Bier CHF 12 - sehr gutes Bier!

Guter Wein ist ziemlich teuer und der Billige nur selten geniessbar - daher 'stick to a cold Hinano'!

Tipp: Chinese-Take-Away Panda d'Or auf Bora Bora CHF 14/Mahlzeit - sehr lecker!


Trips:

Ausflüge mit der ganzen Familie gehen ins Geld, aber nicht mehr und nicht weniger als an anderen beliebten Feriendestinationen:

Whalewatching & Schnorchelausflug in Moorea CHF 75/Person

Polynesischer Abend mit Buffet & Show CHF 70/Person

Automiete Renault Clio CHF 55/Tag

Baden im warmen Meer mit glasklarem Wasser CHF 0/Person

Sonnenuntergang geniessen CHF 0/Person

 

Fazit:

Sicher keine 'Billigreisedestination' - aber wo ein Wille ist, ist in Tahiti auch ein Weg...



Maupiti

Maupiti hat uns mitten ins Herz getroffen. Nur 40 km westlich von Bora Bora und doch trennen die beiden Inseln Welten. Sehr ursprünglich, dünner besiedelt, mit einer wunderschönen Lagune und ohne grosse Hotels. Der Massentourismus hat Maupiti noch nicht entdeckt.


In Maupiti leben rund 1200 Menschen und die Insel wird nur dreimal pro Woche angeflogen. Die Menschen sind sehr freundlich und es wird immer gegrüsst, sei es auf dem Wasser oder an Land; ein kleines Dorf halt. Die Lagune umgibt die Insel vollständig und nur eine kleine, aber anspruchsvolle Passage ist mit dem Schiff passierbar.

 

Gleich bei der Ankunft werden wir von unseren Vermietern Alain und Nungh zum grössten Supermarkt der Insel gefahren um das Nötigste zu besorgen. Sagen wir mal so: ganz so klein haben wir uns den Supermarkt dann doch nicht vorgestellt. Der Begriff 'window shopping' bekommt hier eine ganz neue Bedeutung, denn durch ein Fenster hindurch kann man seine Wünsche mitteilen. Wünsche! - wenn man Glück hat, so hat es zumindest ein ähnliches Produkt. Konfitüre: Aprikose oder Erdbeere? - Käse: La vache qui rit oder Cheddar? - Frühstücksflocken: nur Cornflakes - Suppe: nur Campbell's Mushroom Soup - frisches Gemüse oder Obst: leider nein. Vielleicht kommt was mit dem nächsten Boot, welches voraussichtlich am Donnerstag anlegen wird. So auch das Mineralwasser. Wir bekommen noch das letzte Sixpack und das wird es dann gewesen sein für die nächsten vier Tage. Auch Brot zu bekommen ist eine Lotterie und von fünf Versuchen haben wir zweimal Glück.


Also justieren wir unseren Speiseplan relativ schnell, denn Fisch, Meeresfrüchte, Kokosnüsse und Passionsfrüchte liegen vor der Tür. Alain organisiert uns schon am nächsten Morgen einen fangfrischen Tuna (2kg) für CHF 13 und Nhung bereitet uns am Abend gleich das beste Tuna-Sashimi zu, welches wir seit langem gegessen haben. Nhung ist aus Vietnam und seit vier Jahren mit Alain aus Frankreich verheiratet. Nhung zeigt uns nicht nur wie man Sashimi zubereitet, sondern auch wie man Krebse aus den Muscheln lockt, wo es Passionsfrüchte zu pflücken gibt und öffnet für Nessina und Maiara eine Kokosnuss nach der anderen.


Unsere Unterkunft lässt keine Wünsche offen. Der Strandbungalow (3. Bild: linker Bunglow) steht am weissen Sandstrand von Terei'a (4. Bild: Blick von der Veranda aus). Im hüfttiefen, glasklaren Wasser kann man zu Fuss zum gegenüberliegenden Motu waten. Ab und zu sehen wir einen Rochen oder ein Fischschwarm springt gerade in die Luft. 150 m weiter rechts kann man schnorcheln und zum Bungalow gehören auch Kayaks, Fahrräder, Flossen; sogar Harpunen könnte man gebrauchen. Wir paddeln viel mit den Kayaks durch die Lagune und schnorcheln ausgiebig an unserem Hausriff. An Land ist unser Transportmittel das Fahrrad; ein Eingänger mit holländischer Bremse und Körbchen. Wir benutzen es für alle Einkäufe und auch für die bloss 9 km lange Inselrundfahrt ist es perfekt.

 

Am dritten Morgen paddelt Nhung mit uns und unseren finnischen Nachbarn Mikko und Pauliina zur Korallenbank.  Wir tauchen nach frischen, austernähnlichen Muscheln und essen diese gleich vor Ort im hüfthohen, türkisfarbenen Meer mit Chilli und Limettensaft. Frischer geht's nicht. Alain gibt uns eine eigene Machete. Nun sind wir gerüstet. Wir holen Kokosnüsse von den Palmen, so viel wir wollen - und unsere Kids haben viel Durst.

 

Den Rest der Woche verbringen wir ausschliesslich in Badehosen und geniessen das süsse Nichtstun. Barfuss ist noch besser als in Flip Flops. Hier sind wir im Paradies angelangt und den Menschen von Maupiti dankbar, dass sie sich vor zehn Jahren mit einem Referendum gegen die grossen Hotelketten entschieden haben. In unserem Empfinden ist Maupiti um ein Vielfaches schöner als Bora Bora - hier ist wirklich Südsee pur!


Gegen Ende November wird ein Zyklon erwartet. Bereits in vierzehn Tagen werden alle Menschen von den aussenliegenden Inseln evakuiert. Wir hoffen für die Menschen hier, dass er keinen grossen Schaden anrichten wird.


Wir rätseln schon, wann und wo wir wieder an einen so paradiesischen Ort kommen werden und kommen zum Schluss, dass das sicher eine Weile dauern wird. Die Messlatte liegt nun sehr hoch. 


Raiatea

Wir verlassen Bora Bora bei strahlendem Sonnenschein und das Meer zeigt sich nochmals in den schönsten blau und türkis Nuancen.

 

Bereits von Bora Bora aus können wir unser nächstes Reiseziel - die 40 km entfernte Insel Maupiti - von blossem Auge aus sehen. Allerdings gibt es nur sonntags einen direkten Flug nach Maupiti und so machen wir einen Umweg über die ebenfalls in Sichtweite gelegene Insel Raiatea. Wir haben einen etwas mehr als fünfstündigen Aufenthalt auf der zweitgrössten der Gesellschaftsinseln. Zeit genug, ein Mietauto zu organisieren und einmal rund um die Insel zu kurven. Raiatea ist anders. Grösser, üppiger, grüner und rausgeputzt. Alles scheint sehr gepflegt und aufgeräumt zu sein. Trotz Tropenwald erinnert es uns irgendwie an die Heimat.

 

Im Hafen von Uturoa - dem Hauptort der Insel - sehen wir die PACIFIC PRINCESS ankern. Das Kreuzfahrtschiff begegnet uns nun bereits zum dritten Mal - zuerst in der Cook's Bay in Moorea, dann im Hafen von Bora Bora und nun hier. 

 

Wir besuchen die wichtigste polynesische Kultstätte 'Marae Taputapuatea'. Hier wohnte Captain Cook bereits Zeremonien mit Menschenopfern bei. Es ist heiss und sehr schwül, schnell flüchten wir wieder ins klimatisierte Auto.

 

Im Süden der Insel gefällt uns das vorgelagerte Riff, beziehungsweise die Farben der Lagune. Ganz imposant ist aber hier für einmal nicht der Blick Richtung Meer, sondern ins Landesinnere. Gleich ein halbes Dutzend Wasserfälle sieht man die steilen Bergflanken herabstürzen. Unschwer ist zu erkennen, dass bei starken Regenfällen viele weiter Wasserfälle dazu kommen.

 

Nach gut vier Stunden haben wir die Insel umrundet, geben den Mietwagen wieder ab und fliegen weiter nach Maupiti.

 

Der Flug ist sensationell. Wir fliegen über Taha'a - der Nachbarinsel von Raiatea - und dann vorbei an Bora Bora. Ein organisierter Sightseeingflug könnte nicht schöner sein.

 


Black Pearls

In der polynesischen Mythologie ist es Tane, der Schöpfer der Welt und Gott der Harmonie und Schönheit, der das Licht in Perlen auf die Welt brachte. Tane verwandelte die Perlen in Sterne und erleuchtete mit ihnen den Himmel... weiter und viele interessante Infos siehe Link unten.

 

Auf Bora Bora besteht die Möglichkeit für USD 300 nach der eigenen Perle zu tauchen. Bis anhin sind wir ziemlich 'souvenirresistent' unterwegs, aber solch eine Perle hat schon was Besonderes an sich. Nessina und Maiara wollen ihr Glück versuchen und wir besuchen 'The Farm'. Wir werden herzlich empfangen und instruiert. Die Perlen auf dieser Farm sind alle zwischen 30 und 36 Monate alt; die dazugehörigen Muscheln zwischen 4 und 6 Jahre. Wählen wir eine Muschel, welche eine schlechte Perle hat, so können wir sie gegen eine A Perle eintauschen. Ist die Perle gross oder sogar ein Top Gem (Qualität perfekt), so hat man Glück und man zieht als Gewinner von dannen. Es verspricht ein spannender Morgen zu werden.

 

Nessina versucht ihr Glück als Erste und paddelt mit Christian und einem Taucher der Farm ins vorgelagerte Farmgebiet. Sie darf zwei Stränge mit je 5-7 Muscheln auswählen. Dazu muss sie jeweils zwei bis vier Meter tief tauchen und sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Wo steckt wohl die perfekte Perle drin? Sie sind fast eine Stunde am Tauchen bis die passenden Austern ausgesucht sind. Da die Verknotung der Muschelstränge unter Wasser schwer zu lösen ist, holt der Taucher dann die gewählten Stränge nach oben.  Nun ist Maiara dran. Da wir uns nun schon etwas besser auskennen und wissen, wo die Stränge mit den dicken Austern sind, brauchen wir nur noch eine halbe Stunde im Wasser.

 

Jede hat nun rund ein Dutzend Austern gefischt, davon versprechen etwa je 4 eine Perle zu haben. Aus diesen 2x4 Muscheln müssen sie nun je eine auswählen. Die Wahl ist schnell getroffen und die Spannung steigt. Die Auster wird mit einer Zange geöffnet und wir alle schielen gespannt in die von Maiara gewählte Muschel. Mit einem kleinen 'Löffelchen' holt er eine runde schwarze Perle heraus - sie sieht wunderbar aus - Liebe auf den ersten Blick!

 

Dann ist Nessina's Auster an der Reihe - ihre Perle ist so gross, dass die Schale leider geknackt werden muss. Auch ihre Perle wunderschön; heller als diejenige von Maiara und nicht rund, sondern barockförmig, aber sehr nahe bei der von ihr gewünschten Tropfenform.

 

Schon beim Öffnen sehen wir an der Reaktion der Beteiligten, dass beide Perlen wohl ein guter Fang sind. Die Perlen werden gereinigt, poliert und vermessen. Danach wird die Farbe und Reinheit bestimmt.

 

Nessina hat eine 11.6 mm lange pink/grün/silber-farbene Perle der Qualität A. Qualität A haben nur 3 von 100 Perlen. Bei Maiara's Perle werden die Augen der Geschäftsinhaberin aber gross und grösser. Maiara hat tatsächlich eine TOP GEM-Perle gefischt. Keine Einschlüsse (Unreinheiten) und die Farbe ist grün/aubergine. Die Bedeutung dessen wird uns erst klar, als die Inhaberin sagt, dass seit 1977 erst 5 TOP GEM-Perlen hier gefunden wurden.

 

Wir sind begeistert und ab heute heisst es für uns nicht mehr 'diamonds' sondern 'black pearls are a girl's best friend'...


 


Bora Bora

Moorea war schön - aber Bora Bora ist Südsee aus dem Bilderbuch


Schon der Anflug haut uns aus den Flip Flops. Noch bevor die dichte Wollendecke aufgerissen ist, haben wir am Horizont einen türkisfarbenen Schimmer entdeckt; das muss die Insel sein. So ist es. Wir wenden einmal über der Lagune bevor wir aufsetzen. Die Lagune schimmert in unzähligen Blautönen; so viele Farbnuancen kennen nicht mal Faber Castell und Caran d'ache zusammen. Der Flughafen ist auf einem Motu - eine auf dem Ringriff liegende kleine Insel. Mit einer Fähre werden wir zum 'Festland' gebracht. 30 Minuten Fahrt duch eine der schönsten Lagunen die wir bislang gesehen haben. Vom Boot aus sehen wir schon unser neues Heim für diese Woche (2.Bild - Bungalow oben links / 3. Bild Aussicht). 

Nathalie und Barthélémy - unser Kontakt hier in Bora Bora -  holen uns am Pier ab. Im Gepäck haben sie gleich noch unseren neuen Wagen - einen Peugot 207 - dabei. Wir fahren gemeinsam Richtung Norden zu unserem Haus. Marlon Brando - die jüngeren Semester müssen googeln - hat das Haus irgendwann nach den Dreharbeiten zur "Meuterei auf der Bounty" bauen lassen. Es liegt einige Meter über der Bucht und bietet einen unglaublich schönen Blick auf die Lagune. Wir sind angekommen.

Am ersten Abend schenken wir uns das Kochen und fahren zum Chinesen. Von aussen sieht das Gebäude in etwa so aus die Garage eures Pneuhändlers den ihr im November besucht. Wäre uns dieser Take Away nicht empfohlen worden, hätten wir wohl kaum dort gehalten. Aber das Essen war spitze. 

Am nächsten Tag fahren wir einmal um die Insel und stellen fest, sie ist grösser als wir uns das vorgestellt haben. Für das Fahrrad zu gross, für das Auto zu klein. Bora Bora ist in etwa gleich gross wie die Gemeinde Wald punkto Fläche und Anzahl Einwohner. Unserer Ansicht nach wäre ein Boot hier das optimale und schnellste Transportmittel, da die vielen Buchten so umfahren werden könnten. Die Infrastruktur ist aber eher auf Autos ausgerichtet und so sind alle Einheimischen mit dem Roller oder Pickup unterwegs.

Die meisten Hotels liegen nicht auf dem "Festland" sondern in der Lagune, auf kleineren vorgelagerten Inseln - den Motus. Möglicherweise aus diesem Grund - und da auch nicht Hochsaison ist - treffen wir nicht viele Touristen. Die öffentlichen Strände wie die Matira Beach im Süden sind sehr schön, praktisch menschenleer und werden erst gegen Feierabend vor allem durch die Einheimischen genutzt; zum 'Fyrabig-Bier'. Am Strand, im knietiefen, glasklaren, badewannenwarmen Wasser der Lagune sitzend, den Tag mit einem der schönsten Sonnenuntergänge ausklingen lassen. Ferien für uns, Teil des Alltages hier.

Eher zufällig haben wir entdeckt, dass man hier selber nach Perlen tauchen kann. Haben wir gemacht. War eines unserer absoluten Highlights hier und verdient einen eigenen Blogeintrag.

Am Tag vor unserer Abreise ist nochmals Kaiserwetter. Endlich. Das Wetter war zwar immer mal wieder gut, aber wir wollten ein Boot mieten und damit in die Lagune. Und das mussten wir schon zweimal schieben. Entweder zu starke Strömung oder einfach bedeckt und wir wollten es perfekt. Da wir keinen Bootführerausweis haben, begnügen wir uns mit einem Floss und 6PS. Bestens um gemütlich durch die Lagune zu tuckern. Die reine Fahrzeit um die Insel einmal zu Umrunden wäre vier Stunden, wir haben einen ganzen Tag Zeit. Wir starten im Süden und fahren im Gegenuhrzeigersinn um die Insel. An der Ostküste liegen die meisten Hotels und die Lagune ist sehr dicht mit Overwater Bungalows bebaut. Kein Wunder, die Sicht von hier aus auf die Insel ist Postkarte.

Nach zwei Stunden werfen wir den Anker auf einer Sandbank im Nordwesten. Das Wasser glasklar und türkis, die Sicht gleitet über die Lagune zu 'unserem' Haus. Wir baden, picknicken auf unserem Floss und geniessen die Szenerie. Als wir weiter wollen, springt der Motor nicht an. Super! - Greenhorns at work. Wir probieren, machen und tun, aber: kein Wank. Nach einer weiteren halben Stunde kommt der von uns per Natel avisierte Vermieter und wir denken: 'peinlich, wenn die Maschine nun anspringt'. Das Ganze mündet aber in einer kleineren Zerlegung 'on site' im hüfttiefen Wasser. Kerzen wechseln, Vergaser ausbauen und Düsen ausblasen. Das ganze Programm, aber kurz vor Abschlepp läuft der Motor wieder und wir ziehen weiter. Auf dem Weg legen wir noch weitere Schnorchelstopps ein - ein perfekter Tag in der Lagune.

Bora Bora ist wirklich eine Perle der Südsee.

Mo'orea

Nach einem sechsstündigen Flug und vier Stunden Zeitverschiebung landen wir kurz nach Mitternacht in Papeete, der Hauptstadt von Französisch Polynesien. 'Maintenant, on parle français!' - dabei haben wir uns so gut ins Spanische eingelebt! Der Switch ins Französische fällt uns nicht leicht - in den Läden sprechen wir oft erst in spanisch und merken dann an der Reaktion des Gegenübers, dass es nicht so ganz passt. In Neuseeland werden wir dann sicher zuerst alle auf Französisch zutexten. 

 

Die erste Nacht übernachten wir im Airport Motel, denn am folgenden Tag fliegen wir nach Moorea - ein viertelstündiger Flug. Leider erwartet uns die Südsee nicht mit Sonnenschein. 


Die ersten zwei, drei Tage unseres wöchigen Aufenthalts auf Moorea sind sehr wechselhaft. Immer wieder mal sonnig, aber auch regelmässig Regengüsse. Zum Glück haben wir ein eigenes Haus mit Pool und traumhafter Aussicht auf die Lagune; so lassen sich die Regenphasen gut überbrücken. Etwas weniger baden und schnorcheln, dafür etwas mehr Schule, Büro und Sightseeing an Land; Lookout Belvédère, Delfin- und Turtlestation und das Tiki-Village. 


Geburtstag auf Moorea, das hat schon was. Am Abend besuchen wir eine polynesische Show mit Tänzerinnen und Feuertänzern. Touristisch, aber 'a must'. Nessina und Maiara sind fasziniert von den Tanzeinlagen mit entsprechendem Hüftschwung - dürfen selber etwas mitmachen und machen das super. Das auf dem Bild links sind übrigens nicht Nessina und Maiara, es ist Sabine, vor ein paar Jahren.  "Als ich die Insel Moorea 1979 mit meiner Familie besuchte, hinterliessen die Tänzerinnen auch bei mir einen bleibenden Eindruck. Ich schaue in die Gesichter meiner Kinder und sehe mich wieder als 9-jähriges Mädchen".

 

Unser erster richtiger Sonnentag: Südsee aus dem Bilderbuch. Perfekt für eine Schnorchel- und Whalewatching-Tour in der Lagune und am äusseren Riff. Beim ersten Stopp in der Lagune begegnen wir Sting Rays (Rochen). Wir dürfen sie sogar berühren - der Rücken eher rauh, die äusseren 'Flabberflossen' ganz soft. Einzig Stachel und Mund sollte man nicht berühren. Wir ziehen weiter. Vorbei an einem Schwarm Delfinen verlassen wir die Lagune und fahren ins offene Meer. Hier sind die Wellen mächtig und der Wind nicht ohne. ....da!!! - da ist ein Humpbackwal, der gerade auftaucht und dann mit Sicht auf die Schwanzflosse wieder abtaucht. Moorea ist ein Aufzuchtgebiet der Humpbackwale. Wenn die Jungtiere kräftig genug sind, geht es wieder Richtung Antarktis. Der Führer spricht so schnell französisch, dass wir die Ausführungen fast lieber in spanisch verklickert bekommen würden. Plötzlich geht alles sehr schnell: Maske und Schnorchel aufsetzen, Flossen an die Füsse und hopp über Board. Was wir nun zu sehen bekommen ist magisch: tiefblaues, glasklares Wasser und unter uns ein Wal, der sich gerade ganz langsam um die eigene Achse dreht. Leider ist es nur ein kurzer Moment, denn plötzlich ist der Wal wieder weg. Wir fahren mit dem Boot weiter und nach einer Viertelstunde sehen wir eine Mutter mit ihrem Jungtier. Christian, der Guide und noch ein weiterer Teilnehmer springen nochmals ins Wasser. "Zuerst sahen wir nur die Flossen - weisse Linien im tiefen Blau - dann ist das Kalb langsam aufgetaucht, gefolgt von seiner Mutter. Es dreht sich langsam um seine Längsachse und dann ziehen beide weiter. Wow, ein Bild das bleibt". Das Meer ist sehr rauh und die Kinder können das Ganze deshalb nur vom Boot aus miterleben; sie sind aber nicht minder beeindruckt. Das Bild mit dem Wal ist aus dem Internet, aber in etwa so ist es gewesen - très cool, n'est-ce pas?

 

Auch am kommenden Tag scheint wieder die Sonne. Wir umfahren die Insel bei Sonnenschein und geniessen den Lookout auf die beiden Buchten - Baie d'Opunohu und Baie de Cook. Den Nachmittag verbringen wir im Lagoonarium von Moorea, einem Motu (Insel auf dem Atollring) welches einen 'Korallenschnorchelweg' eingerichtet hat. Wir sehen Riffhaie, Rochen und viele andere Fische.

 

Aline, unsere liebenswürdige Vermieterin sagt uns zum Abschied: zweimal darf es nicht sein, es muss immer noch ein drittes Mal geben (äusserst freie Übersetzung eines französischen Sprichwortes).

Paris - Tahiti: 24-stündiger Flug und damit weniger lang als wir dachten. On verra!



 

 


Rapa Nui - Osterinsel

'iorana Rapa Nui - hier hin wollten wir!!!

 

... und vorweg: wir werden nicht enttäuscht - welch eine Insel! Flächenmässig etwas kleiner als der Bezirk Hinwil, aber wegen den Moai weltweit bekannt!

 

Wir landen nach einem sechsstündigen Flug nicht nur auf der längsten und breitesten Piste Südamerikas, sondern gleichzeitig auch am abgelegensten Ort der Welt. Kein anderer Ort ist weiter von der nächsten Siedlung entfernt als Rapa Nui. Das erste Passagierflugzeug landete 1967 auf der Insel und auch heute landet hier im Schnitt nur ein Flugzeug pro Tag. Die Piste von Rapa Nui hat deshalb solche Dimensionen, weil die NASA sie als Ausweichlandeplatz für das Spaceshuttle ausgebaut hat.

 

Am Flughafen werden wir vom Eigentümer unseres B&B's abgeholt. Dass wir uns nun geografisch in der Südsee befinden, erkennen wir a) an den Temperaturen und b) am Lei (Blumenkette) welcher uns zur Begrüssung um den Hals gehängt wird.

 

Unser B&B liegt etwas ausserhalb des Hauptortes Hanga Roa mit Blick auf das rauhe Meer und wird für die nächsten fünf Tage unser Zuhause. Gleich gegenüber hat es einen Kinderspielplatz den Nessina und Maiara abwechslungsweise mit Kühen oder Pferden teilen müssen. Die erste Nacht ist sehr stürmisch, die kommenden Tage zeigt sich dann aber die Sonne. Wir mieten einen kleinen Suzuki Jimmy (wir verzichten an dieser Stelle auf ein Foto) und umfahren die Insel.

 

Wir sind uns einig - wäre die Osterinsel ein Cocktail, so müsste die Rezeptur wohl wie folgt lauten:

2 cl Südsee

2 cl Schottland

2 Prisen vulkanisches Gestein

3000 vornehmliche dunkelbraune Pferde

aufgefüllt mit Meerwasser in allen erdenklichen Blautönen

... gut geschüttelt, dekoriert mit ein paar Moai! Cheers!

 

Die Moai faszinieren uns. Die Fotos mit den Moai sind ja berühmt und man hofft, dass man nicht enttäuscht sein wird, wenn man dann tatsächlich vor diesen Steinmännern steht. Wir sind nicht enttäuscht. Wir sind überwältigt! Besonders angetan haben es uns die fünfzehn Moai in Tongariki. Sie besuchen wir jeden Tag mindestens einmal und bewundern die Stätte zu jeder Tageszeit, selbst zum Sonnenaufgang fahren wir in das ca. 25 Minuten entfernte Tongariki.

 

Schön sind aber auch die Moai am einzigen Sandstrand der Insel, in Anakena. Es ist ein wunderschöner Strand und das Wasser ist einmal mehr tiefblau. Viele Leute baden, aber irgendwie scheint es uns für ein Bad doch ein wenig zu kühl zu sein.

 

Besonders faszinierend ist die 'Moai-Fabrik'. In Rano Raraku wurden die Moai horizontal aus den Felsen gehauen und anschliessend in ein Erdloch am Fusse des Hügels gezogen. Auf diese Weise konnte die Steinfigur aufgerichtet und anschliessend am Rücken bearbeitet werden. Heute sieht man nur noch die Steinköpfe aus der Erde ragen; der Rest des Körpers ist unter der Erde. Der Kopf nimmt etwa einen Drittel der Gesamtgrösse eines Moai ein. Diese Moai wurden nie an ihre Bestimmungsorte gebracht. Man nimmt an, dass die Herstellung der Moai von einem Tag auf den anderen gestoppt wurde.

 

Neben den Moai hat die Insel aber weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Besonders der Krater Rano Kau sticht ins Auge, denn in seiner Caldera hat sich ein richtiges Biotop entwickelt.

 

Am dritten Tag erklimmen wir den Hausberg, den 507 m hohen Maunga Terevaka. Besonders Maiara freut sich auf die Wanderung: 'fascht wie uf de Bachtel ufe!'. Ein bisschen weniger steil, aber durchaus vergleichbar. Oben angekommen haben wir eine sensationelle Rundumsicht über die Insel und am Horizont ist sogar die Erdkrümmung von Auge zu erkennen. Das mitgebrachte Picknick schmeckt himmlisch.

 

Wir sind zu richtigen Osterinselfans mutiert. Die Menschen sind 'very easy going', landschaftlich ein Traum und von den Touristenströmen noch weitgehend verschont. Der sauteure Flug hier hin hat sich mehr als nur einmal ausgezahlt.

 

'iorana

 

Weitere Infos siehe Kids Qizz#7!

 

 

 

 

 

 


Santiago de Chile & Umgebung

Wir fliegen rund zwei Stunden den Anden entlang Richtung Süden. Der Flug ist einmal mehr herrlich... wir fliegen entlang der Salar de Atacama und sehen nun noch alles aus der Vogelperspektive - ein wirklich schöner Teil Chiles!

 

In Santiago gelandet, nehmen wir unser neues Mietauto entgegen und fahren direkt an die Pazifikküste, nach Valparaiso. Valparaiso zählt knapp 300'000 Einwohner und ist die bedeutendste Hafenstadt des Landes. Unser B&B liegt in Playa Ancha, einer der vielen Cerros (Hügeln) die das Stadtbild prägen. Um auf die einzelnen Cerros hinaufzugelangen, gibt es in der Stadt für Fussgänger mehrere 'Polybähnlis'.

 

Besonders fallen die unzähligen Grafittis auf. Kaum eine Hauswand ohne ein - einmal mehr, einmal weniger talentiertes - Grafitti. Der Baumarkt von Valparaiso muss ein riesiges Farbsortiment haben.

 

Wir machen eine Hafenrundfahrt und haben so einen schönen Blick auf die Stadt. Auffallend ist besonders ein Gebäude: Obwohl Santiago die Hauptstadt ist, befindet sich der Kongress hier in Valparaiso.

 

Nach drei Tagen ziehen wir weiter in das berühmte Rotweingebiet rund um Santa Cruz, welches südlich von Santiago liegt. Wir übernachten auf einem Weingut und geniessen die Ruhe nach Valparaiso. Das Gebiet um Santa Cruz erinnert uns sehr stark ans Tessin. Die Apfelbäume blühen gerade und die Reben treiben ihre ersten Ranken. Wir besuchen das Weingut Viu Manent und machen eine kleine Weintour mit anschliessender Degustation. Das Highlight für Nessina und Maiara ist, dass sie bei der Kutschenfahrt beim Kutscher sitzen dürfen und dass es auf dem Hof gleich fünf junge Welpen gibt. Unser Highlight war der Viu Manent Carménère, cheers.

 

Die letzten drei Chile-Festland-Tage verbringen wir nun in Santiago. Wir flanieren durch die Fussgängerzone, sehen die Stadt vom Cerro San Cristobal aus und besuchen das Museo Interactivo Mirador - das chilenische Pendant zu unserem Technorama.

 

Rückblickend hätten wir hier nicht so viel Zeit verbringen müssen, denn uns allen hat der Norden eigentlich besser gefallen. Für eine Fahrt Richtung Patagonien reichte die Zeit dann doch nicht, zudem ist es dort immernoch sehr kalt. Patagonien wird eine Reise für sich. 

 



San Pedro de Atacama

Mit unserem Pickup fahren wir von Calama in das rund 100 Kilometer entfernte San Pedro de Atacama. Wir kaufen uns ein Souvenir-Schild 'Atacama Desert - Driest Place on Earth'.

 

San Pedro ist aber nicht ganz so trocken, denn es ist eine Oase und zählt fast 2000 Einwohner und gaaaanz viele Touristen. Das Städtchen gefällt uns sehr. Der grösste Teil ist Fussgängerzone mit vielen Tour-& Souvenirshops; es herrscht eine friedliche 'Hang Loose'-Stimmung. San Pedro wird für die kommenden Tage unsere Homebase sein.

 

Wir besuchen die Lagunen Miscanti und Miñique auf fast 4000 müM. Beide Lagunen sind sehr schön und ziemlich abgelegen. Auf der Fahrt dorthin kommen gleich zwei Füchse gefährlich nah ans Auto. Die Dame beim Parkeinlass meint zwar, dass nur der Hunger die Füchse so nah ans Auto kommen lasse und nicht etwa die Tollwut. Wir glauben das mal so, sind aber auf der Hut.

 

Auch in der Salar de Atacama selber hat es einige Lagunen. In der Lagune Cejar nehmen wir ein Bad - beziehungsweise lassen uns treiben. Der Salzgehalt der Lagune Cejar ist höher als derjenige des Toten Meeres; > 30%. Nessina und Maiara brennt das salzige Wasser so sehr an den Beinen, dass sie sich nur ganz kurz treiben lassen. Der Eintritt ist horrend - 21 Franken für eine erwachsene Person und drei Franken für ein Kind. Dafür ist die Infrastruktur top - Duschen und Umkleidekabinen sind sehr sauber. Wir haben zudem Glück, denn als wir die beinahe menschenleere Lagune verlassen, kommen gleich ein halbes Dutzend Tourbusse angerollt.

 

In der Lagune Chaxa - mit ihren rosa Flamingos - geniessen wir den Sonnenuntergang. Kurz nachdem die Sonne untergangen ist, lässt der Wind nach und die Flamingos fliegen über unsere Köpfe hinweg zu ihren Nistplätzen. Auch hier - kaum ist die Sonne verschwunden, sind Shorts und Flipflops nicht die geeignete Bekleidung.

 

El Tatio ist das höchst gelegene (>4200 müM) und drittgrösste Geysirfeld der Erde. Damit man die Geysire und heissen Quellen in Aktion sehen würde, müsste man frühmorgens vor Ort sein. Wir nehmen es gemütlich, denn die Fahrt dorthin ist wunderschön. Uns gefällt die vulkanische Landschaft mit mehreren Lagunen so sehr, dass wir immer wieder anhalten um zu fötelen oder für ein Picknick stoppen. Beim Geysirfeld angelangt sehen wir ein paar schwache Rauchschwaden über dem Geysirfeld. Unsere Aufmerksamkeit gilt sowieso eigentlich mehr dem einzig anderen Gefährt auf dem Parkplatz - ein zu einem Wohnmobil umgebauten Lastwagen mit Solothurner Nummer. Wir lernen Mark und Babs kennen. Sie sind seit einem Jahr unterwegs mit Startpunkt Montevideo / Uruguay. Sie wollen noch bis Alaska und nehmen sich dafür zwei weitere Jahre Zeit. Nicht schlecht - dagegen fühlt sich unser Projekt wie verlängerte Sommerferien an. Leider leiden beide an der Höhenkrankheit und ihr Wundertruck hat gerade den Geist aufgegeben - nicht gerade der ideale Ort dafür. Sie können jedoch mit ein paar Einheimischen zurück nach Calama fahren, wo sie einen Automechaniker kennen. Wir hoffen sehr, dass sie bald wieder 'on the road' sein werden.

 

In der Atacama gehört 'Stargazing' einfach dazu - auch wenn es nur noch einige Tage bis zu Vollmond sind und der Nachthimmel hell erleuchtet ist. Wir werden in einer zwanziger Gruppe von einem amerikanischen Astronomen betreut. Durch die beiden Teleskope sehen wir Saturn mit Ring, einen Red Giant, den Orionnebel und vieles mehr. Den Mond können wir dann sogar durch das Teleskop hindurch fotografieren (siehe Bild).

 

Die vier Tage in der Atacamwüste sind viel zu schnell vobei. Eigentlich wollten wir von hier aus noch die beiden Lagunen Blanca & Verde besuchen, welche nur wenige Kilometer hinter der bolivianischen Grenze liegen. Leider war das mit unserem Auto nicht möglich, denn unser Mietauto darf Chile nicht verlassen. Es gäbe  einen Daytrip für 'günstige' USD 700.-. Wir passen. Uns ist klar: hierher kommen wir wieder mal zurück.

 

 

 

 


Calama & Chuquicamata

Nach unserer Monsterfahrt von Uyuni nach Chile, verbringen wir zwei Nächte in Calama. Calama hat touristisch gesehen wenig zu bieten, ausser... Chuquicamata!

 

Chuquicamata liegt mit dem Bus ca. 15 Minuten von Calama entfernt und ist die grösste Tagebau-Mine der Welt. Hier werden täglich über 2000 t Kupfer gewonnen.

 

Wir machen eine Besichtigungstour mit der betreibenden Gesellschaft CODELCO. Beim Besucherzentrum werden wir mit Helm, oranger Weste und einer Gasmaske  ausstaffiert. Wir werden später feststellen, dass wir damit - verglichen mit den Minenarbeitern - leicht 'overdressed' sein weden. Erster Stop unserer Tour ist die Stadt Chuquicamata südlich der Mine. Die Bergarbeitersiedlung wurde 1912 gegründet, musste jedoch 2004 wegen gesundheitsschädigenden Bedingungen geschlossen werden. Alle Arbeiter und ihre Familien wurden nach Calama umgesiedelt, da die Feinstaubbelastung zu hoch war. Wir fahren mit dem Bus durch eine Geisterstadt - vorbei an Schulen, Fussball- und Spielplätzen, Lebensmittelgeschäften, Theater und Kirchen. In der alten Bibliothek lernen wir, wie man Kupfer aus Erz gewinnt. Ganz tief im Hinterkopf meldet sich der 'das hab ich doch irgendwann schon mal gewusst Indikator'. 

 

Anschliessend können wir die Mine besichtigen. Ein gigantisches Loch! Mittlerweile hat der Tagebau eine Länge von über 4 km, 3 km Breite und 1 km Tiefe erreicht. 2018 wird man bei einer Tiefe angelangt sein, die für den Abbau nicht mehr interessant sein wird. Dann wird an anderen Standorten in unmittelbarer Nähe auf Untertagbau umgestellt.


Die Trucks sind riesig und kosten ca. 10 MUSD das Stück. Voll beladen sind sie je nach Modell 320 oder 380 Tonnen schwer. Ein Rad hat den Durchmesser von 4 Metern. Pneuwechsel ca. alle 8 Monate. Ein Pneu kostet 40'000 USD. Dafür könnten wir jeweils im Frühling, statt die Reifen zu wechseln,  ein neues Auto kaufen. Der Tank fasst ca. 5000 Liter Diesel und muss täglich ca. acht Mal gefüllt werden.


Mit der Umstellung auf den Untertagbau wird CODELCO den Automatiserungsgrad erhöhen, wodurch dann praktisch keine Trucks mehr benötigt werden.

 

Bis heute hat Chuquicamata 3 Milliarden Tonnen Kupfer geliefert. Es arbeiten 8000 Menschen in drei Schichten 24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr. Die Beschäftigten arbeiten 7 Tage hintereinander - haben anschliessend aber auch 7 Tage frei.

 

Am Abend nehmen wir unser Mietauto entgegen - es ist auch ein Truck - aber die Räder sind kleiner. Die nächsten Tage werden wir endlich wieder unabhängig von Busfahrplänen sein.

 

 


Uyuni - Salar de Uyuni

Salar de Uyuni - das ist unser eigentliches Reiseziel in Bolivien. Schon oft haben wir zuhause Bilder dieser grössten Salzwüste der Erde bewundert.

 

Nach einer tägigen Busfahrt von Sucre via Potosi - berühmt für ihre Silbervorkommen und höchstgelegene Stadt der Erde - sind wir in Uyuni abends um fünf angekommen. Die Flipflops müssen wir leider wieder gegen Trekkingschuhe eintauschen - wir sind auf über 3600 müM. Unser Hotel befindet sich in Colchani - 40 Kilometer von Uyuni entfernt. Wir haben uns dem Anlass entsprechend ein 'Salzhotel' ausgesucht und sind begeistert. Alles ist aus Salz: Tische, Stühle, Wände, Böden - ja selbst die Betten. Das Hotel liegt am Rande der grossen Salzwüste.

 

Am folgenden Tag machen wir eine private Tour in die mit 10'000 Quadratkilometern grösste Salzwüste. Welch ein Erlebnis. Wir fahren querfeldein über die grosse Salzebene, vorbei an den 'Ojos del Sal' und sehen wie Salzblöcke für den Häuserbau gewonnen werden. Links uns rechts unseres 4x4 Toyota-SUV's nichts als Salz - soweit das Auge reicht. Nur selber fahren wäre noch schöner.


Ein Highlight ist die Fahrt zur 'Isla Icahuasi'. Icahuasi (Haus des Inka) ist mit vielen grossen Kakteen bewachsen und sieht wirklich wie eine Insel aus. Sie war einst eine Korallenbank  und besteht heute aus versteinerten Korallen. Wir besteigen die Insel und haben zuoberst einen Spot für ein 360°- Panorama-Föteli gefunden.

 

Danach geht es zu einem guten Fotospot für die berühmten Uyuni-Bilder. Auch wir kommen in einen Fotorausch und 'pröblen' mit verschiedenen Motiven. Das macht richtig Spass!

 

Unser Guide zeigt uns, wie man Salzkristalle bei einem Salzauge unter Wasser gewinnen kann. Dies begeistert vor allem Nessina und Maiara.

 

Zum Abschluss unserer Tour geniessen wir noch den Sonnenuntergang in der Wüste. What a day!

 



Sucre

Wir fliegen für 50 Franken pro Person von La Paz nach Sucre. Dies erspart uns eine 12-stündige Busfahrt in die offizielle Hauptstadt Boliviens. Sucre liegt auf 'nur' 2850 müM und wir können seit langer Zeit wieder mal Flipflops tragen. Hier ist es merklich milder als auf dem Altiplano.

 

Sucre - nicht Zucker - sondern benannt nach dem General Sucre. Sie wird auch 'die weisse Stadt' genannt. 


Die Kolonialbauten sind wirklich alle in weiss gehalten und die Stadt lässt uns aufatmen. Mittelpunkt der Stadt ist der Plaza 25 de Mayo, nur einen Block von unserem Hotel entfernt. Wir geniessen die Atmosphäre in den zahlreichen Cafés. Sucre ist berühmt für seine Schokoladenproduktion, das müssen wir natürlich testen und befinden, dass die Schokolade wirklich nicht schlecht ist.

 

Den Abend lassen wir auf einer Aussichtsterrasse oberhalb Sucres mit einem Bier und Mineralwasser ausklingen. Der Abstecher nach Sucre hat sich gelohnt - nur schon den Flipflops wegen.

 




La Paz

Die Busfahrt nach La Paz entlang des Titicacasees ist sehr schön und der Grenzübergang ist problemlos und geht zügig vonstatten; wir sind positiv überrascht.

 

La Paz liegt auf 3600 müM und ist der höchstgelegene Regierungssitz - aber nicht Hauptstadt - der Erde. La Paz gefällt uns gar nicht; vielleicht auch,  weil wir nicht viel Gutes darüber gelesen haben.

 

Daher verbringen wir den einzigen Tag in La Paz auf dem Lande (Altiplano) und besuchen die Geburtsstätte der Andenhochkulturen, 'Tiwanaku'. Dies ist zugleich auch die grösste und wichtigste archäologische Ausgrabungsstätte Boliviens und ist über 3000 Jahre alt.

 

Die Anlage besteht aus vielen verschiedenen Tempelanlagen und wir staunen über die astronomischen Kenntnisse der Tiwanaku. Das Sonnentor ist etwa drei Meter hoch und fast vier Meter breit und wurde aus einem einzigen Stein gearbeitet. Ein einziger Stein, bis er von einem Blitz getroffen wurde und nun aus zwei Teilen besteht.

 

Wie so oft hören wir, dass die Spanier das historische Gelände geplündert und zerstört haben. Aber auch die Einheimischen haben den Wert und die Bedeutung dieses Areals nicht erkannt, denn bis ins 20. Jahrhundert wurde es als Quelle für Baumaterial benutzt. Seit dem Jahr 2000 gehört es nun aber zum  Weltkulturerbe und wird dementsprechend geschützt und gepflegt.

 

Wir fahren zurück nach La Paz und essen in unserem Hotel zu Abend. Am nächsten Tag geht es weiter nach Sucre.




Puno & Titicacasee

'Der Titicacasee ist das höchstgelegene Gewässer mit kommerziellem Schiffsbetrieb und der grösste Binnensee Südamerikas. Die Uros sind ein Volk, welches auf schwimmenden Schilfinseln und in Schilfhäusern leben'. So oft während den Geografiestunden erzählt und daher ein weiterer Punkt auf unserer Bucket List.

 

Wir erreichen Puno nach einer siebenstündigen Busfahrt von Cuzco aus. Es ist eine traumhaft schöne Fahrt. Die Landschaft erinnert uns an ein trockenes Engadin - im Talboden auch ein breiter Gebirgsfluss wie der Inn.

 

Puno ist nicht so hübsch wie Cuzco oder Arequipa - aber die Landschaft macht alles wieder wett. Unser Hotel liegt auf einem Hügel ausserhalb von Puno. Die Aussicht ist fantastisch und der Sonnenuntergang einmalig. Wir befinden uns auf über 3800 müM.

 

Am folgenden Tag besuchen wir die Uros. Sie leben mittlerweile wohl zu 100% vom Tourismus und das merkt man leider auch. Wir werden auf der Insel empfangen und wir erhalten einen Vortrag über das Leben der Uros und wie die schwimmenden Inseln gebaut werden. Wir erfahren, dass 'Titi' Puma und 'kaka' grau heisst. Dreht man die Landkarte um, so kann man die Umrisse eines Pumas erkennen.

 

Derzeit leben etwa 2000 Menschen auf fast 50 Inseln. Die Bauzeit für eine neue Insel dauert etwa 15 Monate. Interessant, aber alles hat bedauerlicherweise einen Merchandising-Beigeschmack. Nach zwei Stunden haben wir genug und kehren zurück nach Puno. Die Schiffsfahrt geht durch einen Schilfkanal, was wirklich schön ist. Leider ist der See nicht sehr sauber und wenn man Titicacasee googelt, stolpert man schon beim zweiten Eintrag über 'Drecksloch in den Anden' und 'Massensterben: Dem Titicacasee droht der Tod'. Wir können das gut nachvollziehen.

 

Nichtsdestotrotz ist der See aus der Ferne betrachtet atemberaubend schön und wird auch weiterhin im Geografieunterricht erwähnt werden - nur etwas differenzierter.

 




Machu Picchu

Machu Picchu. Eigentlich sollte hier ein leerer Blog folgen, denn diese Inkastätte macht einen wirklich sprachlos - welch ein magischer Ort!

Aber der Reihe nach: von Cuzco werden wir mit dem Taxi nach Ollantaytambo chauffiert. Unterwegs besichtigten wir zwei verschiedene Inkastätten. Um halb zwei fährt dann unser Zug der Perurail Company von Ollantaytambo nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt für die Besichtigung von Machu Picchu. Bereits am Bahnhof in Ollantaytambo wird uns geraten, uns mit Mückenspray einzudecken. Da drei unserer vier Gepäckstücke im Hotel in Cuzco zwischengelagert sind, ist natürlich auch das heiss geliebte Antibrumm nicht mit uns mitgereist - was wir später noch bitter bereuen werden. Die Fahrt nach Aguas Calientes ist wunderschön und abwechslungsreich: alte Inkaruinen, Berge mit Gletscherkappen bis hin zur Dschungellandschaft in Aguas Calientes. So haben wir es nicht erwartet: relatives feutchtes Regenwaldklima mit viel zu vielen Moskitos. In kürzester Zeit sind wir trotz Mückenschutz (aber eben nicht Antibrumm!) verstochen - 14 Stiche pro Arm lassen sich locker zählen.

 

Wir besorgen uns Tickets für den Bus nach Machu Picchu am kommenden Morgen. Früh aufstehen soll sich lohnen - daher stellen wir den Wecker auf vier Uhr morgens. Um fünf Uhr sind wir beim Bus - aber nicht alleine. Also reihen wir uns in die über hundert Meter lange Schlage ein. Um halb sechs fährt der erste Bus Richtung Machu Picchu. Eigentlich wollen wir den Sonnenaufgang um 6.45 Uhr sehen - ob wir das schaffen werden? Die Schlange bewegte sich schneller vorwärts als wir erwartet haben, und so sind wir nach ein paar haarsträubenden Kurven um 6.45 h vor dem Eingangstor zu Machu Picchu. Sofort begeben wir uns zu DEM zuvor gegoogelten Fotospot. Früh aufstehen hat sich wirklich gelohnt - welch ein Anblick! Es ist genau so, wie die Bilder die man aus Büchern und dem Internet kennt. Wir sind platt - WOW!!! Wir verbringen Stunden an 'unserem Spot' (s. unteres Bild) und werden nicht müde, die Ruinenstadt anzuschauen. Erst kurz bevor der Park wieder seine Tore um 5 Uhr abends schliesst, verlassen wir das Gelände - für uns ganz klar DAS HIGHLIGHT von Peru!

 

Tags darauf fahren wir mit der Perurail und dem Taxi wieder zurück nach Cuzco. Während der Zugfahrt erspähen wir sogar noch zwei Kondore in der Luft.

 

P.S. Die wichtigsten Facts zusammengefasst zu Machu Picchu findet ihr im Kidscorner unter Qizz#5.



Cuzco

Wir fliegen von Arequipa nach Cuzco. Der Flug dauert nur 40 Minuten und wir fliegen genau über die Colca-Schlucht, welche wir einige Tage zuvor besucht haben.

 

Cuzco liegt auf über 3400 müM und hat etwa gleich viele Einwohner wie Zürich. Die Temperaturen sind erstaunlich mild, tagsüber wird es immer noch über 20 Grad.

 

Cuzco gilt als das Zentrum des Inkareiches. Die Stadt soll demnach vom ersten Inka Manco Cápac, dem Sohn der Sonne, und seiner Schwester gegründet worden sein. Das Quechua-Worrt 'Qusqu' bedeutet demnach auch 'Nabel der Welt'. Leider zerstörten die spanischen Eroberer viele Inkabauten, aber einige Ruinen können heute noch besichtigt werden.

 

Am ersten Tag besuchen wir die 'Plaza de Armas'. Rund um diesen viereckigen Park herum hat es eine Kathedrale, Kirchen und viele Reihenhäuser aus der Kolonialzeit. In der Mitte des Parks steht eine riesige Goldstatue von Manco Cápac, dem Gründer des Inkareichs. Wir nehmen es gemütlich, denn wir merken die zusätzlichen tausend Höhenmeter doch ein bisschen; Kopfschmerzen machen sich bemerkbar.

 

Am zweiten Tag sind die Kopfschmerzen verschwunden und wir machen eine kleine Tour zu den Ruinen alter Inkabauten. Wir haben Glück und der Taxichauffeur outet sich auch gleich als Tourguide. Wir geniessen den Sonnenuntergang mit Blick auf Cuzco von der Ruinenfestung Sacsayhuamán aus.

 

Cuzco gefällt uns sehr, merken aber auch, dass hier alles ein bisschen teurer geworden ist. Cuzco ist und bleibt Ausgangspunkt für all die Reisenden, die Machu Picchu besuchen - so auch für uns.

 




Cañon de Colca

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Arequipa machen wir eine Tour zum Cañon de Colca. Um 02:00 h stehen wir auf. Unser Backpacker-Frühstück: Schwedenbrötchen und Snickers. Ist schon einige Dekaden her, aber schmeckt immer noch. Um drei Uhr werden wir beim Hotel abgeholt. Die Fahrt führt uns in der Dämmerung über eine Hochebene - die Pampa Cañahuas - und einen Pass auf 4910 m. Eine unglaublich schöne Landschaft - wir sind in den Anden angekommen! 

Ein rechtes Frühstück gibt es dann morgens um sechs Uhr in einem kleinen Dorf im Colcatal. Der Kaffee und der Quinoa-Smoothie schmecken ausgezeichnet. Ein kleiner Junge steht mit seinem Alpaka bereits neben dem Touribus und verdient einen Soles für ein Bild. Wir hoffen, dass er dann später am Morgen doch noch in die Schule geht. Das Colcatal besticht durch seine Terrassenlandschaft, leider werden 70% der Terrassen heute nicht mehr genutzt.

Gegen acht Uhr sind wir am 'Cruz del Condor' und sehen schon bei der Anfahrt die Kondore ihre Runden ziehen. Im September liege die Wahrscheinlichkeit Kondore zu sehen bei 90%. Heute liegt also innerhalb einer Standardabweichung.

Etwas später beobachten wir Kondore, die nur wenige Meter von uns entfernt auf einem Felsvorsprung sitzen! Wohlgemerkt, wir sind in der freien Natur und nicht im Zoo. Selbst die vogelkritischen Reisemitglieder bewundern die Flugkünste der riesigen Tiere. Mit einer Flügelspannweite von über drei Metern und einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm gehören sie zu den grössten Flugtieren der Erde.

 

Wir fahren auf der gleichen Route wieder zurück und halten diesmal auf der Passhöhe und der  angrenzenden Hochebene, wo wir Alpakas sehen. Vier Stunden später und 200 km weiter, sind wir gegen fünf Uhr abends wieder zurück in Arequipa.

 

 


Arequipa

Arequipa ist mit einer Million Einwohnern die zweitgrösste Stadt Perus und unser Tor zum Colca Cañon. Wir sind aber primär hier, um uns für die kommenden Reiseziele auf über 3000 müM anzuklimatisieren. Die Kolonialstadt liegt auf 2300 müM und gefällt uns sehr. Enge Gassen und sehr viele hübsche Restaurants und Cafés. Wir geniessen die vier Tage hier und richten unser Büro- und Schulzimmer auf der Dachterrasse unseres Hotels ein. Von hier haben wir einen herrlichen Rundblick über die Stadt und das umliegende Gebiet. Der 5822 m hohe 'Hausvulkan' MISTI mit seiner Schneekappe sticht dabei besonders ins Auge.

 

Das eigentliche Highlight von Arequipa ist aber die 'Stadt in der Stadt' - das Kloster Santa Catalina. Das Kloster wurde 1579 gegründet und war ursprüglich den reichen peruanischen Familien vorenthalten. Die Tradition jener Zeit sah vor, dass für die erste Tochter eine Heirat arrangiert wurde, eine zweite Tochter jedoch ins Kloster eintreten sollte. Damit eine junge Frau aufgenommen wurde, musste die Familie eine Mitgift von 2400 Silbermünzen (10'000 USD) einbringen. Dafür erhielt die Tochter ein eigenes Haus mit Schlafzimmer, eventuell Aufenthaltsraum, Küche und eine Bedienstete, die sich um die alltäglichen Dinge kümmerte. Die Nonnen beteten, sangen, spielten Piano oder nähten Kleider für die christlichen Statuen. Zeitweise lebten 150 Nonnen und 300 Bedienstete in diesen Gemäuern.

 

1871 wurde diese Wohnform aufgehoben und die Dienstboten und Sklavinnen erhielten die Freiheit. Dies hatte natürlich zur Folge, dass alle anstehenden Arbeiten fortan durch die Nonnen selber erledigt werden mussten. Der Eintritt ins Kloster war von da an aber unentgeltlich und für alle Schichten möglich. Heute leben noch rund 20 Nonnen im Kloster, jedoch auf die heute übliche Art und Weise.

 

Die einzelnen Häuser dieses Klosters sind entlang mehrerer Gassen, die alle nach spanischen Städten benannt sind, gebaut. Da der hier übliche weisse Stein zu sehr blendet, sind die Wände in schönem terracottarot und leuchtendem blau gehalten. Die gesamte Anlage erstreckt sich auf über 20'000 Quadratmeter. Im gepflegten Klostergarten sehen wir zum ersten Mal einen Avocadobaum und staunen ob seiner Grösse.



Nazca-Linien & Cahuachi

Soviel vorn weg ;-): die Nazca-Linien wurden nicht von Ausserirdischen erschaffen, sondern sind das Vermächtnis der Nazca-Indianer, welche vor rund zweieinhalbtausend Jahren diese Gegend bewohnten. Die grosse Bewunderung der hier lebenden Menschen gilt daher auch nicht Erich von Däniken, sondern der deutschen Mathematikerin und Astronomin Maria Reiche. 1941 sah Maria Reiche die Linien, welche mit dem Aufkommen der zivilen Luftfahrt erst 1924 von Passagieren entdeckt wurden, ein erstes Mal. Die Linien beschäftigten sie fortan bis zu ihrem Lebensende 1998; selbst mit 95 Jahren gab sie sich noch dem Studium der Linien hin. Maria Reiche putzte alle Linien mit dem Besen vom Wüstenlack, denn erst dann kam der Farbkontrast zum umliegenden Gelände zum Vorschein. In ihrem Leben hat sie 50 Figuren und 1000 Linien geputzt, vermessen und kartographiert. Wir spüren die Liebe von Maria Reiche zu diesen Linien im ihr gewidmeten Museum.

 

Obwohl man die bekannten Figuren nur vom Flugzeug aus erkennen kann, entscheiden wir uns gegen einen Flug. Wir sehen die Linien dafür aus der Nähe, was auch sehr eindrücklich ist. Die Linien sind lediglich einige Zentimeter tief. Daher wurden sie beim Bau der Panamericana auch nicht erkannt und einige der Figuren wurden zerstört. Gleich neben dem Highway können wir von einem Lookout die Scharrbilder 'Hands' und 'Tree' sehen.

 

Am Nachmittag besuchen wir ein kulturelles Zentrum der Nazca-Kultur, welches nur über eine 20 Kilometer lange Schotterstrasse durch die Wüste zu erreichen ist. Erst eine der rund 40 Stufenpyramiden wurde bis anhin freigelegt. Wir erreichen die Kultstätte kurz vor Sonnenuntergang und sind überwältigt von der Szenerie. Welch ein Schatz muss sich noch unter dem Wüstenboden verbergen? Man weiss schon jetzt, dass es sich um eine der grössten präkolumbianischen Zeremonialstätten überhaupt handelt. Wir sind überzeugt, dass dies ein zweites Machu Picchu werden könnte mit dem Prädikat 'allein schon ein Grund Peru zu besuchen'. Wir sind praktisch die einzigen Besucher und weitere Ausgrabungsorte können wir auch nicht erkennen. Es scheint leider kein Geld für diese Ausgrabungen vorhanden zu sein.

 

Die Rückfahrt durch die stockdunkle Wüste, vorbei an vom Mond weiss beleuchteten Knochen ist etwas speziell, aber der Guide kennt die Wüste wirklich wie seine Westentasche. Gegen acht Uhr abends sind wir zurück in Nazca und um 23 Uhr besteigen wir den Nachtbus nach Arequipa.

 

 

 

 

 

 

 


Ica & Huacachina

Huacachina - eine kleine Oase westlich von Ica. Ihr Name setzt sich aus den beiden Quechua-Wörtern huaca "heiliger Ort" und china "Frau" zusammen. Einer der Legenden nach verwandelten Inkagötter die Tränen einer jungen Frau in diese Lagune.

 

Die Oase ist umgeben von hohen Sanddünen und war einst eine Wellnessoase. Heute ist sie primär Ausgangspunkt für Touren in die Dünen und Sandboarding; so auch für uns.

 

Unsere Tour startet erst am späten Nachmittag, tagsüber ist es schlicht zu heiss und so  besichtigen wir die Oase bevor es losgeht. Im Ort - natürlich ganz auf Tourismus ausgelegt - leben nur wenige hundert Leute. Die kleine Lagune ist gesäumt von Hotels, Restaurants und Hostels und dementsprechend sehr belebt. Sie hatte sicher einmal viel Charme.


Die Sandbuggy Tour startet und zuerst geht es ein paar hundert Meter bergauf auf ein Plateau. Wir waren noch nicht in der Sahara - aber so muss es wohl sein. Wow! Die Dünenlandschaft haut uns schlichtweg aus den Socken. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden und ist Rollercoaster pur - Spass ohne Ende. Zwischendurch noch Sandboarden - stehend oder liegend wie auf dem Skeleton - und der Nachmittag ist perfekt. 


Krönender Abschluss ist der Sonnenuntergang in den Dünen.




Paracas, Islas Ballestas

... wir fahren mit dem Bus weiter Richtung Süden und leisten uns dafür einen 'Touri-Bus'.  Paracas ist unser Ziel - 270 km südlich von Lima. Schon das Check-In mit den Sicherheitskontrollen erinnert stark an einen Linienflug, einizg die Videoaufnahmen jedes Reisenden irritieren etwas, verleihen aber gleichzeitig ein sicheres Gefühl. Nessina und Maiara halten die Videoaufnahmen zwar eher für ein Casting.

 

Die Fahrt geht durch knochentrockenes Gebiet und nach vier Stunden sind wir schon da. Dabei hätten wir es locker noch zwei weitere Stunden im Bus ausgehalten. Sitze wie in der Businessclass 'at its best'. Die Gegend mit der Bucht um Paracas erinnert uns etwas an das rote Meer.

 

Paracas ist berühmt für seine vorgelagerten Inseln. Die Islas Ballestas gelten im Volksmund als 'Galapagos des armen Mannes'. Alle, die je die Galapagosinseln besucht haben, kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus; ein Besuch der Inseln hätte allerdings unser Reisebudget gesprengt. Morgens um 8 Uhr legt unser Boot ab. Auf dem Weg aus der Bucht Richtung 'Budget Galapagos' passieren wir den 'Candelabro de Paracas', ein Scharrbild, ähnlich denen in Nazca. Das gibt es auf den Galapagos schon mal nicht zu sehen.

 

Wir sind bei den Ballestas angelangt und beeindruckt von den schönen Felsformationen, dutzenden von Grotten und natürlichen Brücken. Natürlich treffen wir Vögel, Vögel und nochmals Vögel - Kormorane (rund eine halbe Million an einem Hang - siehe dunkle linke Flanke auf dem untersten Bild), Möven und Pinguine. Hier wird eine Menge Guano produziert; daher empfiehlt sich ein Hut, wegen 'Kacka, Kacka' meint der Hutverkäufer am Pier. 'Kacka' scheint ein universeller Begriff zu sein.

 

Unsere Stars sind aber die Seelöwen. Sie sonnen sich auf den Felsvorsprüngen oder schauen beim Schwimmen immer mal wieder neugierig aus dem Wasser heraus. Als krönender Abschluss begleitet uns ein Delfin zurück in die Bucht mit dem Hafen. Nessina erinnert uns daran, dass sie noch nie in ihrem Leben einen lebenden Delfin gesehen hat; welch ein Erlebnis für ein Kind aus der 'Post-Delfin-Kinderzoo-Ära'!

 

Die Galapagos bleiben einmalig und sind sicher einmal eine Reise wert. Die Ballestas haben uns sehr gut gefallen und gehören für uns nun zu den 'do not miss' in Peru.

 



Lima

Viereinhalb Stunden Flugzeit und wir betreten zum ersten Mal in unserem Leben südamerikanischen Boden; damit fehlt in unserem Curriculum Vitae eigentlich nur noch die Antarktis.

 

Bereits vom Flugzeug aus sehen wir, dass die Zeit der grünen Dschungellandschaft vorbei ist, alles scheint sehr trocken zu sein. Vereinzelt sehen wir verschneite Bergkappen.

 

Lima - ein heisses Pflaster, so haben wir gelesen. Wir sind daher etwas auf der Hut. Unser Hotel liegt in Miraflores, einer der sicheren Gegenden Limas. Auf der Stadtrundfahrt meint der Fremdenführer dann beinahe stolz, dass Lima 'nur' an vierter Stelle aller südamerikanischen Städte bezüglich Kriminalität stünde; welch eine Beruhigung.

 

Während der Stadtrundfahrt erkennen wir, dass Lima auch seine schönen Seiten hat. Der Parque del Amor, die Plaza Mayor mit seinen maisgelben Gebäuden, der Präsidentenpalast und die Altstadt sind gut gepflegt und gehören zum UNESCO-Welterbe. Die Bibliothek der Klosterkirche Iglesia de San Francisco sieht wie eine Filmkulisse zu Harry Potter aus; einzig die Katakomben unterhalb der Kirche mit den unzähligen Gebeinen sind für die beiden Mädels etwas grenzwertig.


Lima ist mit fast 9 Mio. Einwohner und einer Fläche wie die der Kantone Zürich und Schwyz zusammen keine kleine Stadt mehr. Wir haben zwar nur einen Bruchteil davon gesehen und Lima bleibt uns in besserer Erinnerung als erwartet, aber für uns reicht ein Tag. 


Wir freuen uns auf die nächsten Stationen weiter südlich.



Panama Canal Half Transit

Am Vormittag fahren wir mit dem Bus bis nach Gamboa am Gatúnsee und wechseln dort auf das Touristenschiff Pacific Queen. Der Panamakanal kann freitags und samstags partiell durchfahren werden. Eine ganze Durchfahrt ist für Touristen nur einmal im Monat möglich und dauert 8 bis 9 Stunden.

 

Wir erwischen einen strahlenden Tag; selbst ein Krokodil sonnt sich am Ufer des Gatúnsees. Bis zur ersten Schleuse dauert es ca. 1 Stunde. Wir werden am heutigen Tag drei Schleusen passieren. Da der Stausee 26 Meter über dem Meeresspiegel liegt, reduziert sich der Höhenunterschied bei jeder Schleuse um ca. 9 Meter. Wir passieren die drei Schleusen jeweils zusammen mit dem Containerschiff 'Mare Tracer'. Sie ist 190m lang und 32m breit. Da eine Schleuse 305m lang und 33.5m breit ist, passen wir da auch noch rein.

 

Der Panamakanal prägt eine Schiffsklasse - die Panamax - mit welcher bis zu 5000 Container transportiert werden können. 5000 LKW's für eine Schiffsladung. Mit einer Maximalabmessung von 294.3m Länge, 32.3m Breite und 12.03m Tiefgang passt ein Schiff dieser Klasse satt in eine Schleuse.

 

Pro Hebungs- bzw. Senkungsvorgang werden durchschnittlich 100'000 Kubikmeter Wasser benötigt und das sechs mal bei einer kompletten Durchquerung. Dieses Wasser wird von den Flüssen, die den Gatúnsee speisen, bezogen. Der Panamakanal kommt ganz ohne Pumpen aus. Alle grösseren Schiffe werden links uns rechts mit Zahnradlokomotiven - sogenannten 'Mulis' - in die Schleusen geschleppt und stabilisiert. Die Pacific Queen gehört zu den kleinen Boten und muss nicht angeseilt werden.

 

Sind die beiden 800 Tonnen schweren Tore einmal geschlossen, wird das Wasser abgelassen und das Schiff senkt sich. Hat man das Niveau des unteren Wasserspiegels nach ungefähr 10 Minuten erreicht, werden die 20 Meter breiten und 2 Meter dicken Schleusentore geöffnet und die Schleuse kann verlassen werden. Die gesamte Anlage ist immernoch im Originalzustand; d.h. wie bei der ersten Durchfahrt am 15. August 1914.

 

Die Durchfahrt durch die Doppelschleuse bei Miraflores ist besonders eindrücklich. Da bei der letzten Schleuse ganz viele Süsswasserfische ins salzige Meereswasser gespült werden und verenden, warten duzende Pelikane und andere Meeresvögel auf das immer wieder neu angerichtete Sushi-Buffet.

 

Um halb fünf haben wir alle drei Schleusen durchfahren und das Gefühl etwas wirklich einmaliges erlebt zu haben - nicht umsonst wird der Panamakanal das achte Weltwunder genannt.

 



Panama Canal Railway Company

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Colón, zur Hafenstadt am anderen Ende des Panamakanals. Mit 250'000 Einwohnern ist Colón viel kleiner als Panama City. Die Stadt gilt nicht als sicher, daher nehmen wir von der Busendstation gleich ein Taxi zum Bahnhof. Um 17.15 Uhr verlässt der Zug den Bahnhof von Colón Richtung Panama City. Es gibt in ganz Panama nur diese eine knapp 80 Kilometer lange Bahnlinie.

 

Gebaut wurde die Eisenbahnlinie zwischen 1850 und 1855. Aufgrund des kalifornischen Goldrausches 1849 wurde dieser Transportweg immer wichtiger. Die Goldsucher wählten oft die Anreise via Panama; es erschien ihnen einfacher als eine Reise durch die Prärien mit kriegerischen Indianerstämmen, grossen Wüsten und den verschneiten Rocky Mountains. Zwischen 1855 und 1867 wurden so mehr als $700'000'000 in Gold transportiert, ohne einen Dollar oder ein Nugget verloren zu haben (so steht es zumindest auf der Homepage). Die Kosten wurden allerdings immer höher und 1877 war die Eisenbahngesellschaft bankrott. Just in dem Moment starteten die Franzosen mit dem Bau eines Kanals durch den Isthmus. Beim Bau des Panamakanals spielte die Eisenbahn fortan eine wichtige Rolle, Baumaterialien wie Baggerschaufeln wurden zum Kanal, Aushubmaterial von Kanal weg transportiert.

 

Die einstündige Fahrt durch den Dschungel und entlang des Gatúnsees zurück nach Panama City ist ein einmaliges Erlebnis. Uns erstaunt, dass selbst nach hundert Jahren immer noch Baumstümpfe aus dem Gatúnsee herausragen. Die Bäume wurden nur entlang der eigentlichen Fahrrinne gerodet. Der Gatúnsee entstand durch den aufgestauten Rio Chagres und liegt 26 Meter über dem Meeresspiegel. 29 Kilometer des Panamakanals führen durch diesen Stausee, der eine durchschnittliche Tiefe von etwas mehr als 12 Metern aufweist. Mit dem Wasser des Stausees werden die Schleusen betrieben. Wir haben gelesen, dass aufgrund des ausserordentlich trockenen Jahres, die grösseren Schiffe ab dem 9. September den Kanal nicht mehr passieren können.

 

Die Fahrt mit der Panama Canal Railway Company geniessen wir in vollen Zügen und können sie nur empfehlen... und wie Maiara beim Anblick des Dschungels richtig bemerkt hat: 'so muss Mowgli gelebt haben...'



Panama City

Nach einem stündigen Flug landen wir in Panama City. Bereits vom Flugzeug aus sehen wir die grossen Containerschiffe, welche auf eine Passage durch den Panamakanal warten.

 

Panama City  ist mit 1.5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt dieses mittelamerikanischen Staates. Sie liegt an der Pazifikküste - direkt östlich des Panamakanals. 1821 spaltet sich Panama von Spanien ab und war  fortan ein Bestandteil von Kolumbien. Nach einer unblutigen Intervention der USA im Jahre 1903 wird Panama unabhängig; die USA sichern sich dabei die Hoheitsrechte für das Gebiet um den Panamakanal; die sogenannte Panamakanalzone war geboren. Am 31. Dezember 1999 wurde das gesamte US-Gebiet offiziell wieder an Panama übergeben.

 

Bereits die Einreise nach Panama ist ziemlich 'amerikanisch'; lange Warteschlangen vor den Immigrationsschaltern, Fingerabdrücke und Fotos werden gemacht. Auch die Währung hat sich gehalten; gezahlt wird mit US-Dollar Noten. Als Wechselgeld erhält man jedoch auch Balboa Münzen. Der Kurs ist fix an den US-Dollar gekoppelt.

 

Wir interessieren uns hauptsächlich für den Panamakanal. Daher haben wir uns für ein Hotel am Panamakanal entschieden und nicht in der eigentlichen Downtown. Welch ein Schauspiel uns hier geboten wird! Zu jeder Tages- und Nachtzeit ziehen riesige Containerschiffe direkt vor unserer Nase durch. Das Bild ist von unserem Balkon aus aufgenommen. Wir sind jetzt schon schwer beeindruckt und freuen uns auf unsere partielle Durchquerung des Panamakanals am kommenden Samstag.

 

 

 

 

 



Hasta luego Costa Rica

Costa Rica war für uns der perfekte Einstieg in unsere Reise und Lateinamerika. Da man hier mit Englisch immer zum Ziel kommt, hatten wir etwas Zeit, unsere 'Spanisch-light-Kenntnisse' langsam aufzufrischen.


Das Land konnte bestens mit dem eigenen Mietwagen erkundet werden. Ein 4x4 mit etwas Bodenfreiheit darf es schon sein. Die geteerten Strassen sind meist in einem sehr guten Zustand, doch einige der schönsten Orte sind nur über Schotter zu erreichen; mit entsprechendem Fun- & Abenteuerfaktor. Einzig die Piste Monteverde - Tilaran kratzte an der Fungrenze. Insgesamt haben wir in 20 Tagen knapp 2000 Kilometer zurückgelegt.


Landschaftlich hat Costa Rica fast alles zu bieten - traumhafte Strände mit schwarzem oder weissen Sand, grünes Hochland mit Plantagen, Vulkane, geheimnisvolle Nebelwälder, Dschungel und Seenlandschaften. Fauna und Flora sind einmalig. Man wähnt sich unentwegt in der Masoalahalle; hier ein Pfeifen, da ein Rascheln oder Brüllen. 

 

iPura vida!


Wir ziehen weiter nach Panama, sind uns aber sicher, dass wir hier nochmals hinkommen. Land und Leute gefallen uns sehr. Wir haben vieles, aber nicht alles gesehen und ein paar Sachen möchten wir mehr als einmal sehen.




Playa Conchal & Tamarindo

Wir sind wieder an der Pazifikküste, diemal in Brasilito, etwas nördlich von Tamarindo. Tamarindo ist vor allem unter Surfern sehr beliebt.


Die Anfahrt war sehr ruhig - no gravel today. 

Brasilito ist ein verschlafener kleiner Ort, mit sehr einfachen Häusern, teils Hütten und ein paar wenigen Restaurants. Wir wohnen in einem herzigen Hotel und geniessen die familiäre Atmosphäre. An der Reception treffen wir auf Agnes aus der Schweiz. Seit 13 Jahren wohnt sie hier an dieser Küste und sie hat einige wertvolle Tipps für uns. Auch wenn wir noch nicht so lange aus der Schweiz weg sind, schätzen wir den schweizerdeutschen Schwatz sehr.

Die eigentliche Perle hier ist aber die Playa Conchal. Weiss, Trillionen von Muscheln und Bäume bis zum Wasser, bei Flut bis ins Wasser. Das Wasser ist glasklar und die Temperatur sehr angenehm. Hier hat unsere eigene Hängematte ihren ersten Einsatz - so fühlt sich das Paradies an. 

Nessina und Maiara bauen jeden Tag neue Sandgebilde in Echtgrösse - vorzugsweise Meerjungfrauen - und versuchen so wie Strandkünstler unser Ferienbudget aufzubessern; leider erfolglos. Die Figuren sind dennoch toll und mit den vielen verschiedenartigen Muscheln lassen sich wunderbare Verzierungen machen.

Wir sind vier Tage an, in und mit dem Kayak auf dem Wasser. Zwischendurch besuchen wir Tamarindo. Gefällt uns auch gut, ist einiges grösser und etwas touristischer als Brasilito. Der Strand ist breit und flach, mit einer schönen Welle. Bestens um surfen zu lernen und so tummeln sich zig Surfnovizen im Wasser. Das Highlight hier sind für uns aber die fischenden Pelikane.

In Tamarindo gesehen, in Brasilito kopiert. Christian, Nessina und Maiara besorgen sich ein Boogieboard und nach zwei Stunden sind schon erste Erfolge zu verzeichnen. Zwischendurch jagen wir mit Maske und Schnorchel nach Seesternen und diversen Fischen. Maiara hat sogar eine Wasserschlange gesichtet.

Die Küste hat uns ausserordentlich gefallen und wir können uns ein Wiedersehen gut vorstellen.




Volcano Arenal Costa Rica

Wir besuchen einen der aktivsten Schildvulkane der Welt. 1968 war der Vulkan nach einem Erdbeben aus einem 400-jährigen Schlaf erwacht. Bei diesem Ausbruch kamen 87 Menschen ums Leben.  Seither waren mehrere kleine Ausbrüche zu verzeichnen, doch seit 2010 fliesst keine Lava mehr, der Vulkan schläft. 


Unser Hotel liegt gleich am Fusse des Vulkans, auch wenn wir ihn in diesen Tagen eher 'Wolkan' nennen können.  Trotzdem beeindruckt uns der Berg sehr; seine konische Form und die Spuren vergangener Lavaströme sehen bei jeder Witterung toll aus.


Das kleine hoteleigene Museum zum Vulkan Arenal und seinem Seismographen beeindruckt nicht nur Nessina und Maiara. 


Morgens kann man sich jeweils durch die Alarmclock Modell Brüllaffe wecken lassen. 


Auch eine Coatifamilie mit sechs bis sieben Jungtieren lebt auf dem Hotelgelände. Coatis gehören zur Familie der Nasenbären. Ihren Namen haben sie aufgrund der rüsselartig verlängerten Schnauze mit beweglicher Nase.

 

Tukane sehen wir aus der Ferne, sie sind jeweils in kleineren Gruppen unterwegs, in den Bäumen sehr flink und im Flug eine Herausforderung für den Autofokus. 

 

Von der Terrasse der Lodge hat man einen wunderbaren Blick auf den Arenal-Stausee. Mit einer Fläche die fast dem Zürichsee entspricht, ist er der grösste Binnensee Costa Ricas.

 

Der See wurde in den 70er Jahren künstlich aufgestaut und deckt beinahe 60% des Landesbedarfs an elektrischer Energie.

 

 


Monteverde Cloud Forest Costa Rica

Unsere Reise führt uns wieder über eine Schotterstrasse zurück ins Gebirge. Wir haben gelesen, dass die Strassen um Monteverde herum absichtlich in einem schlechten Zustand belassen werden; dies soll Touristen dazu animieren, mindestens eine Nacht in der Region zu übernachten. Es scheint zu wirken.

 

Da das Gebiet um den Nebelwald Monteverde zwischen 1330 und 1550 müM liegt, sind die Temperaturen mit 24 Grad eine willkommene Abwechslung. Monteverde ist eine Region und kein Ort oder Berg und liegt auf der Kontinentalwasserscheide.

 

Santa Elena ist der Hauptort dieser Region und Ausgangspunkt diverser Touren.  Uns gefällt das kleine Städtchen sehr; hier treffen (Lebens-)Künstler, Einheimische und unendlich viele Backpackers aufeinander.

 

Hauptattraktion ist aber der 'Bosque Nuboso'. Weltweit sind nur ca. 1% aller Wälder 'Nebelwälder'. Diese seltenen Wälder gibt es nur in tropischen und subtropischen Bergregionen wo der Nebel den Wald regelmässig bedeckt.

 

Wir entscheiden uns für eine gut dreistündige Wanderung durch den Nebelwald. Andere Touristen begegnen uns auf unserem Spaziergang nur selten. Die Pflanzenwelt ist einmalig und über uns schwebt immer irgendwo eine Nebelschwade. Die Hängebrücke über eine tiefe Schlucht ist nichts für Leute mit Höhenangst, besonders weil sich einige Gitterroste bereits gelöst haben.

Wir übernachten in einem herzigen Chalet mit zwei Schlafzimmern und einer Küche in Santa Elena. Die Aussicht ist bombastisch; vom Sitzplatz aus sehen wir bis zur Nicoya Halbinsel. Wir geniessen unsere Nachos und das Bier und die Mädchen baden im ersten kühlen Pool unserer Reise und bewundern die vielen Kolibris im Garten.

 

 

 

 

 


Bahia Drake Costa Rica

Der Name hat es uns angetan: Drake Bay - Bahia Drake. Das hört sich doch spannend an! Sir Francis Drake war ein englischer Freibeuter und Entdecker und der erste englische Weltumsegler. Freibeuter hört sich gut an, aber eigentlich gilt als Synonym auch Seeräuber oder Pirat. 1579 soll die 'Golden Hind' in dieser Bucht vor Anker gegangen sein. Zudem soll er einen Teil seiner Beute hier vergraben haben. Einige Stimmen meinen jedoch, dass der eigentliche Schatz die tollen Strände und die fantastische Aussicht seien. Wir stimmen dem zu und suchen nicht weiter nach Golddublonen und Edelsteinen...


Diese Aufnahme haben wir von unserer Unterkunft aus gemacht. Während des Morgenessens fliegen rot-blaue Aras in Dreierformation vor der Terrasse durch. Da wähnt man sich schon ein bisschen im Paradies.

Die Anfahrt nach Bahia Drake ist hingegen weniger paradiesisch - aber umso abenteuerlicher. Unser Urban Offroader Toyota RAV 4 meistert aber auch diese Hürde und nach 75 Minuten haben wir die 24 Kilometer Schotterpiste gemeistert. Dabei gilt es Brücken auf zwei Brettern, welche genau Radbreite aufweisen zu überqueren, gefühlten tausend Schlaglöchern auszuweichen und teils grosse Flüsse zu durchfahren.

 

Wir geniessen jeden Kilometer.

 

 

 

 

 


Manuel Antonio Costa Rica

Wir sind am grössten Ozean der Welt angelangt und gönnen uns hier ein tolles Hotel. Die Aussicht vom Pool auf die vorgelagerten Felsen des Manuel Antonio NP ist bombastisch. Der warme Pool bietet bei ca. 36 Grad leider keine Abkühlung aber wir geniessen es trotzdem hier.

 

Auf dem Hotelgelände tümmeln sich Kapuziner- & Totenkopfäffchen, Iguane und unzählige Vögel, Kolibris und Schmetterlinge.

 

Wir besuchen den Manuel Antonio National Park und hoffen dort ein paar Faultiere (Sloth) zu sehen. Wir haben Glück und sehen sogar eine Mutter mit ihrem Jungtier oben in den Bäumen. Die Faultiere haben ca. 10 cm lange Krallen; damit halten sie sich an den Ästen fest. Der Name scheint Programm zu sein, denn Aktivität sieht anders aus.

 

Auf dem Weg zum berühmten Strand des Manuel Antonio Parks sehen wir zudem flinke Affen, grosse Krebse, schwirrende Kolibirs und grosse Spinnen.

 

Die Bucht der Manuel Antonio Beach ist palmengesäumt und sehr schön. Nessina und Maiara freuen sich auf ein Bad in den Wellen.

 

Nach dem Rückweg bei 36 Grad gönnen wir uns eine kühle Kokosnuss.

 

 

 

 


Central Costa Rica

Wir wechseln von der karibischen zur pazifischen Küste und übernachten in der Mitte des Landes, südlich von San José. Wir überqueren dabei die Talamanca-Gebirgskette. Die Strassen sind kurvenreich und die grüne Hügellandschaft zieht und in ihren Bann. Wir übernachten an einem kleinen See und geniessen die Aussicht.

 

Der See befindet sich inmitten von unzähligen Kaffeeplantagen. Wir sind im Herzen des Kaffeeanbaugebietes Costa Ricas angelangt. Unser Hotel ist umgeben von solchen ca. 150 cm hohen Sträuchern. Die Früchte sind noch grün, geerntet wird von Juli bis Februar. In Costa Rica wird per Gesetz ausschliesslich die Arabica-Pflanze gezüchtet. Beim Frühstück überzeugen wir uns, wie toll der Kaffee hier schmeckt. Selbst Nessina und Maiara gönnen sich ein Tässchen.


Green Turtles in Tortuguero

Der Strand vor Tortuguero ist ein wichtiger Eiablageplatz der grünen Meeresschildkröten. Dieses Ereignis wollen wir uns nicht entgehen lassen und um acht Uhr abends wandern wir mit Gummistiefeln ausgerüstet etwa 45 Minuten durch den pechschwarzen Dschungel entlang der Küste. Jegliches weisses Licht ist verboten; nur der Führer weist mit einer Rotlichtlampe den Weg. Es ist heiss und es herrscht hundertprozentige Luftfeuchtigkeit. Wir sehen einen für Costa Rica typischen Rotaugenlaubfrosch und lauschen den Geräuschen des nächtlichen Dschungels. Leider scheint uns der Vollmond einen Strich durch die Rechnung zu machen; weit und breit keine Schildkröten in Sicht. Dann plötzlich Hektik: etwa 15 Minuten weiter der Küste entlang ist gerade eine Schildkröte bei der Eiablage. Wir beeilen uns und sehen nur noch wie sich die rund 1m lange und 200 kg schwere Dame zurück ins Meer hievt. Plötzlich tauchen aus dem Meer noch zwei andere Riesenschildkröten auf und begeben sich zur Eiablage an den Strand. Da das Buddeln eines Eiablagelochs seine Zeit in Anspruch nimmt, sehen wir die eigentliche Eiablage leider nicht. Dennoch hat sich der Trip für uns alle gelohnt und todmüde fallen wir gegen Mitternacht ins Bett.

 

 


Costa Rica

Bienvenidos a Costa Rica!

 

Die Schweiz Mittelamerikas - wie uns der Taxifahrer auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel gleich stolz mitteilt. 

 

Nach einer über 24stündigen Anreise, welche die Mädchen bravourös gemeistert haben, haben wir uns einen faulen Tag am Pool verdient.

 

Nessina hat an unserem ersten Tag in Costa Rica Geburtstag! ...und ist natürlich mit diesem easy Geburtstagprogramm mehr als zufrieden.

 

Der Geburtstagskuchen ist so gross, dass er auch für die anderen Gäste im Restaurant reicht.

 

Unsere Rundreise führt uns zuerst an die karibische Küste, nach Tortuguero. Die Anreise zum Hotel im Nationalpark ist Highlight für sich. Mit einer Art motorisiertem 'Speed-Einbaum' fahren wir fast eine Stunde durch einen stark mäandrierenden Fluss Richtung Meer. Unser Auto hat nun drei Tage Pause. 

 

Das Mündungsgebiet sei übrigens voller Bullsharks und Kaimane. Wir baden im Pool.

 

 

 

 

 

 

 

 


mit 80kg um die welt

Das Gepäck ist ready. Wir auch. Endlich geht es los.


Mit vier mal zwanzig Kilogramm und etwas Handgepäck starten wir in Zürich. 
Nach einem intensiven Vorbereitungsjahr beginnt nun unsere Reise. Aus Theorie wird Realität - auch wenn es sich immer noch ziemlich surreal anfühlt. 

Unsere Route führt uns über Toronto und San Salvador nach San José in Costa Rica. 10641km und 21h.